Manuel Gorkiewicz

[erscheint anlässlich der Ausstellung „Manuel Gorkiewicz“, Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Studio, 20.11.2008-18.01.2009] / Hg. Anke Orgel für die Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie. - Graz: Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, 2009. [en.] – 112 S.: zahlr. Ill. ; 30,5 x 21 cm.

ISBN 978-3-902241-39-9

Die Thematisierung künstlerischer Parameter als Kennzeichen der Avantgarde, ihre inhaltlichen und formalen Lösungsvorschläge, liefern Manuel Gorkiewicz Denkanstöße, doch werden die „alten“ Ideen häufig ironisch gebrochen und erhalten einen spielerischen Mehrwert. Gorkiewicz befragt das viel strapazierte „Betriebssystem Kunst“ und ermöglicht ungewöhnliche Perspektiven durch divergierende Antworten. Es wird der Versuch unternommen, die Vorgaben für eine konventionelle Ausstellung mit Bildern im musealen System zu erfüllen. Jene „Bilder“ entsprechen in ihrer Objekthaftigkeit und Ausdehnung in den Raum dem erweiterten Bildbegriff der Avantgarde und betrachten diese doch aus offenkundiger Distanz. Im Rückgriff auf die Assemblage und das museale Präsentationsprinzip mit Schaukästen werden Plexiglasboxen zu Trägern von Dingen des Alltags. Diese Unbeschwertheit des Umgangs mit der Kunstgeschichte aus heutiger Perspektive führt zu Antworten, die über jene immer wiederkehrenden, generell nach wie vor legitimen Fragen nach den existenziellen Rahmenbedingungen von Kunst, nach Authentizität und Qualität, hinauszielen. So greift Gorkiewicz etwa formal auf Bildobjekte der 1960er Jahre zurück und erweitert durch die Verwendung von speziellen Materialien - Parkettbodenholz und Gitarrensaiten - das Aussagepotential der entstandenen Figuren: Sie erinnern formal an Frank Stellas Shaped Canvas und gleichzeitig an Gitarrendesign. Und nicht bloß Schnüre vermessen als minimalistische lineare Skulpturen die Parameter Raum und Zeit, sondern Girlanden, deren Einsatz überdies eine jahrhundertelange Tradition in der Kunstgeschichte hat, verspannen sich zwischen Decke und Boden und verknüpfen damit elementare Funktionen mit individuellen Erfahrungswerten. In einer ähnlichen Vorgehensweise entstand auch eine reich illustrierte Publikation mit Texten von Christian Egger, Anke Orgel und Vera Tollmann, die sich abschnittsweise stilistisch dem klassischen Ausstellungskatalog anzunähern versucht und die gleichzeitig mit der Einbeziehung widersprüchlicher Gestaltungselemente dieses Ansinnen unterminiert, um dadurch den Gesamteindruck zu verändern.

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Manuel Gorkiewicz