Werner Reiterer, Crash, 2013; Foto: Klaus-Dieter Hartl

19. November 2013 / Elisabeth Fiedler

#CRASH: “Feuer als Zeichen der Vernichtung nicht konformen Gedankengutes”

Kunst im öffentlichen Raum

Ein Verkehrsunfall am Leibnitzer Hauptplatz? Bereits mit Eröffnung seiner Intervention Crash sorgte der Künstler Werner Reiterer für Aufsehen. In Zusammenarbeit mit der Stadt Leibnitz und dem Institut für Kunst im Öffentlichen Raum Steiermark illustrierte Reiterer das Aufeinanderprallen althergebrachter Kultur und neuem Lebensstil.

Ein “Cultural Crash”, der sich auch im dreimaligen Versetzen der Mariensäule aufgrund verkehrstechnischer Anforderungen in den letzten 100 Jahren widerspiegelte. Die skulpturale Übersetzung mit der Mariensäule und einem Autowrack polarisierte und sorgte für heiße Diskussionen.

 

Werner Reiterer, Crash, 2013, © VBK, Wien, 2013

Werner Reiterer, Crash, 2013, © VBK, Wien, 2013

Am Wochenende wurde die Installation Opfer eines Vandalenaktes und fand ihr jehes Ende.
Nachstehend ist die Stellungnahme von Elisabeth Fiedler, Leiterin der Abteilung Kunst im Außenraum und Chefkuratorin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, zu lesen.

 

Werner Reiterer, Crash, 2013; Foto: Klaus-Dieter Hartl

Werner Reiterer, Crash, 2013;
Foto: Klaus-Dieter Hartl

Zur Zerstörung der Arbeit CRASH

Dass Kunst im öffentlichen Raum vandalisiert und sogar mittels Feuer zerstört wird, ist leider kein Einzelfall. Brandmittel wurden in der Steiermark zuletzt im Jahr 1988 an der Arbeit Und Ihr habt doch gesiegt von Hans Haacke an der Mariensäule am Eisernen Tor in Graz verwendet. 25 Jahre später stellt man mit Erschütterung fest, dass solches Denken und Agieren, für die Öffentlichkeit gemildert durch die Aussage, es handle sich um einen verwirrten Einzeltäter, immer noch und immer wieder möglich ist.

Feuer als Zeichen der Vernichtung nicht konformen Gedankengutes, von Bücherverbrennungen bis zur in Brand Setzung von Kirchen oder Synagogen, hat eine tragische und lange Geschichte. So gedenken wir nicht umsonst gerade der Novemberpogrome vor 75 Jahren, um auch ein Bewusstsein für die Achtsamkeit darauf zu schärfen, dass Gewalt und Zerstörung niemals wieder mehr eintreten mögen.

Der arrivierte und international tätige Künstler Werner Reiterer schuf mit seiner Arbeit CRASH im Rückblick auf die 100-jährige Geschichte der Stadt Leibnitz und in Auseinandersetzung mit dem Cultural Crash, der sich innerhalb des Skulpturenbegriffs, aber auch der politischen, sozialen oder ökonomischen Bedingungen zeigt, ein markantes Kunstwerk am Puls der Zeit.

In Kooperation zwischen Land Steiermark und Stadt Leibnitz wurde dieses Projekt vorbereitet, eröffnet, erklärend begleitet, Folder wurden aufgelegt. Darüber hinaus wurde vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum, der Stadt Leibnitz und dem Künstler zu einer breit angelegten öffentlichen Informations- und Gesprächsveranstaltung in das Zentrum von Leibnitz eingeladen und offen diskutiert.

Bedenklich und erschreckend erweist sich nun die Tatsache, dass Kunst einmal mehr, ohne selbst aggressiv aufzutreten, sondern einfach „anders“ als die Umgebung zu sein, derartiger Zerstörung anheimfällt.

Kunst im öffentlichen Raum, die wesentlich zum Demokratieverständnis und zur Selbstreflexion innerhalb einer Gesellschaft beiträgt, erscheint hier als Barometer für eben den Zustand unserer Gesellschaft, in der Ausgrenzung, Abschiebung, Xenophobie stammtischtauglich und salonfähig geworden sind.

Angesichts der vorliegenden Zerstörungstat stellt sich die Frage nach der Latenz zur allgemeinen Gewaltbereitschaft auf erschreckende Weise einmal mehr und bestätigt die Brisanz und Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit den angesprochenen Themen.

Elisabeth Fiedler

 

Ein Interview mit Werner Reiterer gibt es hier zu lesen.

Kategorie: Kunst im öffentlichen Raum
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