|
|
|
|
|
|
Graz, 10.09.2026
Fast 80 Jahre verborgen, jetzt öffentlich: Ein bronzener Fackelträger des kärntnerisch-slowenischen Widerstands, gefertigt vom österreichisch-kroatischen Künstler Marijan Matijević Ende der 1940er-Jahre, stand jahrzehntelang unbeachtet in einem Getränkelager. Die Wanderausstellung Widerstand aufstellen? / Ustanovitev odpora? erzählt nun ihre Geschichte und fragt nach dem Umgang mit dem Partisanenwiderstand und zeitgemäßen Formen des Gedenkens.
|
|
Peter Pirker (kärnten.museum), Isabella Burtscher und Jakob Holzer (Kurator*innenteam), Nikolaj Orasche, Obmann/predsednik, Verband der Kärntner Partisanen/Zveza koroških partizanov, die Künstler*innen Paul Petritsch und Nicole Six und Gabriele Mackert, Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, v.l., Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Nachlass Marijan Matijević
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Jahrzehntelang stand der bronzene Fackelträger des österreichisch-kroatischen Künstlers Marijan Matijević im Getränkelager des slowenischen Kulturvereins Radsberg/Radiše in Kärnten/Koroška. Matijević, der bei dem renommierten Bildhauer Ivan Meštrović in Zagreb studierte, schuf nach dem Zweiten Weltkrieg drei Denkmäler zum Partisanenwiderstand in Kärnten/Koroška im Stil des sozialistischen Realismus. Neben dem Fackelträger in Radsberg/Radiše befinden sich weitere Denkmäler heute am Peršmanhof bei Bad Eisenkappel/Železna Kapla und in Zell/Sele.
Über die Entstehung des Fackelträgers ist wenig bekannt, zudem galt er lange als verschollen. Unklar ist, ob der Kärntner Partisanenverband genaue Vorgaben machte oder wie frei Matijević gestalten konnte. Erhalten sind Skizzen und Gipsmodelle. Einer der Entwürfe zeigt eine Fackelträgerin mit langen Haaren. Vielleicht verweist sie auf das Ideal der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, das innerhalb der Partisan*innenbewegung eine wichtige Rolle spielte.
Aus der Distanz betrachtet, erinnert die gesamte Figur an einen Stern und steht damit für die „Revolution als Himmelssturm“, für einen politischen Aufbruch und einen Sieg sowie für die Hoffnung auf eine Zukunft ohne Unterdrückung.
|
|
Der bronzene Fackelträger des österreichisch-kroatischen Künstlers Marijan Matijević ist Ausgangspunkt für das Ausstellungsprojekt, das sich mit zeitgemäßen Formen des Erinnerns auseinendersetzt © Nachlass Marijan Matijević, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek, Gestaltung vor Ort: Nicole Six und Paul Petritsch © Bildrecht Wien, 2026
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ein Raum für Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur Die Erinnerung an den partisanischen Widerstand wurde in Österreich nach 1945 schnell wieder verdrängt. Nach fast 80 Jahren werden die Figur sowie historische und gegenwärtige Kontexte der Öffentlichkeit präsentiert. Graz ist die erste Station der als Wanderausstellung konzipierten Schau, da auch in Graz Kärntner Widerstandskämpfer*innen ermordet wurden.
„Jahrelang stand der Fackelträger versteckt vor der Öffentlichkeit. Er ist ein Abbild des österreichischen Umgangs mit dem Widerstand im Zweiten Weltkrieg. Mit der Ausstellung erzählen wir die spannende Geschichte der Figur, die Geschichte des Widerstands und der Kärntner Slowen*innen“, erklärt die Kuratorin Isabella Burtscher. „Wir möchten auch eine Debatte anstoßen, wie wir an diesen größten bewaffneten Widerstand im deutschen Reich erinnern“, ergänzt Kurator Jakob Holzer.
Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Skulptur und eröffnet zugleich einen Raum für die Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur: Was erzählt die Geschichte der Skulptur über die Geschichte des Widerstands? Was bedeutet es heute, an den Widerstand zu erinnern und den Partisanen aufzustellen? Wie finden Gesellschaften zeitgemäße Formen des Gedenkens? Besucher*innen werden eingeladen, Vorschläge für mögliche zukünftige Präsentationen und Aufstellungsorte der Skulptur zu machen.
"Immer mehr Überlebende, Widerstandskämpfer*innen aus dem Zweiten Weltkrieg sind mittlerweile verstorben. Mit der Wanderausstellung Widerstand aufstellen? / Ustanovitev odpora? können wir die Geschichte der Partisan*innen auch außerhalb Kärntens bekannter machen. Mit dieser ungewöhnlichen Form einer mobilen Erinnerungsarbeit beschreiten wir neue Wege“, so Nikolaj Oraschem, Obmann/predsednik, Verband der Kärntner Partisanen/Zveza koroških partizanov.
Das Wiener Künstlerduo Nicole Six und Paul Petritsch mit Jakob Holzer zeigt dazu den Film Drugi Spomenik / Das andere Denkmal rund um die Veröffentlichung des Fackelträgers nach der Entdeckung durch Kurator Jakob Holzer. Six und Petritsch gestalten auch die Präsentation in Graz. Zentral darin ist ein Teppich in der Farbe „Fahnenrot“, geschnitten im Grundriss des Peršmanhofes, Ort eines Endphaseverbrechens und seit 1983 Museum der Geschichte des Widerstandes der Kärntner Slowenen. Der Teppich visualisiert Schichten des Erinnerns und Verdrängens.
|
|
In der Ausstellung wird auch der Film "Drugi spomenik – Das andere Denkmal" von Nicole Six, Paul Petritsch und Jakob Holzer, gezeigt, er dokumentiert den Weg des Fakelträgers aus dem Getränkelager in das kärnten.museum, wo er in der Ausstellung "Hinschaun! Poglejmo." gezeigt wurde, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek, Gestaltung vor Ort: Nicole Six und Paul Petritsch © Bildrecht Wien, 2026
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Graz ist die erste Station der Wanderausstellung Gabriele Mackert, Leiterin Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark verweist auf das zusätzliche Vermittlungsprogramm: „Das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark setzt mit der Ausstellung sein jahrzehntelanges Engagement für aktuelle Formen des Gedenkens fort. Im Begleitprogramm stellen wir internationale historische Kontexte sowie Grazer Verbindungen zum Partisan*innenkampf vor und präsentieren künstlerische Strategien zur stets umkämpften gesellschaftlichen Erinnerung.“
Das Begleitprogramm startet am 11. September mit einer Kuratorinnenführung und dem Gesprächsabend „Umkämpfte Erinnerung: Partisan*innen in Kärnten und andernorts“ mit Inputs aus Wissenschaft und Zeitgeschichte. Am 16. September und 8. Oktober findet jeweils der kombinierte Museums- und Stadtrundgang „Kunst trifft auf Widerstand“ zu Widerstand im Nationalsozialismus statt. Weitere Führungen finden am 18. September mit Markus Gönitzer, am 26. September mit Jakob Holzer und am 10. Oktober mit Isabella Burtscher statt. Den Abschluss bildet am 10. Oktober der Nachmittag „Geschichte in Bewegung bringen oder: Brauchen wir noch Denkmäler?“ zu künstlerischen Strategien des Erinnerns.
______________________
Widerstand aufstellen? / Ustanovitev odpora? Eröffnung: Do., 10.09.2026, 18 Uhr Laufzeit: 10.09.–10.10.2026, Do–Sa, 15–19 Uhr Ort: Griesgasse 40, 8020 Graz Eintritt frei, barrierefrei zugänglich
Projektleitung und künstlerisch-edukative Praxis: Isabella Burtscher und Jakob Holzer Künstler*innen: Nicole Six und Paul Petritsch Programmiert von Gabriele Mackert, Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark
Eine Ausstellung von Zveza koroških partizanov / Verband der Kärntner Partisanen in Kooperation mit Muzej / Museum Peršman und dem kärnten.museum Klagenfurt
Weitere Informationen sowie Bildmaterial zum Download finden Sie hier: WIDERSTAND AUFSTELLEN
______________________
Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gern zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
|
|
|
|
|
|
|
|