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Stainz, 07.05.2026
Die neue Sonderausstellung Blühende Felder. Eine Fahrt ins Blaue im Landwirtschaftsmuseum Schloss Stainz erzählt die Geschichte fünf blühender Nutzpflanzen: über ihre Ursprünge, ihre globale Verbreitung, ihren Weg in die steirische Küche – und die Herausforderungen, die der Klimawandel für die Landwirtschaft heute bedeutet. Die Ausstellung ist Teil des Themenschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum.
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Diana Brus, Die ORGANISATION, Ausstellungsgestaltung, Maria Zengerer, Ausstellungskuratorin, Barbara Müller, Leiterin der Museen in Schloss Stainz und Kuratorin und Josef Schrammel, kaufmännischer Direktor des Universalmuseums Joanneum, v.l. vor der künstlerischen Intervention von Anita Fuchs; Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026
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Mais aus Mexiko, Kartoffeln aus den Anden, Käferbohnen aus Mittelamerika: Was heute selbstverständlich auf dem steirischen Speiseplan steht, hat eine Geschichte, die untrennbar mit Kolonialismus, globalem Pflanzentransfer und wirtschaftlichen Ungleichgewichten verbunden ist. Blühende Felder beleuchtet fünf Pflanzen – Lein, Kartoffel, Käferbohne, Kürbis und Mais – von ihrer Herkunft bis zu ihrer Rolle in der heutigen Landwirtschaft. Historische Objekte, wissenschaftliche Exponate und künstlerische Positionen verbinden dabei Kulturgeschichte, Botanik und aktuelle Fragen rund um Klimawandel und Artenvielfalt.
„Für jede dieser Pflanzen spannt die Ausstellung einen Bogen von der Kulturgeschichte und der Bedeutung für die indigene Bevölkerung bis zur Aneignung durch Entdecker und Eroberer und ihrer Etablierung in Europa. Doch Blühende Felder bleibt nicht im Historischen stehen: Die Ausstellung richtet den Blick ebenso auf Gegenwart und Zukunft der Landwirtschaft. Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Extremwetter stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Gerade deshalb wollen wir diese Themen nicht nur wissenschaftlich vermitteln, sondern auch sinnlich erfahrbar machen – durch Objekte, künstlerische Interventionen und neue Perspektiven auf scheinbar Bekanntes“, erklärt Barbara Müller, Leiterin der Museen in Schloss Stainz und Kuratorin der Ausstellung.
So reicht die Vielfalt der gezeigten Objekte von historischen Illustrationen der Kürbispflanze über eine Ölpresse aus dem 19. Jahrhundert und Geräte zur Herstellung von Bauernleinen sowie hitztolerante Bonela-Bohnen, die aktuell von der Saatzucht Gleisdorf gezüchtet werden, bis hin zu 3D-Modellen von Schädlingen, die den Einfluss des Klimawandels auf die Landwirtschaft anschaulich machen.
Fünf Pflanzen – fünf Geschichten
Die ältesten Vorfahren des steirischen Ölkürbisses wurden in Südmexiko gefunden und auf 10.700–9.200 v. Chr. datiert. Nach Europa gelangte der Kürbis erst Ende des 15. Jahrhunderts – zunächst als Viehfutter und Arme-Leute-Essen. Die erste steirische Erwähnung datiert auf 1596. Heute prägen rund 9.000 Hektar Anbaufläche die Steiermark; das Kürbiskernöl ist EU-weit geografisch geschützt.
Die Käferbohne wird seit rund 8.000 Jahren in Mittelamerika kultiviert. In der Steiermark gilt sie seit dem 19. Jahrhundert als heimisch; seit 2016 trägt sie eine geschützte geografische Herkunftsangabe. Phaseolen aus der Samensammlung Erzherzog Johanns belegen frühe steirische Anbauversuche.
Mais wurde vor etwa 9.000 Jahren in Mexiko aus dem Wildgras Teosinte gezüchtet. Kolumbus brachte ihn 1496 nach Spanien, ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde er auch in der Weststeiermark angebaut. Heute ist Mais das weltweit meistproduzierte Getreide. Eine aztekische Fruchtbarkeitsgöttin (Leihgabe des Weltmuseums Wien) erinnert an seine kultische Bedeutung.
Mayas und Azteken bauten ihn nach der Milpa-Methode an – gemeinsam mit Bohnen und Kürbis auf einem Feld. Eine Ausstellungsanleitung zeigt, wie man dieses Prinzip zu Hause anwenden kann.
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Jeder der fünf Nutzpflanzen - Kürbis, Käferbohne, Mais, Kartoffel und Lein - ist ein eigener Raum in der Ausstellung gewidmet, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Die Kartoffel stammt aus den Anden, wo sie vor rund 5.000 Jahren kultiviert wurde. Um 1570 brachten die Spanier sie nach Europa – zunächst als Zierpflanze. In Österreich förderten Maria Theresia und Erzherzog Johann ihren Anbau. Ein Steigbügelgefäß der Moche-Kultur und ein Kartoffelroder aus der Modellsammlung Erzherzog Johanns dokumentieren Verehrung und Modernisierung. Heute wird die Kartoffel in über 150 Ländern angebaut.
Lein ist seit der Jungsteinzeit in Europa nachgewiesen und war bis ins 18. Jahrhundert die wichtigste Faserpflanze Mitteleuropas – bevor Baumwolle ihn verdrängte. Ein mumifiziertes Fußfragment verweist auf die Verwendung von Leinen im alten Ägypten, eine historische Riffelbank auf die Fasergewinnung. Heute gewinnt Leinen als ökologische Naturfaser wieder an Bedeutung. Der Ausstellungstitel Fahrt ins Blaue erinnert an die Zeit blühender Leinfelder, durch die Landpartien einst führten.
„Lein ist im Anbau weit aufwändiger als Baumwolle – weshalb Baumwolle den Lein bzw. Flachs weitgehend verdrängt hat. Das europaweite Projekt ‚1 qm Lein' möchte die Kultivierung von Lein wieder fördern, und auch wir im Landwirtschaftsmuseum sind Teil davon: Wir haben ein Ein-Quadratmeter-Leinfeld angepflanzt, es von Beikraut freigehalten, den Lein händisch ausgerauft, getrocknet, geriffelt und gebrechelt. In der Ausstellung sind sowohl die Werkzeuge dafür als auch eine Dokumentation dieses Prozesses zu sehen", so Kuratorin Maria Zengerer.
Die Ausstellung greift auch aktuelle Herausforderungen auf: Schädlingsbefall, Extremwetterereignisse und der Rückgang von Insekten – auf die 80 % aller Wild- und Kulturpflanzen als Bestäuber angewiesen sind – gefährden die Landwirtschaft grundlegend.
Die Ausstellung vereint zahlreiche Kooperationspartner*innen: Die Gestaltung übernahm „DIE ORGANISATION" (Werner Schrempf und Diana Brus), der Künstler Gernot Passath gestaltete großformatige illustrierte Wandbilder der Pflanzen, und die Lebenshilfe Arnfels fertigte die Keramikschalen für die ausgestellten Samen an. Zu sehen sind zahlreiche Objekte aus den eigenen Sammlungen des Universalmuseums Joanneum, ergänzt werden sie durch Leihgaben des MAK Wien, der Steiermärkischen Landesbibliothek und des Weltmuseums Wien.
Fachliche Expertise steuerten die Saatzucht Gleisdorf, die Landwirtschaftskammer Steiermark, die Arche Noah sowie die BOKU Wien bei.
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Die zeitgenössische Intervention in der Ausstellung von Anita Fuchs verbindet die malerische Stilllebentradition des 17. Jahrhunderts mit botanischer Analyse der Gegenwart, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek, © Bildrecht Wien, 2026
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Künstlerische Interventionen verbinden alle BLOOM-Ausstellungen miteinander. Die steirische Künstlerin Anita Fuchs sammelte für die Intervention in Schloss Stainz Blumen und natürliche Materialien in einem Radius von 100 Metern rund um alle acht BLOOM-Standorte des Universalmuseums Joanneum, fertigte daraus Bouquets und konservierte diese in Fotografien. Jedes Bouquet wurde wissenschaftlich ausgewertet; die sichtbar miterfassten Insekten verweisen auf das symbiotische Gefüge.
Blühende Felder wird am Samstag, 9. Mai, um 11 Uhr eröffnet. Begleitend zur Ausstellung werden über die gesamte Laufzeit hinweg Rundgänge und Kuratorinnenführungen angeboten. BLOOM-Tag in Schloss Stainz: Am 28. Juni ist der Eintritt im Rahmen des Programmschwerpunkts BLOOMen im Juni frei.
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Blühende Felder. Eine Fahrt ins Blaue Landwirtschaftsmuseum, Schloss Stainz, Schlossplatz 1, 8510 Stainz Eröffnung: 09.05.2026, 11 Uhr, Eintritt frei Laufzeit: 09.05.–31.10.2026, Mi–So, feiertags, 10–17 Uhr Kuratiert von Barbara Müller und Maria Zengerer
Den ausführlichen Pressetext und Bildmaterial zum Download finden Sie unter folgendem Link: BLÜHENDE FELDER
Die Sonderausstellung ist Teil des Themenschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz. Infos zu allen Ausstellungen und dem Programm finden Sie hier: BLOOM
Wir danken unseren Sponsor*innen Grazer Wechselseitige Versicherung und Drei.
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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