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Graz/Wagna, am 28.05.2026
Vom KZ-Außenlager in Aflenz an der Sulm (Leibnitz), das 1944 für die Rüstungsproduktion errichtet wurde, sind heute keine sichtbaren baulichen Überreste mehr erhalten. Zeitweise waren dort gleichzeitig rund 650 KZ-Häftlinge interniert; mindestens 62 Menschen kamen infolge von Zwangsarbeit, extremen Arbeitsbedingungen und Misshandlungen ums Leben. Mit dem begehbaren „Aflenz Memorial“, das im Oktober 2026 eröffnet wird, soll die verdrängte Geschichte des Ortes wieder sichtbar und erfahrbar werden. Unter der künstlerischen Leitung von Milica Tomić entsteht so am historischen Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Leibnitz/Aflenz ein Landschaftsdenkmal, das Geschichte, Erinnerung und Gegenwart verbindet. Am 28. Mai wurde das Projekt der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt.
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Heute wurde am ehemaligen Lagerareal in Aflenz an der Sulm das Konzept des begehbaren Landschaftsdenkmals präsentiert. Bernhard Schrettle, ASIST Archäologisch Soziale Initiative Steiermark, Peter Stradner, Bürgermeister der Gemeinde Wagna, Marko Mele, wissenschaftlicher Leiter des Universalmuseums Joanneum, Milica Tomić, künstlerische Leitung und Konzept, Gabriele Mackert, Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum, Andreas Boden, studio boden, Andreas Paar, HOLCIM (Österreich) GmbH, v.l., Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Das „Aflenz Memorial“ von Milica Tomić macht in Zukunft diese verdrängte Vergangenheit im Raum wieder erfahrbar und entwickelt einen lebendigen Erinnerungsort. Zentrales gestalterisches Element ist ein Wegesystem, das als materielle Spur die ehemalige Struktur des Lagers nachvollziehbar macht. Ein Schotterweg sowie weitere Pfade markieren die früheren Lagergrenzen und machen die Dimensionen des Areals im Gelände lesbar. Der Boden selbst wird dabei als Archiv verstanden – als Träger von Spuren, der aktiv in die Gestaltung des Erinnerungsraums eingebunden ist. Der ehemalige Appellplatz sowie eine der Baracken werden im Gelände markiert und zugänglich gemacht.
„Dieses Memorial schafft keine Distanz zur Geschichte, es macht sie erfahrbar. Als Universalmuseum sehen wir unsere Aufgabe nicht allein darin, Geschichte zu bewahren. Unsere Aufgabe ist es auch, Räume zu schaffen, in denen gesellschaftliche Auseinandersetzungen möglich werden. Orte, die Fragen stellen, Verantwortung einfordern und demokratisches Bewusstsein stärken. Das „Aflenz Memorial“ wird ein solcher Ort sein“, so Marko Mele, wissenschaftlicher Leiter des Universalmuseums Joanneum. „Die zentrale Idee für das „Aflenz Memorial“ ist nichts zu rekonstruieren, sondern dem was war einen neuen Ort zu geben und auch zu zeigen, dass etwas Neues wachsen kann und dass ein Erinnerungszeichen auch ein Ort der Auseinandersetzung, der Information, des Diskurses sein kann – dass aber auch die Pflege dieses Ortes ein aktives Erinnern ist“, so Gabriele Mackert, Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark.
Die Natur als Trägerin der Erinnerung Ein wesentlicher Bestandteil des Memorials ist die landschaftliche Gestaltung mit Pflanzen, die gemeinsam mit dem studio boden (Graz) entwickelt wird. Archäobotanische Untersuchungen von Bodenproben aus dem Jahr 2024 haben Samen von Pflanzen hervorgebracht, die seit der NS-Zeit am Ort gewachsen sind. Diese werden gezielt wieder angesät und weiterentwickelt.
„Aus meiner Arbeit in Jugoslawien weiß ich, dass sich Erde und Natur an Orten von Massenverbrechen verändern. Der Boden ist ein Archiv. Wir haben Samen tief aus der Erde genommen – Samen, die dort seit der NS-Zeit schlummerten und daraus eine Gemeinschaft gebildet. Das Denkmal ist vor allem ein Weg, eine Choreografie. Ein Denkmal - das die Geschichte aus dem Boden herausholt, um sie lebendig zu halten - das wir gemeinsam pflegen werden" so die Künstlerin Milica Tomić.
So wird sichtbar, was über Jahrzehnte im Verborgenen geblieben ist: Die Natur selbst wird zum Träger der Erinnerung und macht die im Boden eingeschriebene Geschichte lesbar. Das „Aflenz Memorial“ versteht sich als „lebendiges Mahnmal“, das Geschichte nicht rekonstruiert, sondern im Alltag erfahrbar macht. Durch Pflege, Wiederkehr und Beteiligung der lokalen Bevölkerung entsteht ein Ort der kontinuierlichen Auseinandersetzung, des Lernens und der Reflexion. Erinnerung wird dabei nicht als abgeschlossen verstanden, sondern als fortlaufender Prozess in der Gegenwart.
„2024 haben wir hier eine Ausgrabung durchgeführt und bauliche Reste gefunden – von Wachtürmen, Häftlingsbaracken, Stacheldrahtzäunen. Dazu Gefäße, Geschirr, eine Schuhsohle, ein Kamm – Dinge des täglichen Lebens, die Häftlinge in den Händen hatten. Diese archäologischen Funde geben uns einen sehr unmittelbaren Einblick in die furchtbaren Zustände." Bernhard Schrettle, ASIST.
Ergänzend zu den Pflanzen werden Setzlinge aus dem nahe gelegenen Wald, in dem sich ein exhumiertes Grab ermordeter Häftlinge befand, in das Memorial eingebracht. Da dort kein Gedenkort errichtet werden kann, wird so eine symbolische Verbindung geschaffen, die Erinnerung in den Raum des Memorials überträgt. Das Gelände bleibt zugleich Teil der Gegenwart: Ein Bereich wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt und steht für den Dialog zwischen heutiger Nutzung und historischer Bedeutung. Andere Zonen, insbesondere im Bereich des ehemaligen Massengrabs, werden landschaftlich so gestaltet, dass ihre historische Dimension erkennbar bleibt. Die ehemaligen Lagerflächen befinden sich im Eigentum der Holcim (Österreich) GmbH (vormals Perlmooser AG), die sie für die Dauer von 25 Jahren kostenfrei für das Projekt zur Verfügung stellt.
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Das begehbare Landschaftsdenkmal macht die Dimension des Lagers erfahrbar; Visualisierung Wegeführung "Aflenz Memorial" © Milica Tomić, le balto, KiöR 2026
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Bildung und Begegnung am Gedenkort Die Gemeinde Wagna unterstützt das Projekt seit Beginn und übernimmt künftig die Pflege und den Unterhalt der Anlage. Das Vermittlungskonzept wird von COOP-EB entwickelt und verbindet Bildungsarbeit mit regionaler Beteiligung. Führungen für Schulklassen, Jugendgruppen und Interessierte werden von geschulten Mauthausen-Guides, organisiert durch das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), durchgeführt.
Ziel ist es, insbesondere junge Menschen und die lokale Bevölkerung in eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte einzubeziehen und nachhaltige Erinnerungs- und Demokratiearbeit zu leisten. Die lokale Erinnerungsarbeit wurde über viele Jahre maßgeblich vom Zeitzeugen und späteren Bürgermeister Franz Trampusch geprägt, der Führungen und eine Ausstellung im Stollenbereich initiierte.
Peter Stradner, Bürgermeister der Gemeinde Wagna: „Ich stehe heute nicht nur als Bürgermeister hier, sondern ich habe eine Doppelfunktion. Ich bin seit über zehn Jahren Mauthausen-Guide und habe irgendwann bei 20.000 Besucher*innen aufgehört zu zählen, die ich durch die Gedenkstätte in Aflenz begleitet habe. Wir mussten die Führungen immer im Römersteinbruch machen – schlichtweg weil es sonst nichts herzuzeigen gab. Ich freue mich umso mehr, dass wir jetzt das Unsichtbare wieder sichtbar machen und Menschen die Möglichkeit geben, die Gräueltaten dieser Zeit vielleicht ein bisschen besser zu verstehen."
Für Individualbesucher*innen werden darüber hinaus mehrsprachige, bebilderte Informationstafeln mit QR-Codes sowie ein barrierefreier Audioguide zur Verfügung stehen, die sowohl die Geschichte des Ortes als auch das künstlerische Konzept des „Aflenz Memorials“ vermitteln.
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Luftbild der Royal Airforce vom KZ-Außenlager in Leibnitz/Aflenz im Jahr 1944
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Kurzinformation: Das Außenlager in Aflenz an der Sulm 1944 errichteten Gefangene des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm ein Außenlager zur Rüstungsproduktion für den in Graz und Thondorf ansässigen Konzern Steyr-Daimler-Puch AG. Ziel war es, die in unterirdische Steinbrüche verlegte Produktion vor Luftangriffen zu schützen. Insgesamt mussten über 900 Männer Zwangsarbeit leisten. Die Häftlinge stammten überwiegend aus der Sowjetunion, Polen, dem Deutschen Reich sowie dem damaligen Jugoslawien, Spanien, Italien und Frankreich. Sie waren extremen Arbeitsbedingungen sowie Misshandlung ausgesetzt. Bis Juli 1944 wurden rund 8.000 m² Stollenfläche ausgebaut. Während des Bestehens des Lagers kamen mindestens 62 Häftlinge ums Leben. Kurz vor der Auflösung wurden zahlreiche Tote in einem Massengrab nahe des Lagers verscharrt, das in der Nachkriegszeit exhumiert wurde.
Den ausführlichen Pressetext, Hintergrundinformationen zum Außenlager Aflenz an der Sulm sowie Bildmaterial finden Sie hier: AFLENZ MEMORIAL
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Aflenz Memorial KZ-Gedenkstätte Aflenz von Milica Tomić Eröffnung: 18. Oktober 2026 www.kioer.at
Ein LEADER-Projekt von ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark) mit KiöR (Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark)
Mit Unterstützung der Gemeinden Wagna und Ehrenhausen, HOLCIM (Österreich) GmbH, des Zukunftsfonds der Republik Österreich, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
Das LEADER-Projekt „Aflenz Memorial – Gedenkstätte Aflenz“ wird mit Mitteln von Bund, Land und Europäischer Union unterstützt: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, WIR leben Land, Land Steiermark und mit Kofinanzierung der Europäischen Union.
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gern zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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