Jochen Gerz

63 Jahre danach, 2010

11.03.2010-30.07.2014



Vom Landtag Steiermark und der Steiermärkischen Landesregierung beauftragt, ein Gedenkzeichen zum Machtmissbrauch in der NS-Zeit zu entwickeln, hat der deutsche, heute in Irland lebende Künstler Jochen Gerz eine zweiteilige Arbeit konzipiert: Zum einen wurde ICH SIGFRIED UIBERREITHER LANDESHAUPTMANN, eingeschrieben in den Bogen des mittelalterlichen Grazer Burgtors, im Dezember 2008 fertiggestellt, zum anderen wurde im März 2010 63 Jahre danach, eine Arbeit mit der Öffentlichkeit – insgesamt sind 20 dem öffentlichen Votum folgende Bild/Text-Objekte zur Ausführung gelangt –, in 8 steirischen Gemeinden und an 11 Orten in Graz präsentiert.
Zur Präsentation fanden vom 11. bis 13. März 2010 vor Ort Dialoge mit dem Künstler und VertreterInnen der verschiedenen Öffentlichkeiten unter der Moderation von Dr. Thomas Götz (Kleine Zeitung) statt.


(Das detaillierte Programm entnehmen Sie bitte der beiliegenden Einladung.)

 

Das Projekt 63 Jahre danach zeichnet sich durch eine auch im internationalen Maßstab gültige einzigartige Herangehensweise aus. An die Stelle eines traditionellen Erinnerungsobjekts wird über Monate hinweg via Tageszeitung die Öffentlichkeit in die Verantwortung gegenüber historischen Ereignissen genommen.


Das im Spätsommer 2008 gestartete, vom Landtag Steiermark initiierte und von der Steiermärkischen Landesregierung beschlossene Projekt von Jochen Gerz und der Öffentlichkeit fand im Dezember 2008 mit der Eröffnung des ersten Projektteils – der Inschrift im Grazer Burgtor gegen den Machtmissbrauch in der Steiermark – ICH SIGFRIED UIBERREITHER LANDESHAUPTMANN seinen ersten Höhepunkt. 

Gleichzeitig wurde der äußerst breit angelegte und in hohem Maß von der Kleinen Zeitung unterstützte interaktive Projektteil 2 zur Vergegenwärtigung des Gedenkens und der Überführung der Erinnerung auf heute relevante und gesellschaftspolitisch aktuelle Prozesse und Kooperationsformen mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten und Teilöffentlichkeiten gestartet.

 

Am Beginn stand die Bildung einer interdisziplinären Forschungsgruppe: Steirische Historiker, Kunsthistoriker, Soziologen, Germanisten suchen nach Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus. Im Unterschied zur erwarteten historischen Dokumentation der NS-Zeit sollen Schnappschüsse des Alltagslebens, die Kontinuität der Bilder von Gestern und Heute, gefunden werden. 96 aus vielen hundert Fotografien werden in einer steirischen Tageszeitung veröffentlicht. Die Leserinnen und Leser der Zeitung wählen daraus 48 Fotos aus und legen sie wieder via Zeitung den 56 Landtagsabgeordneten vor, verbunden mit der Einladung, zu je einem Bild ihrer Wahl einen persönlichen Text aus heutiger Sicht und 63 Jahre danach zu verfassen. So folgen 48 Abgeordnete im Frühjahr 2009 der Einladung. Ihre Texte werden in der Zeitung zusammen mit den Fotos der NS-Zeit publiziert und wieder wählt daraus die Leserschaft die 24 Beiträge aus, die das Kunstwerk 63 Jahre danach konstituieren. Auch die Verteilung auf 24 verschiedene Standorte der Steiermark entscheiden die Leser und Leserinnen der Zeitung.

 

Als Ergebnis der fast einjährigen Realisierungszeit in der Tagespresse sollen in 12 steirischen Gemeinden und an 12 Grazer Standorten 24 Objekte installiert werden, die die Entstehung der Arbeit dank der öffentlichen Autorschaft der Wissenschaftler, Politiker und der Leserschaft der Zeitung dokumentieren und jeden Ort mit dem auf ihn bezogenen Foto/Text konfrontieren.

 

Gewählte Standorte in Graz
Augarten
Bischofsplatz
Eisernes Tor
Freiheitsplatz
Geidorfplatz
Hauptbahnhof (derzeit wg. Bauarbeiten demontiert)
Schlossbergplatz
Herrengasse
Wirtschaftskammer (abgelehnt/kurz vor der Eröffnung demontiert)
Wahlzentrale/Burg
Karmeliterplatz
Tummelplatz (aufgrund baulicher Gegebenheiten nicht installiert)

 

Gewählte steirische Gemeinden
Eisbach-Rein (demontiert)
Feldbach
Gleisdorf
Köflach
Leoben
Selzthal
St. Ilgen
Wagna
Bad Mitterndorf (abgelehnt)
Haus im Ennstal (abgelehnt)
Neumarkt in Stmk. (abgelehnt)
Rohrmoos-Untertal (abgelehnt)


Siehe auch 
unseren Beitrag am Museumsblog 

 

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

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