zweintopf

...wo deine füße stehen, ist der mittelpunkt der welt..., 2017



Stattegg ist eine Gemeinde mit 2800 Einwohnern nördlich von Graz am Fuße des Schöckls. Der Dorfplatz als Zentrum der sozialen Struktur des Ortes wird von Gemeindeamt, einer offenen Kapelle, einem Gastronomie- und Gewerbegebäude, einem Mehrgenerationenhaus und einer Kinderkrippe umrahmt. Nördlich entsteht ein Wohnungsbau mit Nahversorger. Daraus ablesbar ist das umfassende Spektrum gesellschaftlichen Zusammenlebens und die Bedeutung des öffentlichen Raums.

 

Durchtrennt ist dieser Platz von einer Landstraße. Diese zu überwinden bzw. sie in eine Verbindungslinie zu übersetzen und das Verständnis von Gemeinschaft zu unterstreichen, ist Ziel der Gemeinde.

 

Mit ihrem Projekt  …wo deine füße stehen, ist der mittelpunkt der welt…, das als ästhetische Klammer der beiden voneinander getrennten Teile und aller Lebensbereiche fungiert, gewann das Künstler_innenpaar zweintopf, Eva Pichler und Gerhard Pichler, den geladenen Wettbewerb zur Problemlage.

 

Klassische Fragen nach öffentlichem Raum, wie jene, wodurch er sich ausweist, von wem er in welcher Form genutzt wird, beschäftigen das Künstlerpaar ebenso, wie gesellschaftlicher Strukturwandel oder die Thematik der Welt als Ware. Exakt haben sie auch hier Geschichte, Zusammensetzung, Fluktuation der Bevölkerung, Stabilität und Mobilität der Gemeinde untersucht. Unterschiedliche Architekturen und deren Nutzung berücksichtigend behalten zweintopf in einem 360`-Winkel die Gesamtheit des Platzes im Auge und beziehen Passanten und Benutzer des Zentrums in ihre Arbeit ein.

 

In 35 Alukästen werden Spiegel unterschiedlicher Brechungsanordnung in unregelmäßigen Abständen auf einer Höhe an allen den Platz umschließenden Häusern montiert. Bedeckt sind sie von mundgeblasenen und dem Farbspektrum entsprechenden Glasplatten. Nicht industriell, sondern speziell und einzigartig angefertigt stehen sie für die Individualität des Einzelnen und die Buntheit unserer Gesellschaft gleichermaßen.

 

Dort, wo üblicherweise Schriftzüge oder Logos des Konsums zu finden sind, reflektieren jetzt Spiegel die Farben je nah Sonnenstand auf dem Platz. Ohne mechanisch in diesen einzugreifen wird er selbst immaterieller, veränderlicher und permanenter Teil der Skulptur. Gleich einem leuchtenden Schatten wandern die Reflexionen, treffen auf Personen und folgen den Jahreszeiten.

 

So unterstreicht der Spektralkreis im RGB-Farbverlauf ein sich bewegendes Zentrum, das gleichzeitig gefasst wird. Dem ständig sich ändernden Verlauf der objektlosen Medien Farbe und Licht kann spielerisch ebenso wie wissenschaftlich-empirisch gefolgt werden. Zeit, Vergänglichkeit und Kontinuität sind ebenso Themen, die hier erlebt und nachvollzogen werden können. In besonderer Ästhetik gewinnen gesellschaftspolitische demokratische Positionen, wie Variabilität, Vielfalt, Gleichwertigkeit und Besonderheit des Einzelnen an Bedeutung. Alle Farben beinhaltend tragen die Kästen auch ohne Sonneneinstrahlung unzählige Möglichkeiten von Vorstellungswelten in sich und laden im Sinne des Titels  …wo deine füße stehen, ist der mittelpunkt der welt… ein, immer neue Perspektiven gedeihlichen gesellschaftlichen Lebens selbstbewusst zu entdecken und zu entwickeln.

 

Elisabeth Fiedler

 

 

 

Eröffnung:

7.10.

10 Uhr

Dorfplatz Stattegg

 

 

 

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Marienplatz 1/1
8020 Graz, Österreich
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