Anja Korherrs Ausstellung „Nightshifters“ im studio der Neuen Galerie Graz zeigt aktuelle Arbeiten, in der sich Fiktion und Realität gegenseitig aufheben.

Die Malerin und Comickünstlerin Anja Korherr präsentiert Arbeiten zwischen Fiktion und Realität

 

Graz, 22.09.2026

 

Die Arbeiten der Grazer Künstlerin Anja Korherr sind komplexe visuelle Strukturen. Die Malerin und Comickünstlerin erzeugt surreale Ideen vom Raum, die auf fotografischen Inszenierungen basieren. Die kürzlich eröffnete Ausstellung „Nightshifters“ im studio der Neuen Galerie Graz zeigt aktuelle Arbeiten Korherrs, in der sich Fiktion und Realität gegenseitig aufheben. Zu sehen bis Ende Jänner 2027 bei freiem Eintritt.

Die Grazer Künstlerin Anja Korherr mit Kurator Günther Holler-Schuster in der Ausstellung „Nightshifters". Zu sehen bis 31. Jänner 2027 im studio der Neuen Galerie Graz, Eintritt frei, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026

Die gezeigten Werke von Anja Korherr sind allesamt im Verlauf dieses Jahres entstanden und zeugen von einer immensen Arbeitsleistung. Den großformatigen Gemälden und Zeichnungen der Künstlerin gehen aufwendige fotografische Inszenierungen voraus, in denen sie Ort und Handlung in eine rätselhafte Existenz verwandelt. Fragmentierte und überlagerte räumliche Strukturen erschweren die Einordnung des Bildgeschehens, Fiktion und Realität heben sich plötzlich gegenseitig auf.
Inhaltlich variieren die Arbeiten wenig, präsentieren aber gleichzeitig die Vielfalt der Bildschöpfung durch geschickte Medien- und Formatwechsel. Monumentale Panoramen und auf Schwarz gezeichnete Bilder wechseln dabei mit kleineren und kleinsten Formaten sowie Aquarellen ab. Korherr erschafft einen Kosmos mit eigenen Gesetzmäßigkeiten – das Bekannte bzw. Vertraute kippt dabei ins Irreale.

 

„Partypeople“ oder Laborpraktikant*innen in der Raum-Zeit-Kapsel

Die Protagonist*innen in den Bildern gehen beinah stoisch ihrer Bestimmung nach – und das in einer zukünftig anmutenden Welt. Die Gerätschaften sind teilweise bekannt, jedoch scheint ihre Bestimmung bzw. Funktion eine andere als die gewohnte zu sein.

Dass sie tatsächlich allesamt aus dem sozialen Umfeld der Künstlerin stammen, macht die Sache noch spezieller. Da aber über diese Akteur*innen gar nichts Besonderes ausgesagt wird, verhalten sie sich fast wie die Gegenstände, mit denen sie operieren. Sie werden selbst zu solchen. Die Frage, ob sie „Partypeople“, Laborpraktikant*innen oder gesellschaftliche „Leftovers“ sind, bleibt offen.

"Nightshifters" zeigt großformatige Gemälde von Anja Korherr, in denen sich Fiktion und Realität gegenseitig aufheben, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026

Historisches ist bei Korherr nicht bestimmend. Sie bleibt subjektiver, in ihrer unmittelbaren Zeitsphäre, in ihrem Soziotop. Sie verhandelt ihre Erzählung strikt in der Gegenwart – wenn man so will: in der Vergangenheit der Zukunft. Die Protagonist*innen weisen, so sie nicht visuell völlig neutralisiert sind, Attribute der Jetztzeit auf. Was geschieht hier, welche Kräfte haben hier gewirkt? Sind wir bereits in der Zukunft?

Die kubistisch, futuristisch anmutenden Bilder lassen Vergangenes erinnern, die Szenerie jedoch birgt Unbekanntes, mitunter Verstörendes, eventuell Zukünftiges in sich.
Dystopisch wirkt das nicht, obwohl wir angesichts der gegenwärtigen globalen Situation darauf kommen könnten. Unser Bemühen, den Ausweg zu finden, war selten so widersprüchlich. Zwischen Verharmlosung und Alarmismus steigt die Unsicherheit, die Handlungen werden skurriler. Anja Korherrs Menschen hingegen wirken abgeklärt, sie haben ihre Bestimmung scheinbar gefunden.

 

Hybride Bildwelten zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion

Anja Korherr beschäftigt sich intensiv mit luziden Träumen, in denen sich innere und äußere Bilder auf besondere Weise überlagern. Ihre Bilder entstehen aus diesem Zusammenspiel: Traumhafte, individuelle Bildvorstellungen verbinden sich mit kollektiven Bildern und Eindrücken der Gegenwart, Vergangenes trifft auf Jetztzeit. Dabei malt Korherr ihre Träume nicht einfach ab, sondern überträgt deren Logik in komplexe Bildstrukturen. Verschiedene Bildebenen verdichten sich zu neuen Räumen und Lichtsituationen, die an Bühnen oder Filmsets erinnern. Leuchtfarben erzeugen ein künstliches, aus der Tiefe der Malerei kommendes Licht. So entstehen hybride Bildwelten, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, inneren und äußeren Bildern oszillieren und zugleich durch ihre malerische Qualität wirken.

Protagonist*innen der Arbeiten gehen in einer futuristisch anmutenden Welt stoisch ihrer unklaren Bestimmung nach. Die Frage, ob sie „Partypeople“, Laborpraktikant*innen oder gesellschaftliche „Leftovers“ sind, bleibt offen, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026

Nightshifters, so der Titel der Ausstellung, bezeichnet nicht nur Menschen, die üblicherweise nachts arbeiten, es ist auch eine Computerfunktion, die die Farben eines Displays nach Sonnenuntergang automatisch in wärmeres Licht taucht.
In Zusammenhang mit dem Licht und der Sichtbarmachung sind die allerjüngsten Werke der Ausstellung Nightshifters besonders: Es sind kleinformatige Bleistiftzeichnungen auf schwarzem Papier. Sie sind das Gegenteil von dem, was wir in den Gemälden erleben. Das Publikum muss sich erst vor den Zeichnungen bewegen, um wahrzunehmen, dass es etwas zu sehen gibt – und zwar ähnliche Szenen, wie sie in den Gemälden zu finden sind. Erst durch die Bewegung vor den Bildern sieht man die Reflexion des glänzenden Grafits auf dem schwarzen Papier. Man kommt wieder auf die Bilder des Erwachens, die schemenhaft in uns existieren und rasch zerfallen, sobald wir vollständig wach geworden sind.

 

 

Zur Künstlerin

Anja Korherr (* 1998) ist Malerin und Comickünstlerin aus Graz. Nach Abschluss der Meisterklasse Malerei an der Ortweinschule absolvierte sie das Studium „Experimentelle Kunst“ bei Anna Jermolaewa an der Kunstuniversität Linz. Ihre Werke wurden bereits in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im Schaumbad, im Forum Stadtpark oder zuletzt bei der 8. Biennale der Malerei in Zagreb, die unter dem Motto „Beyond Boundaries: Perspectives on Contemporary Painting from Graz“ lief. 2023 wurde die Künstlerin mit dem Förderpreis der Stadt Graz ausgezeichnet. 

 

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Anja Korherr
Nightshifters

Laufzeit: 19.09.2026–31.01.2027
Kuratiert von Günther Holler-Schuster  

studio, Neue Galerie Graz
Eintritt frei


www.neuegaleriegraz.at

 

Ausstellungsansichten zum Download finden Sie unter folgendem Link: ANJA KORHERR  

 

 

Parallel zu Nightshifters zeigt Anja Korherr diesen Herbst unter dem Titel Daydrifters eine zweite aktuelle Werkschau in der Galerie Schnitzler und Lindsberger in Graz.

 

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