N-O-S-W – Nie Ohne Seife Waschen 2022

4 Exkursionen in alle Himmelsrichtungen

15.05.-23.10.2022



2013 vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark ins Leben gerufen, finden die vier sonntäglichen Rundfahrten heuer zum achten Mal statt.

Im Vordergrund steht die Vermittlungpermanenter und temporärer Kunstprojekte, die das Institut initiiert oder begleitet hat. Darüber hinaus stehen auch historische Kunstwerke im öffentlichen Raum im Fokus und es werden Fragen zu ihrer Repräsentationsfunktion und der gesellschaftlichen Interaktion aufgeworfen.

Der gegenwärtige Krieg in der Ukraine führt uns schmerzhaft die Interdependenzen unseres zivilisatorischen „Fortschritts“ vor Augen, in der sich das politische Machtgefüge sowie technologische und ökonomische Prozesse ebenso gegenseitig determinieren wie Auswirkungen auf das Klima. Jede der vier N-O-S-W-Rundfahrten steht unter einem mit diesem Problemfeld verbundenen Leitthema. Den bildmotivischen Prolog zu „Krieg“ – „Pandemie“ – „Belagerung“ – „Währung“ bilden vier mittelalterliche ikonische Darstellungen, die aus dem Norden, Osten, Süden und Westen der Steiermark stammen.

Ausgedacht, abgefahren, verpackt und begleitet von Alexandra Riewe.

Projekte von folgenden Künstler*innen: Dellbrügge & de Moll, Barbara Edlinger, Herbert Eichholzer, Anna Jermolaewa, Walter Ritter, Alexander Silveri, Elizabeth Ward, Manfred Wolff-Plottegg, Wolfgang Becksteiner, Nayarí Castillo, Jochen Gerz, Joachim Hainzl, Karl Karner, RESANITA, Gustav Troger, Joachim Baur, Pedro Cabrita Reis, Eduard Freudmann, Marlene Haring, Helmut & Johanna Kandl, Wolfgang Skala, Barbara Sommerer, Martin Gansberger, Jakob Pock, Katha Buschek, Peter Sandbichler, Bernhard Wolf u.a.


KRIEG / WAR

„Indem wir anhand des Lehrbuchs, das uns die Geschichte eröffnet, lernen, weshalb Kriege geführt werden, welchen Nutzen und welche Risiken sie bergen, können wir das Ungeheuer domestizieren. Wir sollten vielleicht nicht vorschnell hoffen, dass wir es endgültig wegsperren können.“
(Ilja Steffelbauer im Vorwort seines Buches Der Krieg – Von Troja bis zur Drohne, Wien 2017)

„Only one thing remains unchanged: contradictions between nations and states are still resolved not by words, but by missiles. Not by word. But by war.“
(Volodymyr Zelensky, Präsident der Ukraine, in seiner Rede vor der 74. UNO-Generalversammlung am 25. September 2019)


Vier Tagesausflüge

Nie – Katzen- und Mäusekrieg: So, 15.05.2022
Ohne – Die Landplagen: So, 03.07.2022
Seife – Befreiung und Belagerung: So, 25.09.2022
Waschen – Handel - Klima - Wandel: So, 23.10.2022

Teilnahmegebühr: 15 €

Anmeldung erforderlich: +43 699/1855-1000 oder kioer@museum-joanneum.at


 

Einzeltermine:

So 15.05.

N-O-S-W 2022: Nordroute. Katzen- und Mäusekrieg

Führung, Exkursion, Kunstgespräch> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Führung, Exkursion, Kunstgespräch

> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

So 03.07.

10:00-19:00

N-O-S-W 2022: Ostroute. Die Landplagen

Führung, Exkursion, Kunstgespräch> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Führung, Exkursion, Kunstgespräch

> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

So 25.09.

10:00-19:00

N-O-S-W 2022: Südroute. Befreiung und Belagerung

Führung, Exkursion, Kunstgespräch> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Führung, Exkursion, Kunstgespräch

> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

So 23.10.

10:00-19:00

N-O-S-W 2022: Westroute. Handel - Klima - Wandel

Führung, Exkursion, Kunstgespräch> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Führung, Exkursion, Kunstgespräch

> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Mehr zum Programm

N – Nie / Nordroute – Sonntag, 15.05.2022

KATZEN- UND MÄUSEKRIEG

Wir nähern uns dem öffentlichen Raum wie einem Palimpsest, einem mittelalterlichen Schriftstück, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt oder abgewaschen wurde und das danach neu beschriftet wurde. Wir fahnden nach Spuren tiefer liegender Einschreibungen, nach Vorgängen der Tilgung und Überschreibung kultureller Kontexte und geschichtlicher Zusammenhänge. So geschehen auch 2015 bei der Performance Das Monumentale ist meine Krankheit von Dellbrügge & de Moll am Paulustor, hinter dem Kriegsmahnmal von Alexander Silveri (1958–1961). Hier beginnt die Tour, die uns zuletzt in eine mittelalterliche Kapelle führt, mit einer Wandmalerei, die ebenfalls den Krieg darstellt: als Parabel, Katzen gegen Mäuse.


O – Ohne / Ostroute – Sonntag, 03.07.2022

DIE LANDPLAGEN

Gegenwärtig scheint nicht ein Unheil das andere abzulösen, sondern alles zugleich hereinzubrechen: Pandemie, Krieg, Naturkatastrophen. Statt Auswege zu suchen, erscheint es vielen einfacher, Schuldzuweisungen zu treffen, sich in Aberglauben zu flüchten – wir nennen es heute „Verschwörungstheorien“ – und sich mit monokausalen Erklärungen zufriedenzugeben. Krisen verlangen Flexibilität und Kreativität. Wolfgang Becksteiners Corona-Skulptur Distanzierte Nähe (2020/21) versinnbildlicht einen Weg: „Das Voranschreiten in der Bedrängnis versteht sich als Symbol der Bewältigung.“


S – Seife / Südroute – Sonntag, 25.09.2022

BEFREIUNG UND BELAGERUNG

Schnell kann die zum Schutz errichtete Mauer zur Gefängnismauer werden, der beschützende große Bruder zum Gefängniswärter, der Befreier zum Aggressor. Auf unserer Fahrt begegnen wir mehrfach dem Baustoff „Ziegel“, in den kulturhistorisch interessanten Ziegelgittern landwirtschaftlicher Gebäude wie dem Klingensteiner Achteckstadl, korrespondierend in der Medienskulptur WINDOW (Joachim Baur, 2008) und in der Versammlung von 21 Ziegelbänken, einem räumlichen Gedicht im Wald (Pedro Cabrita Reis, 2021). In Aflenz sehen wir einen rudimentären Ziegelbau, das WÄCHTERHAUS, ein Denkzeichen von Helmut & Johanna Kandl (2009) zum ehemals hier stationierten KZ-Außenlager von Mauthausen.


W – Waschen / Westroute – Sonntag, 23.10.2022

HANDEL – KLIMA – WANDEL

Wirtschaftlicher Aufstieg ist immer verbunden mit der Entwicklung von Handelsrouten und Zahlungsmitteln. Österreichs erste Goldmünze war der Judenburger Gulden. Mit den „Guldinnen“ kreiert Doris Jauk-Hinz 2011 eine weibliche Währung, die sich der akzeptierten „Männlichkeit“ von Zahlungsund Politikmitteln entgegenstellt. Der Energiebedarf der Wirtschaft verschuldet den Klimawandel durch Raubbau an natürlichen Ressourcen wie Wäldern und fossilen Rohstoffen. KLIMAERWÄRMUNGSDÄMPFUNGSMASCHINE (ILA, 2005) und HABITAT (Bernhard Wolf, 2021) thematisieren die epochale Bedrohung unseres Planeten.

 


N-O-S-W – ausgedacht, abgefahren, verpackt und begleitet von Alexandra Riewe

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Marienplatz 1/1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9265
kioer@museum-joanneum.at