Große Manier und Caravaggismus

Moralische Botschaften von Tugend und Laster

 

Der Vorrang der Historie als Träger bedeutungsschwerer Stoffe und allgemein gültiger Botschaften findet besonderen Ausdruck in der Wahl des großen Formats. Diesen Anforderungen entspricht besonders das katholische Altarbild: In großer Zahl beherrscht es die Kirchenräume, um wie eine gemalte Predigt zu wirken. Im Sinne der Gegenreformation gelangte der Maler hier zu besonders eindringlichen Interpretationen sakraler Themen, die mit den Mitteln oft dramatischer Inszenierung ins Werk gesetzt werden. Eine ganze Skala von Affekten kommt so zur Entfaltung: Trauer, Schmerz, Zorn und Mitleid, aber auch Freude, Hoffnung und Ekstase. So verlangt es die von den kirchlichen wie fürstlichen Autoritäten bevorzugte Art zu malen, die "Große Manier", gran maniera bzw. grande manière.

Italienischen, insbesondere venezianischen Vorbildern folgend, fanden im 17. Jahrhundert Maler aus dem süddeutsch-österreichischen Raum Anschluss an die internationale Entwicklung: Zu diesen zählen Johann Carl Loth, der unter dem Namen "Carlotto" eine erfolgreiche Werkstatt in Venedig betrieb, und Johann Michael Rottmayr. Im 18. Jahrhundert fand dieser Weg seinen triumphalen Fortgang in den katholischen Regionen des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", besonders in der neu aufblühenden Kaiserresidenz Wien.

Aber auch die Gegenwelt wurde bildwürdig. Das als Hort des Lasters verurteilte, zwielichtige Milieu der Bordelle und Tavernen, fand Eingang in die Malerei des Barock. Seit der Italiener Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio, um 1600 jenseits des offiziellen Motivkanons jene andere Welt entdeckte und mit schonungslosen Realismus dargestellt hat, finden Stoffe aus den Randmilieus der Gesellschaft ihre Interpreten, vor allem in den Niederlanden. Aus dem Norden wanderten zahlreiche Künstler nach Rom, um sich diesen revolutionären Malstil anzueignen. Zu ihnen gehörte auch der Antwerpener Jan Cossiers. Zum Grazer "Zigeunerstück" existieren Varianten in der Petersburger Eremitage, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (D) sowie dem Musée des Beaux-Arts in Valenciennes (F).

Alte Galerie, Schloss Eggenberg

Eggenberger Allee 90
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9770
F +43-316/8017-9779
altegalerie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. April bis 29. Oktober Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

1. November bis 31. Dezember 2017:

nur im Rahmen einer Führung und nach Voranmeldung zugänglich. 


Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender.


Öffnungszeiten der Bibliothek
Di–Fr 10–12 Uhr und nachmittags gegen Voranmeldung

 

15. August