Die neuen Gattungen der Kunst (16.-17. Jh.)

Historie, Genre, Landschaft und Stillleben

 

War das Mittelalter noch nahezu ausschließlich von kirchlichen Themen geprägt, so ist für die neuzeitliche Kunst überhaupt die Zweiteilung in sakrale und profane Stoffe grundlegend.

Die Kunst erlebte eine schrittweise Herausbildung einzelner Gattungen, die bald ihre Märkte fanden. Die Zahl der Abnehmer stieg sprunghaft an und ließen die Grundlagen eines modernen Kunstlebens entstehen. Neben die universal begabten Genies trat ein Heer von Spezialisten, wie sie vor allem in den Niederlanden in Erscheinung traten. Es sind dies Marktnischen bzw. Marktsegmente in durchaus modernem Sinne, die der nun nach Gattungen geordneten, nordalpinen Kunst ihr Gepräge gaben.

Doch bildete sich auch eine Rangstufung heraus, die vor allem für die neu entstehenden Ausbildungsanstalten für professionelle Künstler, die Akademien, typisch ist. Allegorie und Historie nahmen die Spitze ein, gefolgt von Porträt, Landschaft und Stillleben. Für die erstgenannten sind eine profunde literarische Bildung und die Fähigkeit vonnöten. Es galt, schwierige Figurengruppen nach italienischem bzw. antikem Vorbild zu komponieren. Doch auch die anderen, in der italienischen Kunsttheorie niedriger angesiedleten Gattungen fanden überall namhafte Vertreter, die als Könner ihres Faches zu Ansehen und Vermögen gelangten, gerade in der jungen Handelsnation Holland mit ihrem bürgerlichen Kaufmannsmilieu.

 

Das Genre nahm eine gesonderte Entwicklung, weil die scheinbaren Alltagsreportagen eine Vielzahl moralischer, zumeist biblisch begründeter Mahnungen enthalten, die stets auf Hinfälligkeit und Erlösungsbedürftigkeit der sündhaften, menschlichen Natur abzielen. Auch hier sind die Niederländer Pioniere, allen voran die Brueghel-Dynastie, die maßgeblich zum Kunstleben Antwerpens beigetragen hat.

 

Auch die Bedeutung von Landschaft und Stillleben als Widerspiegelung der göttlichen Schöpfung reichte über bloße Naturwiederholung hinaus, doch wurde ihr wegen ihres dominierenden Charakters der Nachahmung intellektuelle Eigenständigkeit und Erfindungsgabe abgesprochen. "Stillstehende Sachen" waren aus der Sicht der Zeit der Gegenpol zur dramatischen Aktion, die geschichtliche Bedeutung und zeitlose Gültigkeit beansprucht, wie sie die Historienmalerei kennzeichnet.

Alte Galerie, Schloss Eggenberg

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Öffnungszeiten
01. April bis 29. Oktober Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

1. November bis 31. Dezember 2017:

nur im Rahmen einer Führung und nach Voranmeldung zugänglich. 


Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender.


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Di–Fr 10–12 Uhr und nachmittags gegen Voranmeldung