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Mit dem Thema „Blühende Medizin“ rückt das Österreichische Freilichtmuseum in Stübing Heilpflanzen und jahrhundertealtes Kräuterwissen in den Mittelpunkt

 

Graz/Stübing, am 15.05.2026

 

Die Jahresausstellung „Blühende Medizin. Die vielfältige Kraft der Pflanzen“ widmet sich im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing dem jahrhundertealten Wissen über Heilpflanzen, Kräuter und pflanzliche Heilmittel. Sie ist Teil des Jahresschwerpunktes BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz und zeigt, welche bedeutende Rolle Pflanzen im bäuerlichen Alltag spielten – als Hausmittel, Heilpflanzen und wertvolle Begleiter durch das Leben. Zwischen historischen Bauerngärten und alten Höfen wird sichtbar, wie Heilpflanzen einst angebaut, genutzt und als wertvolles Wissen weitergegeben wurden. Ab Sonntag, dem 17. Mai 2026, erfahren Besucher*innen viel Wissenswertes über die Heilkraft von Pflanzen. 

 

 

Das Jahresthema im Österreichischen Freilichtmuseum in Stübing vermittelt traditionelles Wissen über Heilpflanzen und Kräuter. Kulturvermittlerin Katharina Prietl, Kurator Reinhard Tuder und die Leiterin der Abteilung Volkskunde, Michaela Steinböck-Köhler, v. l., Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

In früheren Jahrhunderten war medizinische Hilfe auf dem Land oft nur schwer zugänglich. Die Wege zum nächsten Arzt waren weit, eine Behandlung war für viele Bauern und Bäuerinnen kaum leistbar und die Abgeschiedenheit vieler bäuerlicher Höfe verlangte nach größtmöglicher Selbstständigkeit. Daher vertraute die ländliche Bevölkerung auf das über Generationen überlieferte volksmedizinische Wissen und versuchte sich zunächst einmal selbst zu kurieren. Eine Tradition, die tief im Alltag verwurzelt war.

 

Fast jeder Bauernhof verfügte über einen eigenen Hausgarten, in dem Heilpflanzen, Gewürzkräuter und Blumen kultiviert wurden. Die Bewohner*innen kannten die Wirkung der Kräuter aus ihrer Umgebung genau. So verwendete man beispielsweise Salbei gegen Entzündungen oder Zitronenmelisse zur Beruhigung bei Angstzuständen oder Schlafstörungen. Herzgespann, wie der Name schon sagt, stärkt das Herz. Es wurden Tees, Salben, Pflaster und Tinkturen hergestellt – meist auf Grundlage jahrhundertealter Erfahrung. Vor allem die Frauen trugen dafür die Verantwortung und gaben das Wissen dann von Generation zu Generation weiter. Die Menschen lebten im engen Einklang mit der Natur und nutzten, was ihnen zur Verfügung stand – sowohl zur Behandlung eigener Beschwerden als auch zur Versorgung ihrer Tiere.

 

Die eigens angelegten Heilgärten zeigen die Vielfalt traditioneller Heilpflanzen und Kräuter, die einst auf nahezu jedem Bauernhof kultiviert wurden, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Eine zentrale Rolle beim Anbau, der Verbreitung und der Verwendung von Pflanzen in Ernährung, Medizin, Kultur und Alltag spielten die Klöster. Ihre Gärten wurden rasch zu wichtigen Zentren botanischen und heilkundlichen Wissens. Die Mönche und Nonnen sammelten und bewahrten das Wissen antiker Autoren über Heilpflanzen und Heilmittel und erweiterten es durch eigene Beobachtungen und Erfahrungen. Zwischen den Klöstern entstand ein reger Austausch von Pflanzenarten, sodass auch viele südeuropäische und orientalische Gewächse ihren Weg bis in den alpinen Raum fanden. Ihr Wissen gaben die Ordensleute nicht nur innerhalb der Klöster weiter, sondern auch an die bürgerliche und bäuerliche Bevölkerung und prägten so die Volksmedizin nachhaltig.

 

Traditionelles Heilwissen interaktiv erlebbar

Ein Kräuterbuch aus dem Jahr 1601 aus dem Bestand des Freilichtmuseums Stübing bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung "Blühende Medizin". Im Rahmen der Jahresausstellung wurde das historische Werk digitalisiert und macht das überlieferte Wissen über Heilpflanzen erstmals virtuell zugänglich. Beim Rundgang durch historische Haus- und Kräutergärten begegnen Besucher*innen jenen Pflanzen, die über Jahrhunderte hinweg Bestandteil bäuerlicher Hausmedizin waren, und erfahren Wissenswertes über die Entwicklung und Bedeutung der Heilpflanzen – von der Antike über Klostergärten des Mittelalters bis hin zur Volksmedizin und ihrer Wirkung in der heutigen Zeit. Zum aktiven Mitmachen laden ein interaktives Elektronikspiel, ein Dufttisch sowie zwei kreative Fotopoints ein.

 

„Helenas Tränen“ von Nina Schuiki

Die Kunstintervention Helenas Tränen von Nina Schuiki verbindet das Österreichische Freilichtmuseum Stübing mit dem Kunsthaus Graz auf sinnliche Weise. Für die Künstlerin entsteht ein Wechselspiel zwischen dem im Freilichtmuseum Stübing von den Gärtner*innen sorgsam gepflegten, gelb blühenden Alant (Inula helenium, auch „Helenas Tränen“) und den im Kunsthaus Graz verströmten Wirkstoffen. Der Legende nach wuchs die Pflanze dort, wo die Tränen der Halbgöttin Helena bei ihrer Entführung zu Boden fielen. Die minimalistisch-poetische Installation thematisiert das fragile und zugleich kostbare Zusammenspiel von Mensch und Umwelt. Die künstlerische Intervention ist Teil der Ausstellung 30 % Löwenzahn, die bereits seit März im Kunsthaus Graz zu sehen ist und ebenfalls im Rahmen des Jahresschwerpunkts BLOOM stattfindet. Aus dem Alant wird ein Duft extrahiert, der sich über die Lüftungsanlage im Kunsthaus Graz verbreitet und die Pflanze damit über ihren ursprünglichen Ort hinaus erfahrbar macht.  

 

 

Die Kunstintervention „Helenas Tränen“ von Nina Schuiki verbindet das Österreichisches Freilichtmuseum Stübing mit dem Kunsthaus Graz, Foto Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht, Wien 2026

BLOOM-Tag im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing
21.06.2026

Am Tag der Sommersonnenwende richtet das Österreichische Freilichtmuseum Stübing den Blick auf jene Kräuter und Pflanzen, die traditionell mit der Sonnenwende in Verbindung stehen. Besucher*innen erleben die Farben und Düfte von Johanniskranzerln und Sonnwendbuschen, können den Erzählungen der Kulturvermittler*innen sowie den Sprüchen rund um das Sonnwendfeuer lauschen und traditionelle Sonnwendkrapfen genießen.

 

 

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Blühende Medizin. Die vielfältige Kraft der Pflanzen

Eröffnung: 17. Mai 2026

Laufzeit: 17.5.–31.10.2026

BLOOM-Tag: 21.06.2026, Infos zum Programm finden Sie HIER

Österreichisches Freilichtmuseum Stübing

www.freilichtmuseum.at

 

 

Weitere Informationen und Bildmaterial zur Ausstellung Blühende Medizin. Die vielfältige Kraft der Pflanzen finden Sie HIER.

 

Weitere Informationen zum Jahresthema BLOOM unter museum-bloom.at 

 

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Mit herzlichen Grüßen

 

 

Daniela Teuschler
+43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at

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