Fedo Ertl

100, 2008



Das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark hat der Organisation Die Kinderfreunde angeboten, sich auf ein Beispiel eines veränderten und an die Dimensionen der Zeit angepassten Denkmalbegriffs einzulassen. Dem aktuellen Anlass entsprechend – 100 Jahre Kinderfreunde – wurde nicht, wie möglicherweise erwartet, ein Porträt des Gründers Anton Afritsch angefertigt, es wurde ein Repertoire von Zeichen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entwickelt.

 

Mit der von ihm gewohnten Sensibilität ist es Fedo Ertl gelungen, Natur und Kunst in einen spannenden Dialog zu bringen, ohne dass der eine Raum den anderen beeinträchtigt oder gar zerstört und ohne dass das Erinnern in gefrorenen Formen erstarrt: Es ist weitgehend auf die Strukturen des Ortes abgestimmt. Die Kulturlandschaft weist in zahlreichen "bauseits" vorgenommenen Eingriffen bereits kreisrunde Formen auf, die im künstlerischen Programm wie selbstverständlich aufgenommen und in eine neue Grammatik transferiert werden.
Dem Konzept folgend besteht das Denkmal in Form von horizontalen Skulpturen und einem vertikalen, neu gepflanzten Blutahorn-Baum aus insgesamt sechs Teilen:

Teil eins:
Eine Ahornbaumscheibe mit mindestens einhundert Jahresringen dient als Modell für einen Bronzeguss. Die Jahresringe sind am Bronzeobjekt gut sichtbar und dienen als Zeitmarker für die wichtigsten Ereignisse der Kinderfreunde in den vergangenen einhundert Jahren.

Teile zwei und drei:
Eine kreisförmige Edelstahlscheibe mit einem Durchmesser von 400 cm umfasst das Bronzeobjekt. Die Scheibe besteht aus zwei Teilen. In den Hauptteil der Scheibe ist ein 100° Kreissegment bündig wie ein Puzzlestück eingepasst. Auf diesem Segment sind die sieben wichtigsten Ereignisse die Kinderfreunde betreffend als Text eingeätzt. Jeder dieser Punkte (zeitliches Ereignis) ist mit einer Linie mit dem zugehörigen Jahresring der Bronzescheibe verbunden. Die Edelstahlscheibe und der Bronzeguss sind auf Betonfundamenten in einem Abstand von 25 cm zum Boden montiert. Die Scheibe erscheint der Betrachterin / dem Betrachter schwebend. Standort: Schräg gegenüber dem Pavillon und der Skaterbahn am Beginn des Volksgartens in der Verlängerung der Anton-Afritsch-Gasse.

Teile vier und fünf:
Der vierte Teil der Skulptur, material- und formgleich dem eingepassten 100° Segment der Edelstahlscheibe, wird im vom Mühlgang getrennten Bereich des Parks am Weg und Wiesenrand vor dem Hauptwasserbecken aufgestellt. In den Skulpturenteil eingeätzt ist der Text: Einhundert Jahre Kinderfreunde 2008. Im Zentrum der halbkreisförmigen Auslassung am Ende des Objektes wird ein Blutahorn gepflanzt. Nach einhundert Jahren wird der Stamm diese Auslassung ausfüllen.

Teil sechs:
Eine kleine Tafel (40 x 68 cm, Form wie 100° Segment) wird an der Mauer am Schlossberg etwa 100 m rechts vom Uhrturm Richtung Türkenbrunnen montiert. Eingeätzt in die Tafel sind zwei Richtungsmarkierungen und Texte mit Angaben zum Anton-Afritsch-Kinderdorf am Steinberg bei Graz und ein Hinweis zur Skulptur im Volksgarten. Steht die Betrachterin / der Betrachter vor der Tafel, wird ihr / sein Blick – wie beim Vorbild Kanonenbastei mit den Städten und Entfernungsangaben – über die Anton-Afritsch-Gasse zum Volksgarten oder zum Kinderdorf gelenkt.
 

Mit einem künstlerisch gestalteten Fest wurde das Erinnerungszeichen der Öffentlichkeit übergeben.

 

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Orte:

Volksgarten

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