Wolfgang Buchner

Salztisch und Schneekasten, 2010



Salz und Schnee als Kunstmaterial

 

Seit zwei Jahrzehnten setzt sich Wolfgang Buchner in einer Arbeit von vielschichtiger Konsequenz mit den Themen Schnee und Salz auseinander. Rotsalz im Herbsttag war 2009 der Titel einer Retrospektive in der Neuen Galerie Graz. Salztisch und Schneekasten hat Buchner sein Kunstprojekt im Foyer und im Stiegenhaus des neuen, historische Knappenhäuser in den Gesamtkomplex einbeziehenden Jugendgästehauses am Salzberg Altaussee überschrieben.

 

Wie stets betrachtet der Künstler auch hier die Gegenstände seiner Bearbeitungen aus unterschiedlichsten Perspektiven. Wiederum ist das Resultat für Buchner typische Verbindung von Bildnerischem, Wissenschaft und Poesie. Eine überzeugende Symbiose von ästhetischer Erfahrung und Informationsvermittlung, Verschmelzung aufwändig recherchierter Fakten und fantasievoller Erfindungen.

 

Das Objekt Salztisch vereint vor allem drei Dinge unter seinem Glassturz: ein Bergwerkmodell, einen Block Rotsalz und sogenanntes Füderl. Letzteres, Salz getrocknet und gewissermaßen zum Salzhut gepresst, war noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts die hauptsächliche Transportform des "weißen Goldes". Buchners "Füderl" präsentiert sich als kegelstrumpfförmige abstrakte Plastik, in deren geometrischen Abmessungen sich die Kristallstruktur des Natriumchlorids (so die chemische Bezeichnung für Kochsalz) niederschlägt. Sechs in die Wände des Stiegenaufgangs eingelassenen Schneekästen dokumentieren die Vielfalt der Kristalle von fallenden Schnee. Insgesamt 216 unterschiedliche Formen sind auf transparenten Folie übereinandergelegt. Komplexe Kunstwerke durchaus im Geiste Ernst Haeckels Kunstformen der Natur, in denen sich "die Schönheit des fallenden Schnees, die atmosphärischen Verhältnisse sowie die Geschichte der Erforschung des Schnees" (Buchner) wiederfinden lassen.

 

Das Projekt Salztisch und Schneekasten zielt, wie schon angedeutet, bewusst und äußerst intelligent auf eine doppelte Wirkung: die Generierung bildender Kunst aus (natur)historischen Daten und die unaufdringlich didaktische Vermittlung ebendieser Daten und Sachverhalte. "Angewandte" Kunst im besten Sinn und mit einer unverkennbaren Handschrift."

 

Text: Walter Titz, in: Fenz, Kraus, Kulterer (Hrsg.), Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Projekte 2009, Springer Verlag, Wien, 2011, S. 220ff

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Altaussee

8992 Altaussee