1. Wie funktioniert Herrschaft im Mittelalter?

Steirischer Herzogshut, um 1400

Objekt


Steirischer Herzoghut
Datierung: 
um 1400
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

Zopforden, um 1377

Objekt

 

Zopforden
Datierung: 
um 1377
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

Herrschaft braucht eine rechtliche Grundlage und System. Aus der Sicht des Mittelalters ist das ein klares, gottgegebenes Oben und Unten.

An der Spitze der „Gesellschaftspyramide“ steht ab 1180 der steirische Herzog. Er ist zuständig für den Landesfrieden, er ist oberster Gerichtsherr, ihm gehört alles Land. Seine Macht und Verantwortung gibt er stückweise weiter: an Adelige, Bischöfe und Äbte seines Vertrauens. Ihre Untertanen roden und besiedeln, treiben Landwirtschaft und Bergbau. Ein Teil des Profits geht in Form von Steuern zurück an den Landesherren, der damit z. B. die Verteidigung des Landes finanziert.

Durch dieses Prinzip der Weitergabe, der Schenkung und des Tauschs von Grund und Boden entwickelt sich das Land im Laufe des Mittelalters zu einem Flickenteppich von Grundherrschaften. So wird für Fohnsdorf ursprünglich allein der Erzbischof von Salzburg als Eigentümer angenommen, 1813 gibt es im Werbbezirk (eine historische Verwaltungseinheit) 29 Grundherrschaften. Aus heutiger Sicht ist es schwer vorstellbar, dass mit dem Land die Verfügungsgewalt über die dort lebenden Menschen weitergegeben wird.

Aber so ist es: Dem Kloster Göß werden im Rahmen seiner Stiftung neben dem Land auch die Bauern von Adendorf und Kompitz bei Fohnsdorf geschenkt. Regieren im Mittelalter baut auf Vertretung. Der Herrscher reist zwar durch sein Land, hält Gericht, vergibt Privilegien. So gering wie die Reisegeschwindigkeit sind aber die Tage seiner tatsächlichen Anwesenheit. Den Gutteil der Zeit bringen lokale Mächte ihre Autorität stellvertretend zur Geltung. Vor diesem Hintergrund sind Symbole wichtig, sichtbare Zeichen, die Rechtsver
hältnisse abbilden und bezeugen.

Für die Steiermark ist der (mehrfach umgestaltete) Herzogshut aus der Zeit um 1400 das politische Symbol schlechthin. Der noch um einige Jahre ältere Zopforden steht für die Bindung von Gefolgschaft: Nur wer zur Elite gehört, wird Mitglied im Club! Ein Orden belegt als sichtbares Zeichen die eigene Zugehörigkeit. 

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So 10 - 17 Uhr

 

24. bis 25. Dezember