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Simon Starling & Superflex

e.g. 4.5 Million Objects plus 1 Egg in the Making, 2011

Im Rahmen von Simon Starling & Superflex. e.g.

Ein abteilungsübergreifendes, pansteirisches, polyphones Projekt unter der Regie von Simon Starling und Superflex, mit Super Eggs von Piet Hein, designt im Licht einer mathematischen Formel von Gabriel Lamé, ausgestellt in einem von Erzherzog Johann von Österreich nach einer elliptischen Epiphanie von Johannes Kepler gegründeten Museum.

Während das Erscheinen des Super Eggs unter den 4,5 Millionen Objekten des Universalmuseums Joanneum Fragen bezüglich der Natur seiner materiellen Existenz aufwirft, da sein fast unmöglich perfekter Spiegelglanz den Eindruck einer ziemlich dematerialisierten, virtuellen oder geisterhaften Präsenz erzeugt, wird die Immaterialität des Eis hier in der Volkskunde, wo die Existenz des Objektes fest in seiner kurzen, aber sehr realen Geschichte innerhalb der Feinmechanik-Kultur der Steiermark verankert ist, direkt herausgefordert. Indem all das Drum und Dran eines konventionellen anthropologischen Exponats verwendet wird und viele der anderswo in der Volkskunde wachgerufenen Rituale nachklingen, wird, da ein Arbeiter bei der mühsamen und scheinbar unbarmherzigen Tätigkeit erwischt wird, das Ei auf magisch immaterielle Perfektion zu polieren, das Super Egg als „im Entstehen“ präsentiert. Je härter er arbeitet und je näher er der Erfüllung seiner Aufgabe kommt, desto weniger sichtbar bleibt sein Schuften. Je klarer seine Reflexion in der verzerrenden Spiegeloberfläche des Eis wird, desto weiter entgleitet er der „virtuellen Realität“ des fertigen Objekts – desto entfremdeter ist er seiner Arbeit und diesem beinahe außerirdischen Objekt.

Simon Starling & Superflex

Während diese Demystifikation des Super Egg, die Neu-Aufführung seiner ausgegliederten Produktion, als selbstreflexive, kritische Geste in Beziehung auf das ganze Projekt verstanden werden könnte, sollte man sie doch auch genereller als Reaktion auf die fundamentale Natur der 4,5 Millionen Objekte starken Sammlung interpretieren, die das Universalmuseum konstituieren. Und wahrlich auch auf genau jene Logik jeder solchen Sammlung, die nun mal auf einer Fähigkeit basiert, Objekte aus dem Mahlstrom der Welt zu nehmen und sie so zusammen zu stellen, dass sie eine höhere Logik repräsentieren. Was passiert, wenn das Museum seine Tore unfertigen Objekten, im Entstehen begriffenen Eiern öffnet? Was, wenn der Mahlstrom der Welt über die Schwelle und in das Museum fegt? Zu welcher komplexen, labyrinthischen Struktur würde das Museum werden, wenn Produktion und Fertigung hereingebeten würden, um die Unantastbarkeit der 4,5 Millionen fertigen Objekte anzufechten?

Design: PIET HEIN © Piet Hein A/S Dänemark
SUPERELLIPSE® Piet Hein A/S Dänemark