Kirmes

Pieter Breughel d.J. (Brüssel, 1564 – Antwerpen, 1638)

Öl auf Holz
112,5 x 171 cm
Provenienz: Vermächtnis Julie von Benedek, 1895
Inv.-Nr. 59

Pieter Breughel d.J. hat sich in Stil und Komposition stets sehr eng an das Werk seines Vaters angelehnt. Auch das mit „P BREVGHEL“ signierte Grazer Gemälde belegt das Interesse des Sohnes am bäuerlichen Milieu.

Thema ist eine farbenfroh und detailreich geschilderte Kirmes in einem flämischen Dorf. Was zunächst wie eine humoristische Darstellung anmutet, ist in Wahrheit weit entfernt von harmloser Komik. Das Dorf steht für die von Triebhaftigkeit und Unverstand regierte Welt. Aus der Sicht des gebildeten Städters ist die bäuerliche Existenz von niedrigen, ja tierischen Bedürfnissen geprägt, der Landmann daher regelmäßig bevorzugtes Objekt der Satire in Malerei und Graphik. Das patrizische Milieu, das die Kundschaft des Malers stellt, ist im Bild präsent: Weit hinten schreitet langsam ein bürgerliches Paar über die Dorfstraße, in spürbarer Distanz zu dem bunten Treiben der heimischen Bevölkerung.

Äußerer Anlass ist zwar ein religiöses Fest, wie eine durchs Dorf ziehende Prozession mit den Standbildern populärer Heiliger, Hubertus und Antonius Abbas, unter Führung der örtlichen Schützengilde sowie weiter hinten ein großes, wappengeschmücktes Banner mit der Darstellung des hl. Georg, des Gildenpatrons, anzeigen. Doch steht keine heilige Handlung im Zentrum allgemeiner Aufmerksamkeit, sondern eine derbe Posse, die vom Ehebruch handelt. Selbst im Umkreis des Gotteshauses ist keine Frömmigkeit, sondern Torheit anzutreffen, wie der Esel an der Dorfkirche anzeigt. Wahrer Herrscher scheint ein Narr zu sein, der weiter hinten über die Straße läuft. An seine Rockzipfel klammern sich Kinder, Repräsentanten einer in Unvernunft befangenen Menschheit.

Doch ist die scheinbar unbeschwerte Feier nur Vorwand für Enthemmung und Entsittlichung, wie die Gelage im Vordergrund besonders drastisch zeigen. Klar herauszulesen ist die Mahnung vor den sieben Todsünden: Ungeniert geben sich die Bauern dem Spiel, der Völlerei (gula) und vor allem dem Trunk hin. Selbst die Kinder beteiligen sich, bezeichnenderweise in Gesellschaft umherlaufender Schweine. Wie tief bei solchem Lebenswandel der Mensch sinken kann, demonstriert rechts unten ein Zecher, der sich am Boden erbricht. Der Dudelsack, mit dem zum Tanz aufgespielt wird, und erst recht Hahn und Henne rechts deuten gemeinsam mit derben Tanz- und Liebesszenen auf ein gleichfalls ungehemmtes Sexualleben hin (luxuria). Weit hinten, am Ende der Dorfstraße versinnbildlichen zwei Bauern, die einander in Kampfeshitze mit blanker Waffe bedrohen, den Zorn (ira), der – wie so oft – eine Folge der Trunksucht ist.

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