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Das Museum für Geschichte beleuchtet mit der Ausstellung „Nach dem Krieg" humanitäre Hilfe und Wiederaufbau in der Steiermark nach 1945

 

Graz, 17.06.2026

 

Die Ausstellung Nach dem Krieg beleuchtet die dramatischen Jahre des Wiederaufbaus in der Steiermark ab 1945. In einer Zeit, in der das internationale Hilfssystem erneut vor einer historischen Zäsur steht, schlägt die Schau eine Brücke von der Geburtsstunde der modernen Solidarität bis zu den aktuellen geopolitischen Umbrüchen.

„Nach dem Krieg" im Museum für Geschichte beleuchtet humanitäre Hilfe, Selbsthilfe und Wiederaufbau in der Steiermark zwischen 1945 und 1947: Heribert Macher-Kroisenbrunner, Kurator der Ausstellung mit Bettina Habsburg-Lothringen, der Leiterin des Museums für Geschichte, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Das Jahr 1945 markiert für Österreich keinen einfachen Neuanfang, es ist der Beginn einer Ära extremen Mangels: Hunger, Wohnungsnot und gesellschaftliche Umbrüche prägten den Alltag der Menschen. Diese Erfahrungen gehören zur Lebensrealität von Menschen, deren Erinnerungen bis in die Gegenwart reichen. Die Ausstellung Nach dem Krieg in der Hofgalerie des Museums für Geschichte macht diese sichtbar und schafft damit Verständnis für die Lebensrealitäten der Nachkriegsgeneration. Sie lädt auch dazu ein, Parallelen zur Gegenwart zu erkennen und über Verantwortung und Solidarität nachzudenken.

 

In fünf Kapiteln beleuchtet die Ausstellung zentrale Aspekte der Nachkriegszeit mit Bezug zur Steiermark: das erste Nachkriegsjahr, die Hilfe durch die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration), Nachkriegsflüchtlinge, Hilfe und Selbsthilfe sowie den Weg zum Wiederaufbau. Im Mittelpunkt aller Kapitel stehen zentrale Erfahrungen, die den Alltag der Menschen nach 1945 geprägt haben: Mangel und Zerstörung, Flucht und Fremdsein sowie Hilfe und Selbsthilfe.

 

Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet das erste Nachkriegsjahr. Österreich war politisch, wirtschaftlich und sozial zerrüttet. Familien waren auseinandergerissen, Städte zerstört, die Versorgungslage katastrophal. Viele Menschen standen vor existenziellen Fragen. Im Februar 1946 fehlten über 23.000 Wohneinheiten – viele Menschen hausten in Ruinen, Baracken oder Höhlen. 

Das Ausspeisungshäferl an der Schultasche wurde zum Symbol der Not: Im Juni 1946 waren drei Viertel der untersuchten Schulkinder in der Steiermark unterernährt. Um diese Not zu lindern, wurden Schulausspeisungen von der „Schweizer Spende“ und dem Britischen Roten Kreuz organisiert, Foto: Foto Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ

Internationale Hilfe: Die UNRRA als Lebensretter

Um aus den Fehlern nach dem Ersten Weltkrieg zu lernen, planten die Alliierten frühzeitig den Wiederaufbau für eine „Zeit nach Hitler". Das Fehlen internationaler Vereinbarungen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas hatte damals katastrophale Folgen für die soziale Stabilität des Kontinents gehabt. Ohne internationale Hilfsprogramme hätten Zehntausende Menschen in der Steiermark die kritischen Nachkriegsjahre kaum überlebt. Ermöglicht wurde dies durch eine neue Form globaler Zusammenarbeit – verkörpert in der eigens gegründeten UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen). Die unter US-Federführung agierende UNRRA übernahm eine Vorreiterrolle. Sie lieferte bis zu 80 % der Lebensmittel für die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung Österreichs. Da die Steiermark 1945/46 nur 15 Prozent ihres Weizenbedarfs selbst produzieren konnte, war die Region auf Hilfe von außen angewiesen. 

 

„Ich wollte mit dieser Ausstellung auch die UNRRA ins Gedächtnis zurückrufen und die Frage stellen: Was bedeutet eigentlich internationale Solidarität? Der Einfluss der UNO schwindet, die USA – einst Hauptgeldgeber – ziehen sich zurück, die Mittel für internationale Hilfsprojekte werden kleiner. Und gleichzeitig wird massiv in Aufrüstung investiert", so der Kurator Heribert Macher-Kroisenbrunner.

 

Die UNRRA diente schließlich auch als „Blaupause“ bei der Gründung der Vereinten Nationen (UNO) und legte den Grundstein für Institutionen wie die Welternährungsorganisation FAO, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Internationale Flüchtlingsorganisation IRO (UNHCR) sowie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF.

 

Selbsthilfe in der Not

Wo offizielle Versorgung nicht reichte, halfen sich die Menschen selbst. Städter*innen zogen mit Rucksäcken aufs Land, um bei Bäuer*innen Lebensmittel einzutauschen – bis dieser sogenannte „Rucksackverkehr“ im Juli 1946 streng reglementiert wurde. Wer mehr als drei Eier, einen Liter Milch oder ein Kilogramm Hülsenfrüchte transportierte, brauchte einen Transportschein. Wer keinen hatte, wich auf den Schwarzmarkt aus. Zentrum des Grazer Schwarzhandels war der Volksgarten: Händler*innen mischten sich als Spaziergänger*innen unter die Leute, Kund*innen flüsterten ihre Wünsche – und Waren wie Geldscheine wechselten unauffällig den Besitzer.

Neben externer Hilfe entwickelte die Bevölkerung eigene Überlebensstrategien: Schleich- und Tauschhandel sowie das „Hamstern" zählten zu den verbreitetsten. Schwarzmarkt und Naturaltausch kamen jedoch vor allem Kaufkräftigen zugute – für die Ärmsten blieb internationale Hilfe überlebensnotwendig, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

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Nach dem Krieg
Humanitäre Hilfe und Wiederaufbau für die Steiermark

Eröffnung: 18.06.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 19.06.2026–06.1.2027
Kuratiert von Heribert Macher-Kroisenbrunner

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

www.museumfürgeschichte.at 

 

Ausstellungsansichten und den gesamten Pressetext zum Download finden Sie unter folgendem Link: NACH DEM KRIEG

 


Veranstaltungshinweis

Kuratorenführung mit Heribert Macher-Kroisenbrunner am 3. Juli 2026 von 16 bis 17:30 Uhr
 

 

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