Objekt
I
Für die Psychoanalyse ist das Objekt, an dem der Trieb sein Ziel der Befriedigung zu erreichen sucht, nicht fest mit ihm verbunden, sondern nur lose und austauschbar mit ihm verknüpft. Die Genese der Objekte (immer nur mythologisch zu erfassen) schreibt sich ein in einen ursprünglichen Verlust: in die Trennung vom fötalen Versorgungsorganismus.
Was so dem kleinen Menschen zum Objekt wird, an dem es Befriedigung sucht, steht ein für etwas, das früher zu ihm gehörte: für einen verlorengegangenen Teil seiner selbst. Daher ist immer ein Stück Identifizierung mit dem Objekt im Spiel, was die kontroverse Diskussion von Subjekt-Objektbeziehung, von internen Objekten, guten und bösen, Partialobjekten und gar genitalen Objekten so kompliziert und schwer verständlich macht.
Ein Beitrag zur Lösung dieses Problems ist zu finden in Stasiakten, wo es immer wieder heißt: „ab soundsoviel Uhr Ruhe im Objekt“. Diese schließlich gefundene Ruhe währt ein paar Stunden, dann setzt die Bewegung (der nie zu stillende Trieb) wieder ein. Ob ein Objekt das „richtige“ oder das „falsche“ ist, spielt keine Rolle, solange es ab und zu etwas Ruhe schenkt, ein wenig Befriedigung.
II
Artefakte sind, so wird man Hegel verstehen dürfen, Konserven vergangenen Lebens darum, weil sich in ihnen Ideen, Interessen und Hoffnungen inmateriell-dinghafter Form verobjektiviert haben - bis hin in die "Granulation, Farbe und Mattheit". Die Dinge werden vom Menschen gesehen und begriffen als, so schreibt Hegel, "ein Anderes, das doch für ihn sein soll und worin er sich selbst, Gedanken, Vernunft, wieder zu finden strebt". Dinge sind dem Menschen vertraut und fremd zugleich.
aus: Gottfried Korff: Paradigmenwechsel im Museum? Überlegungen aus Anlass des 20jährigen Bestehens des Werkbund-Archivs, vorgetragen am 27. Mai 1993 im Martin-Gropius-Bau
siehe auch Ersatzbefriedigung Fetisch Grabbeigabe Lustobjekt Mystery Objects Theoretische Objekte Übergangsobjekt


