Daniel Egg

Information Stream

18.11.-31.12.2014 16:00-00:00


 

Kosten: freier Eintritt!

Rauch – das Medium früher Kommunikationsformen – wurde im Laufe der Zeit vom intellektuellen Gestus der 1920er-Jahre über das Kennzeichen jugendlicher Unsterblichkeit der 1960er heute zum Auslöser gesellschaftlichen Naserümpfens degradiert. Diese Entwicklung reflektiert Daniel Egg (* 1973 in Wien, lebt in Wien), der in seinem Projekt Information Stream Zigarettenrauch als Kommunikationsmittel einsetzt und ein semantisches Formenvokabular entwickelt, das sich im Rauch manifestiert. Im performativen Selbstversuch füllte er dafür seine Lungen mit Rauch, um ein visuelles Alphabet der gesprochenen Sprache zu erstellen.


„Und deine Sprache kann mir nicht den Krebs erregen“ (Oswald Wiener)

Die ambivalenten Materialien des Daniel Egg

Anlässlich der neuen Arbeit von Daniel Egg auf der BIX-Fassade des Kunsthauses hält der Wiener Philosoph Robert Pfaller einen Vortrag. Pfaller wendet sich in seinem Buch „Wofür es sich zu leben lohnt“ gegen einen gesellschaftlichen und politischen Trend, der den Menschen „nichts als bekömmliche Dinge vor die Nase setzt“. Als Konsequenz dieser Denkweise wird ein Teil des Kunsthauses nicht nur konzeptuell zum Rauchsalon.

 

Zum Projekt erscheint ein Katalog mit Texten von Veit Loers, Franz Thalmair, Thomas Mießgang, Günther Holler-Schuster und einem Gespräch zwischen Daniel Egg und Katrin Bucher Trantow sowie Abbildungen der gesamten Serie bestehend aus Film, Fotografie und Lichtinstallation.

 

Dienstag, 18.11.2014: Luise im Kunsthaus

19 Uhr Einführung in die Arbeit von Daniel Egg mit Katrin Bucher Trantow

19.30 Uhr Vortrag von Robert Pfaller

Ab 22 Uhr Chill, shake & talk Urban Future Bar mit DJ collective SOULBRÜDER zu Gast im Rauchsalon: www.urban-future-bar.at

 

 

Robert Pfaller

Robert Pfaller ist Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Gastprofessuren u. a. in Amsterdam, Berlin, Chicago, Oslo, Strasbourg, Toulouse, Zürich.

Gründungsmitglied der Wiener Forschungsgruppe für Psychoanalyse stuzzicadenti.

2007 ausgezeichnet mit dem Preis „The Missing Link“ des Psychoanalytischen Seminars Zürich.

Veröffentlichungen

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Veröffentlichungen u. a.:

Wofür es sich zu leben lohnt. Elemente materialistischer Philosophie (Frankfurt/M.: Fischer, 2011)

Ästhetik der Interpassivität (Hamburg: philo fine arts, 2008).

Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur (Frankfurt/M.: Fischer, 2008)

(Hg.:) Schluss mit der Komödie! Über die schleichende Vorherrschaft des Tragischen in unserer Kultur (Wien: Sonderzahl, 2005)

Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur (Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2002).

 

Abstract zum Vortrag

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"und deine sprache kann mir nicht den krebs erregen" (Oswald Wiener)

 Die ambivalenten Materialien des Daniel Egg

 

„Ich setze sprachliche Zeichen, wenn ich rauche“, scheint Daniel Egg in seiner Serie lautbasierter Tabakwolken zu sagen - ähnlich wie es vor ihm z. B. Lauren Bacall tat, wenn sie Humphrey Bogart fragte, ob er für sie Feuer habe. In einer Zeit, in der Rauchen gesellschaftlich infam geworden zu sein scheint, mag dies als Erinnerung daran dienen, dass Tabakkonsum nicht nur die Anhänglichkeit an eine schädliche Substanz ist, sondern eine kulturelle Praxis, die in prägender, ja vielleicht sogar konstitutiver Weise mit anderen kulturellen Praktiken zusammenhängt - zum Beispiel solchen der Erotik oder des Intellektualismus, und sogar den elementaren Formen bürgerlicher Meinungsfreiheit. Schließlich wurden in den Cafés des 19. Jahrhunderts nicht nur Wolken blauen Rauchs geblasen, sondern zugleich auch emanzipatorische und revolutionäre Ansichten ventiliert. Aber man darf nicht vergessen, dass die Kunst selten nur eindeutige Stellungnahmen abliefert. Ist es denn sicher, dass Egg das Rauchen durch das Sprechen legitimiert (oder sublimiert)? Könnte es nicht auch umgekehrt sein? Schließlich galt einer der elementaren Vorbehalte der radikalen, klassischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts, zum Beispiel bei Oswald Wiener, gerade der menschlichen Sprache: „und wie schön ist erst die welt, wenn jeder seine dreckschleuder dem spucken aufhebt“, heißt es in der verbesserung von mitteleuropa. roman. Dieser Traditionslinie sprachkritischer Kunst folgend, könnte man spekulieren, ob Egg nicht das Infame, das dem Rauchen heute anhaftet, auf die Sprache übertragen wissen will: „Ich rauche, wenn ich spreche“, scheinen seine Zeichen uns dann warnend sagen zu wollen.

 

Robert Pfaller

Kunsthaus Graz

Lendkai 1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9200
kunsthausgraz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
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Katalog
INFORMATION STREAM. DANIEL EGG Das Künstlerbuch von Daniel Egg wird aus Anlass seiner neuen Arbeit »Information Stream« auf der BIX Fassade des Kunsthauses herausgegeben.

Neugierig, was sich auf der BIX-Fassade jetzt gerade tut?

>>  Hier geht es zur Livecam

http://bixcam.kunsthausgraz.at/