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Graz/Aflenz, 18.10.2026
Dass Gedenkarbeit in der kollektiven Verantwortung liegt, darüber sind sich die Projektverantwortlichen des "Aflenz Memorial" einig. Über 200 Gäste, darunter Vertreter*innen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik sind heute nach Aflenz an der Sulm gekommen um an der Eröffnung der Gedenkstätte teilzunehmen. Am historischen Ort des ehemaligen Außenlagers des KZ Mauthausen hat die Künstlerin Milica Tomić mit diesem Landschaftsdenkmal die lange Zeit unsichtbare Geschichte des Ortes erfahrbar gemacht. Die Eröffnung wurde auch zum Anlass genommen gemeinsam der Opfer zu gedenken.
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Im Beisein zahlreicher Gäste wurde das Aflenz Memorial feierlich eröffnet und der Opfer des ehemaligen KZ-Außenlagers gedacht, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Eine jahrelange künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem ehemaligen KZ-Außenlager bildete die Grundlage für die Entstehung dieses besonderen Gedenkortes. Nun zeichnen Wege die einstigen Lagergrenzen nach und markieren etwa den ehemaligen Appellplatz oder den Grundriss einer Häftlingsbaracke. Ein wesentliches Element ist dabei die Bepflanzung der ehemaligen Lagerflächen: Historisch nachgewiesene Pflanzenarten wie Senf, Roggen, Himbeeren und Holunder werden wieder kultiviert, während junge Bäume eine symbolische Verbindung zu den Opfern herstellen, die im nahegelegenen Wald in einem Massengrab verscharrt wurden. Fünf Stelen bieten Hintergrundinformationen zur Lagergeschichte und erinnern an die namentlich bekannten Todesopfer. Entstanden ist ein lebendiges Landschaftsdenkmal, das sich mit den Jahreszeiten und mit den Jahren verändert und künftig auch Raum für Bildungs- und Vermittlungsarbeit bietet.
Gedenken als gemeinsame Verantwortung Die Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum, Gabriele Mackert, begrüßte zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur, Wissenschaft und den umliegenden Gemeinden, welche an der feierlichen Eröffnung teilnahmen - darunter Landesrat Karlheinz Kornhäusl, Landesrätin Claudia Holzer, Marko Mele (wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum), Bernhard Schrettle (ASIST), Nationalrat Joachim Schnabel (LEADER Südsteiermark), Herwig Hösele (Zukunftsfonds), Ute Bauer-Wassmann (Mauthausen Memorial), Patrice und Chantal Lafaurie (Amicale de Mauthausen), Willi Mernyi (Mauthausen Komitee), Bürgermeister Johannes Zweytick, Bürgermeister Peter Stradner, Helmut und Johanna Kandl, Künstler Gerald Brettschuh, Elisabeth Fiedler (ehemalige Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum), Künstler Branko Lenart, Bernhard Steirer (Elevate), Intendantin Ekaterina Degot, Vertreter*innen der Partnergemeinden, Andreas Boden (studio boden), Künstler Paydar Keyvan, Heimo Halbrainer (Verein CLIO), Eva Steigberger (Bundesdenkmalamt) u.v.m..
Die große Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur, für die das Aflenz Memorial steht, hebt auch Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl hervor: „Wir eröffnen diesen Ort nicht bloß, um die Vergangenheit zu konservieren, sondern um unsere Lehren daraus für die Zukunft zu ziehen. Dabei stellt sich die Frage, welche Verantwortung sich durch das Erinnern für uns als Gesellschaft, für die Politik und auch für die Kultur ergibt. Entscheidend ist, die Voraussetzungen zu verstehen, unter denen dieses Unrecht geschehen konnte. Eine lebendige Erinnerungskultur vermittelt nicht nur Wissen über das Geschehene, sondern schärft auch den Blick für die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen, die solches Unrecht ermöglicht haben.“
Marko Mele, wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum spricht von der Verantwortung, die auch Kultur und Wissenschaft für Erinnerungsarbeit einnehmen: „Das Aflenz Memorial zeigt, wie wichtig es ist, sich auch mit jenen Kapiteln unserer Geschichte auseinanderzusetzen, die lange Zeit kaum sichtbar waren. Die wissenschaftliche Aufarbeitung bildet dabei eine wesentliche Grundlage, um die Geschehnisse an diesem Ort zu verstehen und das Wissen darüber für kommende Generationen zugänglich zu machen. Im Zusammenspiel von Forschung und Kunst ist hier ein Ort entstanden, der Geschichte nicht nur vermittelt, sondern auch Raum für Fragen, Begegnung und eine weiterführende Auseinandersetzung schafft.“
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Bei der feierlichen Eröffnung des Aflenz Memorial: Marko Mele (wissenschaftlicher Direktor Universalmuseum Joanneum), Claudia Holzer (Landesrätin), Milica Tomić (Künstlerin), Gabriele Mackert (Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum), Karlheinz Kornhäusl (Landesrat), Bernhard Schrettle (Geschäftsführer von ASIST), v.l., Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Milica Tomićs künstlerisches Konzept entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit vieler Wissenschaftler*innen, im Austausch mit dem Zeitzeugen Franz Trampusch (1934-2022) und der Gemeinde Wagna. Für die Künstlerin steht besonders das Konzept eines lebendigen Mahnmals im Vordergrund, wobei der Boden als Archiv und Träger der Erinnerung eine besondere Rolle einnimmt: "Wir mussten verstehen, wie sich der Boden im Zusammenhang mit Gewalt und Verbrechen verändert, etwa durch Massengräber. Das lässt sich im Boden ablesen, wenn man ihn analysiert, denn die gesamte Natur, auch die Pflanzenwelt, verändert sich mit dem, was an einem Ort geschehen ist", so Künstlerin Milica Tomić
Seit vielen Jahren wird das Projekt vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark getragen, Leiterin Gabriele Mackert betont bei der Eröffnung: „Mit dem Memorial von Milica Tomić haben wir einen Gedenkort geschaffen, der Erinnerung als aktiven Prozess versteht. Der Boden wird als Archiv gesehen, aber auch die Bepflanzung, die hier heranwächst, und das Gedenken, das die Menschen an diesen Ort mitbringen. Infostelen machen die Geschichte des Ortes für alle zugänglich: Besucher*innen können sich selbstständig darüber informieren, dass Aflenz Teil des KZ Mauthausen war und hier über 900 Menschen Zwangsarbeit leisten mussten.”
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Künstlerin Milica Tomić, Gabriele Mackert, Bernhard Schrettle und Andreas Boden zum "Aflenz Memorial", Videos: Universalmusem Joanneum
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Die Gemeinde Wagna unterstützt das Projekt seit Beginn und übernimmt künftig die Pflege und den Unterhalt der Anlage. Für Peter Stradner, der sowohl als Bürgermeister der Gemeinde Wagna als auch als Mauthausen Guide aus unterschiedlichen Perspektiven diesen Projekt begleitet, war heute ebenfalls ein besonderer Tag: „Wir alle tragen Verantwortung dafür, wie wir heute mit unserer Geschichte umgehen. Jeder, der heute hier steht und diesen Worten nickend zustimmt, hat morgen auch die Pflicht, diese Verantwortung wahrzunehmen. Erinnerung darf nicht bei Worten bleiben, sondern muss sich auch in unserem Handeln zeigen.“
Umfangreiches Programm am Eröffnungstag Ein vielfältiges Begleitprogramm bot den Besucher*innen im Anschluss an die Eröffnung die Möglichkeit, sich näher mit der Geschichte des Ortes und dem künstlerischen Konzept auseinanderzusetzen. Geführte Rundgänge durch das Memorial und den ehemaligen Steinbruchstollen sowie Gespräche mit der Künstlerin Milica Tomić, den Künstler*innen Helmut und Johanna Kandl und dem Historiker David Kurzweil eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte und die Gestaltung des Gedenkortes. Ein Rundgang mit dem Archäologen Bernhard Schrettle führte zum Wohnhaus von Franz Trampusch. Schrettle, Geschäftsführer der Archäologisch Sozialen Initiative Steiermark (ASIST), begleitet das Projekt seit vielen Jahren aus archäologischer Sicht. Er betont, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes mit der Eröffnung nicht abgeschlossen ist, sondern auch künftig weiterer Forschung und Aufarbeitung bedarf.
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Aflenz Memorial KZ-Gedenkstätte Aflenz von Milica Tomić Aflenz an der Sulm 8435 Wagna www.kioer.at
Projektträger: Ein LEADER-Projekt von ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark) gemeinsam mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark
Das LEADER-Projekt „Aflenz Memorial – Gedenkstätte Aflenz“ wird mit Mitteln von Bund, Land und Europäischer Union unterstützt: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, WIR leben Land, Land Steiermark und mit Kofinanzierung der Europäischen Union
Mit Unterstützung der Gemeinden Wagna und Ehrenhausen, HOLCIM (Österreich) GmbH, des Zukunftsfonds der Republik Österreich, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
Fotos von der feierlichen Eröffnung (Credit: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek) finden Sie unter diesem Link: ERÖFFNUNG AFLENZ MEMORIAL
Den ausführlichen Pressetext, Hintergrundinformationen zum Außenlager Aflenz an der Sulm sowie Bildmaterial zum Download finden Sie hier: AFLENZ MEMORIAL
Die Videos der Projektverantwortlichen sind ebenfalls zum Donwload bereitgestellt und können unter dem folgenden Credit verwendet werden: Video: Universalmuseum Joanneum
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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