Das Mittelalter

Die mittelalterliche Kultur, deren Ausstrahlung weit über moderne Landesgrenzen hinausreicht, ist zutiefst kirchlich bestimmt. Dies gilt in besonderem Maße für das heutige Österreich, wo das Städtewesen eine geringere Bedeutung hat als in Oberitalien oder Westeuropa. Die seit dem frühen Mittelalter bestehenden großen Bischofssitze wie Passau, Freising und Salzburg waren auch im 12. und 13. Jahrhundert im umfassenden Wortsinne Zentren, die dank ausgedehnten territorialen Besitzes ganze Regionen prägten. Während z. B. das niederbayerische Passau weit in die Donauregion ausgriff, gingen von Salzburg starke Impulse aus, die im gesamten Alpengebiet wirkten und bis in das nördliche Slowenien reichten - die ehemalige Untersteiermark.

Von überragender Bedeutung waren die großen Klöster, die wie Seckau in der Steiermark oder Gurk in Kärnten bis ins späte 18. Jahrhundert - die Zeit der josephinischen Reformen (1780-1790) - Bischofsresidenzen waren. Benediktiner (Admont und St. Lambrecht in der Obersteiermark) und Zisterzienser (Rein bei Graz) waren auch in der Steiermark Vorreiter zivilisatorischer Erschließung ganzer Regionen, die sie als Seelsorgezentren und Grundbesitzer in religiöser bzw. ökonomischer Hinsicht dominierten. Ihre internationalen Beziehungen ließen den Alpenraum mit der verfeinerten Formensprache der französischen Hochgotik in Kontakt kommen.

Vornehmster Ausdruck all dessen ist die sakrale Kunst, die vor allem von den Klöstern ihren Ausgang nahm. Hier liegen die Grundlagen für die kulturelle Identität des Landes, Wesentliches verdankt sie dem Kontakt zu Hauptregionen der europäischen Kunstgeschichte wie Oberitalien und Böhmen im 14. und 15. Jahrhundert. Dies bezeugen auf höchstem Niveau die gotischen Tafelbilder des "Meisters von St. Lambrecht“. Allein die "St. Lambrechter Votivtafel" zählt zu den Hauptwerken der gotischen Tafelmalerei: sie ist eines der ersten "Historienbilder" im Wortsinne.

 

Dank seiner Handelsrouten war der gesamte Alpenraum auch offen für die Neuerungen der italienischen Renaissance, die mit der spätgotischen Tradition eine Synthese eingingen. Michael Pachers Tafelmalereien zeigen einen experimentellen Umgang mit den Gesetzen der Zentralperspektive und einer naturnahen Landschaftsdarstellung. Auch damit nähert sich die Malerei im süddeutsch-österreichischen Raum der Neuzeit und dem Reformationszeitalter, gekennzeichnet durch eine enorm gesteigerte Produktivität. Deren Spuren finden sich sowohl in den religiösen Zentren wie dem europaweit ausstrahlenden Wallfahrtsort Mariazell als auch in abgelegenen Landkirchen. Typisch sind Erzählfreude und Liebe zum Detail, aber auch schonungslose Drastik bei der Darstellung von Schlachten und grausamer Martyrien.

Alte Galerie, Schloss Eggenberg

Eggenberger Allee 90
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9770
F +43-316/8017-9779
altegalerie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. November bis 31. Dezember Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

nur im Rahmen einer Führung und nach Voranmeldung zugänglich


24. März 2018 bis 31. Oktober 2018 Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr
01. November 2018 bis 04. April 2019

wegen Ausstellungsumbau geschlossen


Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di–Fr 10–12 Uhr und nachmittags gegen Voranmeldung

 

2. April 2018
21. Mai 2018

24. bis 25. Dezember
26. Dezember
24. bis 25. Dezember 2018