Von der Renaissance zur Gegenreformation

Renaissance und Humanismus bewirkten im 16. Jahrhundert einen tiefgreifenden kulturellen Wandel in Europa. Bürger wie Adelige bekannten sich in großer Zahl zur Lehre Martin Luthers und seiner Anhänger, was die konfessionelle Struktur des Kontinents dauerhaft veränderte. Viele Städte und Territorialherren schlossen sich dem neuen Glauben an und drängten die römische Kirche in die Defensive. Zu den vielen Verfechtern der Reformation gehörte Lucas Cranach d. Ä., ein Hauptmeister der Renaissance in Deutschland. Über die Konfessionsgrenzen hinaus prägte das Vorbild Italiens und der neu belebten klassischen Antike mehr und mehr die Kultur eines ganzen Kontinents.

Doch führte die entschiedene Parteinahme des Hauses Habsburg für den alten Glauben zu einem Umschwung im Herzen Europas. In Graz, dem Zentrum der Ländergruppe „Innerösterreich“, leitete Erzherzog Karl II. (reg. 1564-1590)auf Betreiben seiner bayerischen Frau Maria eine schrittweise Rekatholisierung ein, die unter seinem Sohn Ferdinand (1619-1637 als Ferdinand II. römisch-deutscher Kaiser) zusehends an Schärfe gewann. Ein höfisches Kunstmilieu bildete sich heraus, das nach einer universal befähigten Persönlichkeit verlangte, die Malerei, Architektur und Skulptur gleichermaßen beherrscht, den "Uomo universale". Der Grazer Hof fand ihn in einem in Venedig ausgebildeten Oberitaliener, der durch Vermittlung seinen Weg nach Graz fand: Giovanni Pietro de Pomis.

Die nun ganz italienisch geprägte Kunst dieser Zeit bietet ein Doppelgesicht. Einerseits prägten im späten 16. Jahrhundert intellektuelle Verfeinerung und sublime Erotik vor allem die internationale höfische Kunst, wie sie im Prag Kaiser Rudolfs II. Hauptmeister wie Bartholomäus Spranger mit seinen raffinierten Allegorien zur Vollendung führten. Oft waren es wie Spranger italienisch geschulte Niederländer, die an vielen Höfen Europas das Rückgrat des Kunstlebens bildeten.

 

Die solcherart auf internationalem Standard arbeitenden Maler, Bildhauer und Architekten stellten sich andererseits in den Dienst der Glaubensverkündung. Die erstarkte und mit neuem Offensivgeist erfüllte römische Kirche verfolgte eine komplexe Strategie der Glaubensverbreitung, propaganda fidei, die Politik, Kunst und Wissenschaft gleichermaßen umfasste und damit für lange Zeit die katholische Identität vieler Regionen, auch Österreichs, zutiefst prägte. Die Niederlassungen großer Reformorden wie der Jesuiten prägten das Bild vieler Städte.

Alte Galerie, Schloss Eggenberg

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