Tafel des Jörg Rottal

Meister der Tafel des Jörg Rottal, 1505 (vermutlich aus den nördlichen Niederlanden stammend)

Foto: UMJ

Tempera auf Fichtenholz
164 x 100,5 cm
Provenienz: Aus Thalberg bei Hartberg, Vermächtnis Ignaz Graf Attems 1861
Inv.-Nr. 331

Maria sitzt mit dem Jesusknaben unter einem Baldachin, die Krönung durch zwei Engel zeichnet sie als Himmelskönigin aus. Zu ihrer Rechten die hl. Katharina, zu ihrer Linken die hl. Barbara, im vorderen Bildteil die hl. Dorothea und die hl. Maria Magdalena.

Maria Magdalena hält ein Salbgefäß, da sie war es, die dem Leichnam Christi die letzte Ölung verabreichte. Dorothea trägt einen mit Rosen gefüllten Korb. Der Legende nach bekehrte sie vor ihrer Hinrichtung den Gerichtsschreiber, dem danach ein Knabe trotz der Winterzeit in einem Körbchen Äpfel und Rosen aus dem himmlischen Garten brachte. Hinter Barbara steht der Turm, in den sie ihr Vater einschloss, um ihre Reinheit zu bewahren. Als er die heimlich zum Christentum Bekehrte einem heidnischen Präfekten ausliefert, erträgt sie alle Folterungen standhaft, um schließlich enthauptet zu werden. Als allgemeine Attribute hält Barbara Märtyrerpalme und Buch, letzteres in einem ledernen Beutelbuch, eine im 15. Jahrhundert verbreitete Sonderform des Bucheinbandes. Auch die schöne und kluge Jungfrau Katharina von Alexandrien starb für ihren christlichen Glauben. Das zerbrochene Rad verweist auf den ersten Hinrichtungsversuch, ihre Enthauptung signalisiert das Schwert. 

Ikonographisch gesehen handelt es sich um eine Sacra Conversazione, ein Typus, der Maria und verschiedene Heilige in einem würdevoll-ruhigen Miteinander zeigt. Gleichzeitig ist von einer ab dem frühen 15. Jahrhundert häufigen Virgo-Inter-Virgines-Darstellung zu sprechen, in der Maria als Königin der Jungfrauen (Corona Virginum) erscheint, meist gemeinsam mit den Virgines Capitales (Barbara, Katharina und Margaretha, ab dem 14. Jahrhundert oft noch Dorothea).

Erweitert ist die Darstellung um die mystische Vermählung der hl. Katharina mit dem Jesusknaben. Katharina hält an Stelle des Ringes eine weiße Nelke, der eine unheilabwehrende Wirkung zugesprochen wird, weshalb sie besonders Brautleuten Schutz gewährt. Rote und weiße Rosen sind im Mittelalter das Attribut der Jungfrauen. Weiße Rosen symbolisieren außerdem die Jungfräulichkeit Mariens, rote Rosen ihre Wohltätigkeit.

Maria Magdalena trägt eine Turbanhaube aus Samt mit Goldstickereien, wie sie um 1500 am französischen Hof in Mode war. Dorotheas Kopfschmuck ist ein perlenbesetztes Schapel (seit Ende des 12. Jahrhunderts das Zeichen der Jungfrauen höherer Schichten, später auch in bäuerlichen und bürgerlichen Kreisen üblich). Auf Barbaras Haube sitzt eine Agraffe (spätmittelalterlicher aufgenähter Kleiderschmuck). Alle drei tragen an französische Hoftracht gemahnende hochgegürtete Schleppkleider mit Brustlatz und bestickten Dekolletés. Katharina, standesgemäß gekrönt, trägt ein brokatenes Surcot (auch Suckenie), ein typisches Obergewand des mittelalterlichen Adels, ausgezeichnet durch Bodenlänge, Armlöcher und Ärmellosigkeit; am Oberarm sitzt eine prächtige Armilla (Armband oder -spange).

Das Jesuskind hält einen Rosenkranz, der ab dem 13. Jahrhundert aufgrund seiner Mariensymbolik (Rose) insbesondere bei der Marienandacht verwendet wird. Das Schriftband im unteren Bildteil nennt 1505 als Entstehungsjahr der Tafel und Jörg von Rottal als Stifter, darunter sein Wappen. Dieses Datum steht in gewisser Diskrepanz zum Stil des Kunstwerks, der eher auf eine Entstehung um 1480/90 hindeutet. Auch der goldene Hintergrund mit eingraviertem Granatapfelmuster verweist auf das 15. Jahrhundert.

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