Die Neue Galerie Graz verlässt das Palais Herberstein
Mit 2. November begann die Schließ- und Übersiedelungsphase der Neuen Galerie. Im Zuge dessen werden die Verwaltung und die Sammlungen des Museums in das neue Sammlungs- und Studienzentrum (Stiefelkönig-Auslieferungshalle, Weinzöttlstraße 16, 8045, Graz-Andritz) umziehen. Nach Abschluss der Bauarbeiten zum Joanneumsviertel wird die Neue Galerie im Museumsgebeäude Neutorgasse 45 wiedereröffnet. Die Studioreihe der Neuen Galerie konnte noch bis Mitte 2010 in ihren angestammten Räumen im Erdgeschoss des Palais Herberstein gezeigt werden. Eine Personale zu Alois Mosbacher lief über den Sommer im Grazer Künstlerhaus, wo auch der diesjährige Kunstpreis des Landes Steiermark im November stattfinden wird.
Währenddessen bereitet sich das Haus auf das Programm ab 2011 vor. Die Eröffnungsausstellungen sind zum einen der Präsentation der Sammlung gewidmet. Die Ausstellung mit dem (vorläufigen) Titel "Moderne: Selbstmord der Kunst?" geht dem Phänomen eines entscheidenden Paradigmenbruches in der Kunst nach: In der bildenden Kunst der radikalen Moderne wurde alles, was zuvor gemalt und repräsentiert wurde, durch ausgestellte Realität ersetzt. Die gestaltete reale Landschaft trat an die Stelle der gemalten Landschaft, anstelle des Portraits wurde der lebende Körper ausgestellt, oder mit den Worten von Günter Brus: „Die Bildfläche wurde zum menschlichen Körper zurückgeführt.“ Die Neue Galerie Graz reflektiert diesen fundamentalen Wechsel von Repräsentation zur Realität mit eigenen Beständen – mit Kunst von 1800 bis zur Gegenwart.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Ausstellung "BRUSEUM - Die Vorstellung einer Sammlung". Als permanente Ausstellungsfläche für das Werk des weltbekannten steirischen Künstlers Günter Brus präsentiert das BRUSEUM einen Rundblick über seinen Sammlungsbestand, der kontinuierlich in alle Richtungen erweitert wird. Darüber hinaus führt dieses Kompetenzzentrum für Günter Brus zahlreiche Archivalien sowie einen großen bibliografischen Bestand lokal und digital zusammen und fördert mit verschiedenen Veranstaltungen den internationalen Diskurs zu Günter Brus.
Abgerundet wird die Eröffnung der Neuen Galerie im Joanneumsviertel durch die Personale zu einem prominenten, international bekannten Kunstschaffenden.
Die folgenden Jahre bringen weitere Highlights, die in engem Zusammenhang mit der Sammlung der Neuen Galerie stehen, so die für 2012 geplante Personale „Wilhelm Thöny (1888–1949)“. Thöny, einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wird neben dieser umfassenden Ausstellung auch mit einem auf dem neuesten Forschungsstand beruhenden Catalogue raisonné gewürdigt. Damit wird nicht zuletzt auch ein seit langem gehegtes Desideratum der Neuen Galerie und der Öffentlichkeit erfüllt.
Die Sonderausstellung „Die globale Kunstwelt. Eine kritische Bestandsaufnahme“ (kuratiert von Hans Belting u. Peter Weibel, eine Kooperation mit dem ZKM Karlsruhe) behandelt die Globalisierung als das wichtigste Phänomen der zeitgenössischen Kunstgeschichte. Biennalen und andere richtungsweisende Ausstellungen lösten die globale Wende in der Kunstszene aus, als 1989 der freie Handel die Restriktionen des Kalten Krieges beendete. In vielen Ländern wurde die zeitgenössische Kunst zu einem Wirtschaftsfaktor, der riesige Kulturdistrikte mit Museen und Kunstmessen beinhaltet. Die Ausstellung „Die globale Kunstwelt. Eine kritische Bestandsaufnahme“ (Arbeitstitel) repräsentiert einen ersten Versuch, die gegensätzlichen Szenarien der heutigen Kunstwelt zu dokumentieren. Sie macht die Ergebnisse des Forschungsprojekts „GAM – Global Art and the Museum“ (www.globalartmuseum.de), das von Peter Weibel und Hans Belting 2006 am ZKM | Karlsruhe initiiert wurde, sichtbar.



