Shape and Shade

Herbert Brandl features Thomas Baumann

22.10.2020-07.03.2021 18:00-23:55



Schwarz oder weiß, ja oder nein, 0 oder 1? Über einfache Entscheidungen wie diese findet Thomas Baumann einen scheinbar simplen Zugang zu komplexen Zusammenhängen in der Auseinandersetzung mit digitalen Prozessen. Mit feiner Ironie parodiert Baumann die Technikgläubigkeit unserer Zeit und führt uns vor Augen, dass Maschinen die besseren Menschen sind. Hinter den maschinellen Ausdrucksformen, die beim Betrachten seiner Arbeiten vordergründig erscheinen, stehen jedoch komplexe Eingriffe des Künstlers. Mit einer spürbaren Selbstverständlichkeit im Umgang mit Technik und Elektronik überlässt Baumann viele Entscheidungen den Maschinen, die er in akribischer Handarbeit selbst herstellt. Das „Chaos, hinter dem ja auch Ordnung steckt“ (Baumann), und der damit verbundene Zufall sind formgebende Komponenten seiner Werke – ob es sich dabei nun um kinetische Skulpturen wie seine Federn (2004–) oder die Malerei der computergesteuerten Plotter (2000–) handelt.

Auch die Bewegungen der Arbeit Shape and Shade sind maschinell gesteuert. Ursprünglich als Skulptur ausgeführt (2005 in der Educational Alliance Gallery in New York gezeigt), vollführen vernähte Seile, die von kleinen Motoren in Schwingung versetzt werden, endlos unkalkulierbare Bewegungen. Der historische Hintergrund der damaligen ausstellenden Institution als Anlaufstelle für Immigrant*innen, die bekanntlich mit Schiffen den Ozean überquerten, ließ Baumann zu Materialien aus dem Schiffsbau greifen: Ein schwarzes und ein weißes Seil, nahtlos ineinander übergehend, bildeten eine endlose Linie, die sich im maschinellen Antrieb zu skulpturalen Schlingen verformte. Im Subtext der Arbeit (mit dem Untertitel for a black and a white rope) schwingen Flüchtlingsthematiken und Rassismus mit, Themen, die – wie jüngste Ereignisse einmal mehr gezeigt haben – schließlich immer noch ausreichend Nährboden in unserer Gesellschaft finden. 2008 entwickelte Baumann diese Arbeit mit dicken Schiffstauen für die Renaissance Society in Chicago weiter – übrigens eine für Baumann typische Vorgehensweise, bereits umgesetzte künstlerische Ideen für andere Orte und Zusammenhänge zu adaptieren und weiterzudenken.

Mit plot:bach machte Thomas Baumann 2004 den Anfang einer Reihe künstlerischer Projekte für die BIX-Medienfassade des Kunsthauses Graz. Ausgangspunkt damals war eine Pixelmaschine, eine selbst entwickelte Software, die es Baumann erlaubte, ein Stück von Johann Bach zu visualisieren und damit – tonlos – Musik über die Fassade zu spielen. Im Zuge seiner Einzelausstellung im Kunsthaus bat Herbert Brandl (der plot:bach gesehen hatte und von der präzisen Umsetzung fasziniert war), seinen Künstlerkollegen um die Entwicklung eines neuen Projekts für die BIX.

In Anspielung auf das Analoge, das der Malerei per se und Brandls Arbeiten im Speziellen innewohnt, entschied sich Baumann für die von Zufall und Physik geformten Linien, die Shape und Shade entstehen lässt. Er filmte die Bewegungen des Seils ab, um die Arbeit an die Anforderungen der BIX-Fassade anzupassen. Das Seil wird zur Zeichenmaschine, das Kunsthaus umgarnt, vernetzt, eingesponnen. Wie in anderen Arbeiten auch, beinhaltet Shape and Shade das Element Zeit in Form von Rhythmus. Von der Skulptur aus denkend, unterscheidet Baumann dabei Zeit nicht von Raum – und bringt damit ganz nebenbei Naturgesetze ins Schwanken.

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