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Graz, 18.02.2026
Unter dem Namen Cemra, was „Dunkelheit“ bedeutet, arbeitet die aus Belarus stammende Künstlerin Darya Siamchuk, die seit den Repressionen der prorussischen Regierung 2022 im Exil in Warschau lebt. Der Schmerz und die Risse, die die politische Situation in ihrer Heimat hinterlässt, spiegeln sich deutlich in Cemras Arbeiten wider. Das aktuelle Projekt „Ziamliacka“, das am 19. Februar im Kunsthaus Graz eröffnet wird, ist Performance, Archiv, Installation und persönliche Aufarbeitung der Künstlerin. Im Zentrum stehen Erde aus Belarus und der Versuch, den Duft der Heimat zu bewahren und sich somit einer Auslöschung zu widersetzen.
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Cemra hat den Duft ihrer Heimat in einem aufwendigen Prozess konserviert, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek
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Am Beginn des Projektes stand der verbotene Transport von 225 kg belarussischer Erde nach Polen und die Extraktion ihres Dufts. Ziel war es, die im Exil unerreichbare Heimat und mit ihr verbundene Erinnerungen als olfaktorisches Archiv zu bewahren. Durch die Verwendung von Duft als Medium bleibt das Projekt zutiefst persönlich und funktioniert gleichzeitig universell, indem es Betrachter*innen auf einer intuitiven und emotionalen Ebene berührt. Gerüche sind starke Erinnerungsträger, da sie direkt mit dem limbischen System verbunden sind. Dadurch können sie scheinbar vergessene Erinnerungen blitzschnell heraufbeschwören. Der Prozess der Duftextraktion erstreckte sich dabei über mehrere Phasen und Monate: Schichten von Erde wurden dafür von Cemra auf eine Schicht Vaseline aufgetragen und erneuert, bis das Fett mit dem Aroma der Erde gesättigt war. Anschließend wurde das Gemisch tagelang mit Alkohol bedeckt, der – unterstützt durch eine finale, sanfte Verdunstung – das Duftkonzentrat extrahierte. Fett und Ethanol konservierten dabei den Geruch dessen, was der Künstlerin weggenommen wurde. So bleibt das Extrakt in der Installation im Kunsthaus Graz auch in einem handgeblasenen, samenähnlichen Flakon verschlossen – so wie für Cemra und andere Exilant*innen die Heimat momentan unerreichbar ist. Die Form des Samens deutet Cemras Hoffnung auf Wandel, Rückkehr und Rekonvaleszenz an.
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Die Erde mit der die Künstlerin arbeitet stammt aus ihrer Heimat Belarus, vom verlassenen Grundstück ihrer Großmutter und Mutter, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek
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Heimat bewahren und sich der Auslöschung widersetzen Ziamliačka bedeutet, aus dem Belarussischen übersetzt, „eine Frau, die vom gleichen Boden stammt“. Boden als Medium von Erde und Duft steht in der Installation für Cemras künstlerischen Versuch der Bewahrung von Identität und Erinnerung in der Diaspora. Die belarussische Erde, die die Künstlerin ins Kunsthaus Graz transferiert, stammt aus Mirany – vom verlassenen Grundstück der Großmutter und Mutter, das jetzt eine leere Lichtung ist. Installativ in der Needle des Kunsthauses Graz präsentiert, ist diese Erde mehr als nur Materie: Sie ist ein politischer Körper, der Grenzen überschreitet, Heimat bewahrt und sich der Auslöschung widersetzt – indem sie persönlichen Verlust in ein gemeinsames Archiv für Exilant*innen verwandelt. Gleichzeitig symbolisiert die aufgehäufte Erde jene Energie, die Cemra während ihrer Jahre im Exil verloren hat und wieder aufzufüllen versucht. „Diejenigen, die ihr Land nie verloren haben, können den Schmerz seiner Abwesenheit nicht fühlen oder den Halt begreifen, den es uns einst gegeben hat“, so Cemra über den Verlust ihrer Heimat.
Seit ihrer Emigration aus Belarus ist politische Gewalt zu einem zentralen künstlerischen Thema geworden. Laut Human Rights Center Viasna im Jänner 2025 sind seit August 2020 mehr als 6.500 politisch motivierte Urteile gefällt worden; über 1.600 Belaruss*innen befinden sich heute noch immer in Haft. Der Schmerz und die Risse, die die Situation in ihrer Heimat mit sich bringt, spiegeln sich deutlich in Cemras Werken wider. Sie handeln von Verletzlichkeit, Repression und Trauma und vermitteln eine Schwere, die die Grausamkeit und Gewaltbereitschaft des belarussischen Regimes gegenüber Kritiker*innen spürbar macht. Gleichzeitig spricht Cemra über Verbundenheit, Solidarität und resiliente Identität. In ihren multidisziplinären Arbeiten tauchen wiederholt nationale Symbole und tradierte Rituale auf, die sich auch als Ausdruck der Resilienz einer unterdrückten Bevölkerung lesen lassen.
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Teil der Installation in der Needle des Kunsthauses Graz ist ein Flakon mit dem Duftkonzentrat. Die Form des Samens deutet die Hoffnung auf Wandel und Rückkehr an, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek
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Zur Eröffnung der Intervention "Ziamliačka" im Kunsthaus Graz schließt Cemra den Bogen, der mit einem aktivistischen Akt begonnen hat, mit einer poetisch-melancholischen Performance, in der sie ein Schlaflied aus der für sie verlorenen Heimat neu interpretiert.
Zur Künstlerin Darya Siamchuk, geboren 1990 in Grodno, Belarus, lebt seit 2022 im Exil in Warschau, Polen. Sie besuchte die Staatliche Kunsthochschule Gomel und die Belarussische Staatliche Universität für Kunst und Kultur, Minsk. Soloausstellungen waren zuletzt in der MAD Galerie, Posen, Polen, in der Beseder Galerie in Prag, Tschechien, und im Museum of Free Belarus in Warschau, Polen, zu sehen. 2019 erhielt sie u. a. den Innovationspreis Triennale junger Künstler*innen der Nationalgalerie Palast der Künste, Minsk. Die Künstlerin war 2025 Artist in Residence der Kulturvermittlung Steiermark.
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Cemra Ziamliačka Eröffnung: 19.02.2026, 18 Uhr mit einer Performance der Künstlerin Laufzeit: 20.02.–15.03.2026 Kuratiert von Alexandra Trost, Katia Huemer Kunsthaus Graz, Needle www.kunsthausgraz.at
In Kooperation mit Kulturvermittlung Steiermark
BILDMATERIAL zum DOWNLOAD finden Sie unter folgendem Link: Cemra. Ziamliačka
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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