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Die Restaurierung des Rosenhügels

Der „Berg im Lustgarten“ als gärtnerisches Kunststück

„Eine neue Welt“, wollte Jérôme Herberstein in Eggenberg erschaffen, „...ein vollkommenes, der Mannigfaltigkeit der Natur nachgebildetes Landschafts=Gemälde“ sollte in seinem Auftrag nach 1829 unter den geschickten Händen des jungen schlesischen Obergärtners Franz Matern entstehen. Zum letzten Mal in der Geschichte des Eggenberger Gartens wurde damit sein Aussehen verändert.
 

Rosenhügel

Es entstand der heute noch vorhandene Landschaftsgarten. Herberstein ließ ab 1833 einen künstlichen Hügel errichten, der durch englische Anlagen mit dem neuen Extragarten – dem heutigen Planetengarten - verbunden wurde. Ungeduldig drängte Herberstein aus der Ferne auf die rasche Weiterführung des „Berges“ im Lustgarten, „damit ich mich bei meiner Zurückkunft in Eggenberg (die, wenn der Kaiser und die Kaiserin im nächstkünftigen Frühjahr nach Graz kommen, schon zu Anfang des Maymonats erfolgen wird) von dem Fortgang der neuen Anlage durch Augenschein überzeugen und die Freude haben kann, beiden Majestäten die von mir ausgeführten Veränderungen in dem Eggenberger Garten zu produciren.“  
Zum einen war der Berg als Aussichtspunkt über den neuen Lustgarten geplant. Zum anderen sollte er als „Rosenhügel“ auch ein gärtnerisches Kunststück werden, eine Bühne für die kostbaren Rosen-Neuzüchtungen, die gerade in Frankreich durch Ex-Kaiserin Joséphine zur großen Mode erklärt worden waren. Nach vier Jahren Bauzeit wand sich ein geschwungener Weg durch dichte Flächen von Rosen und Koniferen bis zur Kuppe, wo ein hölzerner Parapluie die Ruhebank beschattete. Der reizvolle Kontrast zwischen dem dunklen „Schwarzholz“ (verschiedenen Nadelgehölzen) und den zarten Rosenblüten war harte Gärtnerarbeit. Die kostbaren und herrlich blühenden neuen Rosensorten, die aus Frankreich geliefert wurden, waren zum Teil in Töpfen gezogen, kamen also nur im Sommer ins Freie und im Winter wieder zurück ins „Rosenhaus“, dessen Wände von Joseph Kuwassegg mit illusionistischen Malereien geschmückt wurden.
Der Rosenhügel blieb für viele Jahrzehnte die größte Attraktion des Eggenberger Gartens. 1855, als der barocke Mauerkranz des Schlossvorplatzes fiel, wurde er sogar noch vergrößert und erweitert. Erst an der Wende zum 20. Jahrhundert gab man diesen pflegeintensiven Bereich auf. Rosen und Parapluie verschwanden scheinbar endgültig.

Der Rosenhügel vor 2008 In den 1960er-Jahren hatte die Mufflonherde des Wildparks hier ihren Unterstand gefunden. Dazu war der Berg mit vielen Steinblöcken und Nadelbäumen in deren heimisches Korsika „verwandelt“ worden. Nach dem Umzug der Mufflons blieb der Hügel als höchst unattraktives dunkles Wäldchen zurück.
 

In Zusammenarbeit mit dem Gartenreferat des Bundesdenkmalamts wurden 2005 die Vorarbeiten für eine Restaurierung des Rosenhügels aufgenommen. Architekt Andreas Zbiral hat die Planung übernommen. Die wenigen bildlichen Quellen waren bald ausgewertet, wiesen jedoch starke Unterschiede und Ungenauigkeiten auf. Archäologische Grabungen erbrachten hier, wo die korsischen Schafe mit ihren Hufen in Jahrzehnten die gesamte Oberfläche des Hügels abgetragen hatten, wenig brauchbare Resultate.  Beste Quelle war die Herberstein´sche Güterkorrespondenz, in der Graf Jérôme aus Schlesien seinen Grazer Gärtnern einschlägige Anweisungen erteilte. Gärtnereikataloge aus der Bauzeit gaben noch Auskunft über die verwendeten und bestellten Rosensorten – wenn viele davon auch längst nicht mehr existieren.    
Die ersten Entwürfe für eine Restaurierung des Rosenhügels wurden einem internationalen Workshop zur Diskussion gestellt, im Zuge dessen auch die Blumen- und Rosenkultur des Biedermeier vorgestellt wurde, um den Eggenberger Parapluieberg als Teil der Gartenkultur seiner Zeit zu verstehen. Dabei wurde auch deutlich, dass zu dieser höchst individuellen Gartenkreation – einer Mischung aus Shrubbery und Rosarium – bislang kein bekanntes Gegenstück existiert.
Nach dem Abschluss der Rodungs- und Erdarbeiten in den Wintermonaten 2007/08 kamen im März die Pflanzen in die Erde und der Eggenberger Park erhielt seinen blühenden Höhepunkt zurück.
 


Rosenhügel, 1841 Die rekonstruierte Wegeführung des Rosenhügels basiert auf einem Vermessungsplan des Jahres 1849. Bei der Gestaltung steht der landschaftliche Aspekt im Vordergrund. Die noch von der Biedermeier-Bepflanzung stammenden, fast 200-jährigen Buchsbäume bilden heute eine perfekte Strauchkulisse gegen den Landschaftsgarten.   Die Auswahl der Rosen sowie der Staudenunterpflanzung der Beetränder beruht auf den noch vorhandenen, 1835 verwendeten Katalogen der Gärtnerei Baumann im Elsass und den Aufzeichnungen des Eggenberger Obergärtners Matern. Soweit sich diese Sorten als noch existent nachweisen ließen, fanden sie jetzt Platz in den acht großen Rosenflächen. Es finden sich also ausschließlich Sorten, die vor 1837 eingeführt wurden, am Fuß des Hügels einige der damals ganz neuen, durch die jüngsten Einkreuzungen der Chinarose schon mehrfach blühenden Sorten. Die Überleitung von Rosen- zu Koniferenflächen bilden komplexe Clumps – von Herberstein als „Gehölzbouquets“ bezeichnet - bei denen Wildrosen über Blütensträucher in die immergrünen Nadelholzflächen überführen. Bei der Bepflanzung wurden auch die Blütenfarben (Hell-Dunkel-Aspekt) und der Blühzeitpunkt berücksichtigt. Die Wuchsform der Rosen (Strauch, Hochstamm, Kaskade, und in Sträucher kletternd) variiert in den verschiedenen Beeten und die Rosen werden durch entsprechende Begleitpflanzen (Stauden, Gehölze sowie Zwiebel- und Knollenpflanzen) unterstützt, die auch die Blühzeiten verlängern. Die Form und Anordnung der Rosenbeete orientiert sich an der Radierung Konrad Kreuzers aus dem Jahr 1840. Auf dieser genauesten Darstellung ist die Verzahnung von Rosen- und kurz geschnittenen Rasenflächen, die bis zum Weg hin reichen, deutlich zu erkennen.


Die Rekonstruktion des Parapluies folgt neben den - ungenauen - bildlichen Quellen auch anderen Vergleichsbeispielen der in dieser Zeit oft verwendeten künstlichen Schattenspender. Als wertvolle Grundlage für das ursprüngliche Aussehen des Parapluies diente Johann Gottfried Grohmanns „Ideenmagazin für die Liebhaber von Gärten, Englischen Anlagen und für Besitzer von  Landgütern, um Gärten und ländliche Gegenden, sowohl mit geringem als auch grossem Geldaufwand nach den originellsten Englischen, Gothischen, Sinesischen Geschmacksmanieren zu verschönern und zu veredeln“. Dieses ab 1797 für einige Jahrzehnte in Leipzig erschienene Gartenmagazin stellt eine populäre Vorlagensammlung für architektonische und dekorative Elemente aller Art dar. Hinzu kamen noch originale Dekorationselemente des ursprünglichen Parapluies - vergoldete Efeuranken aus Zinkguss -, die am Dachboden  des Schlosses überlebt hatten und nun Zeugnis vom großen Aufwand geben, den man diesem Gartenelement zukommen ließ. Am 23. Mai 2008 „schwebte“ der neue Parapluie als krönender Abschluss auf die Kuppe des Rosenhügels.