Nationalmuseum
I
Die Summe der kollektiven Bedeutungen der Dinge soll also die Nationalgeschichte ergeben. Zweifellos ist diese Materie gefährlich; aus dem Zusammenhang kann eine Logik entstehen, die im besten Falle eine künstliche Logik, im schlimmsten eine Scheinlogik ist. Die Geschichte erscheint als eine „nicht zufällige“ Abfolge, die Aufreihung der Gegenstande ergibt ex post eine Sinngebung. Die Geschichte erhebt sich aus dem verworrenen Handeln der Menschen und wird zur logischen Geschichte, zur Heilsgeschichte, wobei dann angenommen wird, der gegenwärtige Zustand sei das Heil. Diese Logik ist die Logik des „ Spiegels“: Der „Spiegel“ ist diejenige Zeitschrift, die dem gegenwärtigen Geschehen den Sinn des „Nicht-Zufälligen“ gibt. Nicht zufällig hat Barschel schon vor zehn Jahren. . ., nicht zufällig hat Kohl schon wahrend des Studiums..., nicht zufällig haben die Russen seinerzeit . . . die vom „Spiegel“ produzierte Scheinlogik der Gegenwart ist dieselbe, mit der durch eine Aufreihung von Objekten Geschichte hergestellt wird. Gegenstande neigen nur allzu leicht dazu, eine solche Logik zu erzeugen. Ein schönes Beispiel sind die Pfahlbauer. Sie waren einst der Stolz der Schweizerischen Nationalgeschichte, und es gab kein Schulhaus, in welchem nicht die Bilder vom Alltagsleben der Pfahlbauer hingen: Die Mutter sitzt auf den Brettern vor der Hütte und schaut über den See, ob der Mann schon vom Fischen heimkehrt; die Männer schleppen den erlegten Baren zum Schiff, voller Vorfreude auf die Begrüßung im Pfahlbauerdorf. Die Pfahlbauer waren so schon wie logisch, und als in den dreißiger Jahren deutsche Gelehrte erstmals publizierten, daß es die Pfahlbauer gar nicht gab, führte dies sogar zu diplomatischen Verwicklungen mit der Eidgenossenschaft. Deutlich spurten die Schweizer, daß sich hier die kulturelle Eroberung und Vernichtung ihres Landes vorbereitet: nicht zufällig kam damals auch Hitler zur Macht...
Lucius Burckhardt: Wie kommt der Müll ins Museum?
II
Three themes, many stories. The National Museum focuses on three themes - Aboriginal and Torres Strait Islander cultures and history, people’s interaction with the environment and Australian history and society. These themes are distinct and yet integrated. Through these themes, the Museum tells the stories of our nation, not as a list of simple unrelated events but as overlapping aspects of our heritage, our contemporary lives, and our aspirations for the future. These stories provide essential clues to the many answers to the question: who are we? and what does it mean to be an Australian?
Aus dem Vision statement des National Museum of Australia.
III
„The national Museum (of Mexiko; GF) between 1825 and 1925 was not merely a hollow concept or an abstract cultural symbol of the nation. It was, in fact, a collection of ‘events in movement’ - wars, struggles, revolutions, military invasions, and political disorder - that were transformed into symbols and displayed as images. The exhibition halls served as kinds of ‘historigraphic canvases’ or ‘social scenery from the political imagination’.“
Luis Gerardo Morales-Moreno: History and Patriotism in the National Museum of Mexico, in: Kaplan Flora E. S. (ed.): Museums and the Making of „Ourselves“. The Role of Objects in National Identity. London and New York 1994, S.171ff. hier S.183f.


