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Friedrich Gauermann

(1807, Miesenbach, Niederösterreich - 1862, Wien)

Eber, von Wölfen überfallen
1844
Öl/Holz, 96 x 78 cm
R. u.: „F. Gauermann“
1895 Vermächtnis Julie von Benedek
Inv.-Nr. I/497
 

Darstellungen von Wildtieren und der Jagd fanden in der österreichischen Malerei zunächst eine Blüte im Werk Friedrich Gauermanns. Der Künstler holte sich seine Anregungen bei den Niederländern des 17. Jahrhunderts, wo sich Tierdarstellungen und Jagdszenen zu einem eigenständigen Genre entwickelt hatten Die Motive waren von Gauermann ursprünglich nur als Staffage bzw. als Belebung der Naturszenerie gedacht, erst später wurde daraus ein eigenständiger thematischer Komplex. Den Darstellungen ging exaktes Naturstudium voraus. Gauermann besuchte dafür den kaiserlichen Tiergarten in Schönbrunn, weiters besaß er einige Tiere in seinem Miesenbacher Domizil, darunter etwa Rehe, Füchse und Adler. Zudem war Gauermann auch des öfteren Jagdgast des Fürsten Liechtenstein in Pohanska bei Lundenburg und des Erzherzogs Johann. Letzterer fungierte auch als Auftraggeber von Jagdszenen. Charakteristisch für Gauermanns Darstellungen ist unter anderem, daß sich die Szenen in einem von seiner Umgebung abgeschlossenen Raum abspielen. Es ist dann dieser Bereich, der sich in weiterer Folge selbst genügt und die Szene beinahe ausschnittfüllend in den Mittelpunkt setzt. Tierkämpfe und Jagdszenen vermitteln ein ausgesprochen romantisch gefärbtes Naturerlebnis und insbesondere Gauermanns Werke sind außerordentlich dramatisch inszeniert. Hier wirkt noch ein barock-theatralisches Erbe nach, worin Bildinhalte aus einem imaginären Landschaftsraum in eine real empfundene Szenerie transferiert werden. Im Wiedererkennen dieser Natur und der damit verbundenen gesteigerten Glaubhaftigkeit der integrierten Aktion lag für das zeitgenössische Publikum auch der Reiz der Darstellungen. So war das Genre ziemlich erfolgreich und wirkte inspirierend auf nachfolgende Maler.