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Graz, 22.04.2026
Beim Jahresthema BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz dreht sich alles um die Blume. Nach dem Kunsthaus Graz werden nun im Joanneumsviertel gleich zwei Ausstellungen eröffnet: Das Naturkundemuseum widmet sich mit „Blümchensex“ dem bunten Treiben der Pflanzen und zeigt, wie vielfältig und überraschend sich das Liebesleben in der Pflanzenwelt gestaltet. Die Neue Galerie Graz zeigt mit „Analytische Schönheit“ Blumenbilder aus 200 Jahren. Im Zentrum stehen hier Blumendarstellungen, die die bemerkenswerte Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst sichtbar machen. Beide Ausstellungen werden gemeinsam am Donnerstag, 23. April, bei freiem Eintritt eröffnet.
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Das Kurator*innenteam von "Blümchensex" Kurt Zernig, Martina Pöltl und Gernot Friebes (v.l.) zeigt in der Ausstellung wie raffiniert, hochpräzise und erstaunlich erfolgreich das Liebesleben der Pflanzen ist, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek
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Pflanzen sind Lebewesen und ja, auch sie haben Sex. Mit der Ausstellung Blümchensex. Das bunte Treiben der Pflanzen bringt das Naturkundemuseum Aufklärung über das vielfältige und überraschende Liebesleben der Pflanzen. Alles dreht sich um das „Lustzentrum“ der Pflanzen, die Blüten, in denen sich die Sexualorgane – Staubblätter und Fruchtknoten – befinden. Geschlechterverhältnisse in Blüten sind äußerst divers: Männchen, Weibchen, Zwitter und auch Sterile – alles ist möglich, und das in jeder erdenklichen Kombination. Beim Pflanzensex dreht sich alles um die Frage, wie die Pollenkörner auf die richtige Narbe gelangen. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Pflanzen in der Regel fest verwurzelt sind und sich nicht aufeinander zubewegen können. Eine Vielzahl an Assistenten unterstützt dabei: Hummeln, Käfer, Schmetterlinge, ja sogar Vögel geben den postillon d’amour. Andere Pflanzen vertrauen ihren Pollen dem Wind an. Und manche entziehen sich diesem Treiben ganz – sie bleiben ihr Leben lang asexuell.
Nach der Bestäubung kommt es zur Befruchtung und eine neue, einzigartige Genkombination entsteht. Diese genetische Unterschiedlichkeit der Nachkommen ermöglichte die rasche Entwicklung vieler Blütenpflanzen. Die so entstandene Biodiversität ist ein wichtiger Faktor für die Stabilität unserer Ökosysteme. Das Zusammenspiel von Pflanzen und ihren Bestäubern ist ein Paradebeispiel für die Kreativität der Evolution. Manche Tiere und Pflanzen haben sich im Laufe der Jahrmillionen so sehr aneinander angepasst, dass sie ohne den jeweiligen Partner gar nicht mehr überlebensfähig sind.
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Das Zusammenspiel von Pflanzen und ihren Bestäubern ist ein Paradebeispiel für die Kreativität der Evolution. Hier zu sehen: Der Flieder und ein Taubenschwänzchen, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Wozu nun der ganze Sex?
All das geschieht einzig und allein, damit Samen heranreifen, aus denen eine neue Generation an genetisch unterschiedlichen Pflanzen heranwachsen kann. Davon profitieren auch wir Menschen, denn viele Früchte und Samen bilden die Grundlage unserer Ernährung.
Etwa 80 % der Blütenpflanzen-Arten weltweit werden von Insekten bestäubt. Doch das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern gerät durch den Einfluss des Menschen immer mehr ins Wanken. Denn die Menge an Fluginsekten in Mitteleuropa ist in den letzten 30 Jahren um 75 % zurückgegangen.
Das bunte Treiben: leicht verständlich, fachlich fundiert und mit Augenzwinkern
Das Kurator*innenteam Kurt Zernig, Martina Pöltl und Gernot Friebes will in dieser Ausstellung zeigen, wie vielfältig Pflanzen die Bestäubung bewerkstelligen, wie divers und manchmal auch komplex die Geschlechterverhältnisse sind, wieso der ganze Aufwand mit dem Sex überhaupt betrieben wird und warum auch wir Menschen von einem erfolgreichen Sexleben der Pflanzen profitieren.
Veranschaulicht wird das unter anderem mittels Pflanzen-Präparaten, die in einem aufwendigen Verfahren angefertigt wurden: Frische Pflanzen werden in mehrere Teile zerlegt und in feinkörnigem Silicagel eingebettet, wo sie, ohne die Form zu verlieren, trocknen. Wenn es notwendig ist, werden sie koloriert und schlussendlich wieder behutsam zusammengesetzt. Insgesamt sind 28 auf diese Art und Weise präparierte Pflanzen zu sehen.
Eisenrose und Chrysanthemen-Stein
Dass Mineralien und Gesteine häufig Bezug auf Eigenschaften von Blumen oder Pflanzen nehmen, zeigt eine Intervention in den Mineraliensälen des Naturkundemuseums: Eisenrose und Chrysanthemen-Stein macht anhand von ausgewählten Beispielen deutlich, dass mancher Mineraloge sich bei der Namensgebung für farbenprächtige Mineralien von Blütenfarben inspirieren ließ.
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Eine große Bandbreite an Blumenmotiven zeigt die Ausstellung "Anlaytische Schönheit" in der Neuen Galerie Graz, kuratiert von Peter Peer, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Analytische Schönheit – Blumendarstellungen als Tor zur Erkundung der Welt
Die Ausstellung Analytische Schönheit präsentiert bislang noch nie gezeigte Blumendarstellungen aus der Sammlung der Neuen Galerie Graz und ausgewählte Leihgaben aus Privatbesitz, wobei sich der Motivkreis von biedermeierlichen Aquarellen über fernöstliche Farbholzschnitte bis hin zu zeitgenössischen Blumendarstellungen erstreckt. Sie alle verdeutlichen einen zeitlosen Sinn für die Schönheit der Natur, aber auch die Neugierde, mit der wir seit jeher ihre Geheimnisse zu enträtseln suchen.
Gerade in den Pflanzendarstellungen des frühen 19. Jahrhunderts zeigt sich der Blick der aufstrebenden Naturwissenschaften besonders deutlich, der sowohl der systematischen Bilddokumentation der Botanik durch realistische, detailgenaue Pflanzendarstellungen Rechnung trägt, als auch die ästhetischen Qualitäten des Blumenmotivs voll ausschöpft. Aber auch heute greift die Botanik teilweise auf gemalte Pflanzendarstellungen zurück, da sie Details weit anschaulicher als Fotografien wiedergeben können.
Blumenmotive begleiten die Kunst seit frühester Zeit. Schon die Antike kennt Blumendarstellungen, die vor allem als Architekturornamente oder im Münzwesen Verwendung fanden. Im Spätmittelalter waren Blumen wichtige religiöse Bedeutungsträger und man begegnet ihnen fortwährend als Attribute in Darstellungen der Heilsgeschichte. Eigenständige Blumenbilder kennt man ab dem 15. Jahrhundert, wo sie im Kontext des Gelehrtentums der Renaissance und des Humanismus, welche die erste große Welle der Naturerkundung der Neuzeit initiierten, auftauchen. Eine Hochkonjunktur erlebten Blumenstücke in den Niederlanden im 17. Jahrhundert – analog zum Tulpenmarkt, der 1637 kollabierte und zahlreiche Vermögen vernichtete. Die prunkvollen Gemälde widerspiegeln eine ungebrochene Faszination für nachfolgende Generationen von Sammlern und Malern.
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Blumendarstellungen als Tor zur Erkundung der Welt
Ein Wandel vollzog sich im Lauf des 18. Jahrhunderts: Stand bis dahin die Idealvorstellung von Natur im Fokus, wandte man sich nun der Realität zu. Schließlich machte das aufstrebende Bürgertum das neue Naturbewusstsein in Kunst und Alltagskultur sichtbar.
Mit dem Aufschwung der Wissenschaften kam es zu einer zunehmenden Spezialisierung. Für die Botanik waren insbesondere die Arbeiten von Carl von Linné prägend: Seine Pflanzentaxonomie und Nomenklatur wurden zum Standard und in der Habsburgermonarchie etwa durch Nikolaus Joseph von Jacquin etabliert, der auch den Schönbrunner Garten erweiterte.
Zur Veranschaulichung wissenschaftlicher Erkenntnisse spielten Zeichnungen eine zentrale Rolle, wodurch Künstler für die Naturforschung unverzichtbar wurden und teils selbst Fachwissen erwarben. Beispiele aus Österreich sind Moritz Michael Daffinger, Josef von Hempel und Joseph Kuwasseg, deren Werke auch künstlerisch inszeniert waren und das Ideal einer kosmischen Ordnung vermittelten.
Im 19. Jahrhundert verlagerte sich der Fokus realistischer Darstellungen vom Detail hin zu einer ganzheitlichen, atmosphärischen Sichtweise, bei der malerische Qualitäten wichtiger wurden als das Motiv selbst. Dennoch bleibt die botanische Zeichnung in bestimmten Bereichen relevant, da sie manche Aspekte präziser zeigt als Fotografien. So verbindet Hildegard Könighofer wissenschaftliche Dokumentation mit ästhetischem Anspruch und arbeitet zugleich konzeptuell in seriellen Motivfolgen.
Mit dem technischen Fortschritt verlor die Kunst ihre Funktion als wissenschaftliche Begleiterin weitgehend. Gerade deshalb sind botanische Bildzeugnisse heute besonders wertvoll – vor allem jene aus der Zeit um 1800, als Wissenschaft und Kunst eine besonders enge und fruchtbare Verbindung eingingen.
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Von biedermeierlichen Aquarellen über fernöstliche Farbholzschnitte bis hin zu zeitgenössischen Positionen: Im Fokus der Ausstellung "Analytische Schönheit" steht die Verbindung von Wissenschaft und Kunst, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Zeitgenössische Kunstinterventionen als verbindendes Element im Rahmen von BLOOM
Zeitgenössische Kunstinterventionen verbinden alle BLOOM-Ausstellungen miteinander. In der Neuen Galerie Graz ist die Fotoserie Vanitas (in einer Petrischale) von Suzanne Anker zu sehen. Indem Anker das niederländische Stillleben-Genre in die Fotografie überträgt, nutzt sie die Petrischale als Symbol für das, was noch entstehen wird – insbesondere im Bereich der synthetischen Biologie, aber auch als Mahnung, die an die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Verwandlung der Elemente der Erde erinnert. In der Ausstellung Blümchensex im Naturkundemuseum zeigen PSX Consultancy (Pei-Ying Lin (TW), Špela Petrič (SI), Dimitrios Stamatis (GR) und Jasmina Weiss (SI) eine Paarberatung der anderen Art. Hier wird die Reflexion aktueller Rechte und Nöte von Pflanzen mit einer Portion lasziver Ironie verbunden.
Begleitet werden die BLOOM-Ausstellungen von einem umfangreichen Veranstaltungs- und Vermittlungsangebot. Alle Termine finden Sie hier: BLOOM-Kalender
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Eröffnet werden die beiden Ausstellungen Blümchensex und Analytische Schönheit als auch die Intervention Eisenrose und Chrysanthemen-Stein am 23. April, 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Blümchensex Das bunte Treiben der Pflanzen Laufzeit: 24.04.2026–12.09.2027 Kuratiert von Kurt Zernig, Martina Pöltl, Gernot Friebes www.naturkunde.at
Analytische Schönheit Blumenbilder aus 200 Jahren Laufzeit: 24.04.–04.10.2026 Kuratiert von Peter Peer www.neuegaleriegraz.at
Ausstellungsansichten zum Download finden Sie hier: BLÜMCHENSEX und ANALYTISCHE SCHÖNHEIT
Weitere Informationen zum Jahresthema im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz finden Sie hier: BLOOM
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler
+43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann
+43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl
+43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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