Unter die Lupe genommen:
Der Eggenberger Altar
Die Tafeln des spätgotischen Flügelaltars in Schloss Eggenberg zählen zu den kostbarsten Kunstschätzen des Landes. Gotische Tafelbilder sind allerdings außergewöhnlich sensible Kunstwerke, bereits minimale Klimaschwankungen können schwere Schäden hervorrufen, die selbst die aufwendigsten Restaurierungsmethoden nicht wieder herstellen können. Einmal entstandene Sprünge in Holztafeln bleiben verzerrende Fehlstellen in der Malerei. Daher sind fachkundige Beobachtung und rechtzeitige Intervention gerade bei dieser Art von Kunstwerk unabdingbar.
Ziel der im April 2009 vom Atelier Erst Lux durchgeführten Untersuchung am Eggenberger Altar war die Dokumentation möglicher Veränderungen oder Schäden, die seit der Neuaufstellung in der gotischen Kapelle am Kunstwerk entstanden sein könnten. Hierfür wurde ein Verfahren angewandt, das bisher aus Operationssälen bekannt war, die Bildoberfläche wurde mit Hilfe eines head mounted microscope systematisch untersucht. Die Verwendung dieses am Kopf getragenen Mikroskops stammt aus der Chirurgie, wo es beispielsweise als wichtige Sehhilfe bei Gefäßoperationen Verwendung findet. Der große Vorteil dieses Präzisionsgerätes liegt vor allem in der Bewegungsfreit, die das Mikroskop dem Benutzer ermöglicht. Dadurch konnte auch der Eggenberger Altar mit Hilfe eines Plateaugerüsts vor Ort „unter die Lupe genommen“ werden, ohne die sensiblen Tafelbilder transportieren zu müssen.
Die Analyse der Bildoberfläche unter Normal- und Streiflicht wurde gleichzeitig als Videostream am PC mitverfolgt und gesichert. Zur Dokumentation signifikanter Stellen wie Retuschen, Kittungen oder kleine Fehlstellen dienen Makrofotos, die mit Hilfe der eingebauten Videokamera erstellt wurden.
Den Abschluss dieser zweitägigen Untersuchung bildet ein detailliertes Gutachten, das genaue Auskunft über Zustand und Veränderung der Altartafeln seit dem Abschluss der Restaurierung im Jahr 2001 gibt. Zudem dienen die Ergebnisse als Grundlage für das andauernde Monitoring sowie aller zukünftigen konservatorischen Maßnahmen.
An keinem der Tafelbilder konnte ein Schadensprozess beobachtet werden, der auf eine Gefährdung des Eggenberger Altars schließen lässt. Neben Licht- und UV-Schutz ist dieses positive Ergebnis vor allem auf das konstante Raumklima in der Eggenberger Kapelle zurückzuführen. Ein 2001 eingebauter fixer Glasquader ersetzt die Kapellentür und ermöglicht den Besuch ohne ständiges Öffnen und Schließen, sodass die extrem empfindlichen Holztafeln keinen Klimaschwankungen ausgesetzt werden.
Geschichte des Eggenberger Altars
Balthasar Eggenberger erwirbt um 1460 den Orthof auf den Algersdorfer Feldern. In den Folgejahren lässt er das kleine Anwesen als Familiensitz ausbauen, und errichtet im Turm eine Privatkapelle, die neben der Gottesmutter auch dem Heiligenpaar Fabian und Sebastian geweiht ist. Ein römischer Kardinalsablass, datiert mit 30. April 1470, nennt die „Capella Beate Marie Virginis Sita in Castro Eckenperg“ zum ersten Mal. Die Bevorzugung der Gottesmutter, vor allem aber die Wahl der um diese Zeit in der Steiermark unüblichen Heiligen Fabian und Sebastian, die in der Mitteltafel des Altars zusammengeführt sind, können als Beleg gewertet werden, dass auch der Flügelaltar als Stiftung Balthasars für seine neue Kapelle in Auftrag gegeben wurde.
Mit dem Ausbau von Schloss Eggenberg zur fürstlichen Residenz ab 1625 bleibt der spätmittelalterliche Kapellenraum mit dem Altar erhalten. Spätestens im 18. Jahrhundert scheint der Altar zerlegt worden zu sein. Aufbau und Predella gehen verloren. Die Bildtafeln erhalten jedoch als Einzelgemälde reiche Rokokorahmungen und verbleiben in der Kapelle.
Nach dem Aussterben der Familie Eggenberg im 18. Jahrhundert fällt Schloss Eggenberg in den Besitz der Familie Herberstein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts scheint die Familie zusehends mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, weswegen Verkaufsverhandlung um den Eggenberger Altar aufgenommen werden. 1929 waren die Eggenberger Altartafeln schließlich in amerikanischen Privatbesitz verkauft, und die Schlosskapelle hatte ihre kostbare Ausstattung scheinbar endgültig verloren.
Als die Altartafeln 1996 im Kunsthandel auftauchten, eröffnete sich die verloren geglaubte Möglichkeit, die Gemälde wieder nach Eggenberg zurückzuholen. Alle 13 Bildtafeln konnten durch eine Sonderfinanzierung der Steiermärkischen Landesregierung rückgekauft werden. Nach einer umfangreichen Restaurierung befindet sich der Eggenberger Altar seit 2001 wieder in der gotischen Marienkapelle und ist den Besucherinnen und Besuchern jederzeit zugänglich.
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