Führung: was daran ist pädagogisch?
Eine Führung zieht ihr Publikum mit, solange sie zu motivieren versteht. Ausdrückliches Lernleistungsverlangen steht meist auf einem anderen Blatt.
Was nicht bedeutet, dass da nicht vieles auf einmal gelernt werden könnte.
Ausstellung und Führung können gleichermaßen Aspekte der Didaktik, der Themenaufbereitung, der methodischen Anleitung, der Motivation zu Themen und Wahrnehmungen aufweisen; eine Ausstellung tut dies vielteilig und ans präsentierte Medium gebunden und fixiert, die Führung stärker vermittelt, dafür offener anwendbar und nachbesserbar. Ausstellung und Führung liegen dabei gar nicht so weit auseinander. Beide werden in ähnlichem Masse Einstellungs- Handlungs- und Denkdispositionen nach sich ziehen. Das lässt erwarten, dass sich beide Medien auch nur graduell unterschiedlich auf pädagogische Konzepte beziehen lassen.
Und dafür ist wichtig, dass einige andere Mittel, welche geschlossen-pädagogische Vorgänge meist aufweisen - Übung, Wiederholung, aufbauendes Vertiefen, absichtliche Redundanz, verallgemeinernde Vereinfachung - eher wenig angewendet werden oder ganz fehlen und weder einer Ausstellung noch einer Führung auf allverträgliche Weise integrierbar wären. Museum und Ausstellung eröffnen relativ enge spezialistische Fachfelder mit starken Untergliederungen, ihre Taxonomien sind für allgemeinpädagogische Bezüge oft nur punktuell von Interesse, das andere aber ist nicht unsichtbar zu machen und lenkt ab. An Ausstellungen kann man leicht aus der Interessensicht eines bestimmten Themas ein motivationsproblematisches "zu viel" oder "zu ungenau zum Thema stehend", manchmal auch ein "nicht gut erreichbar, zu wenig aufgeschlossen oder aufschließbar" wahrnehmen. Etwas, worüber sich eine geführte Besichtigung, die an einem Ausschnitt tatsächlich repräsentierter Teilaspekte interessiert ist, bedingt noch hinwegsetzen kann. Aber gerade in der Themenarbeit liegen auch Stärken bei der Förderung interdisziplinärer Betrachtung in der Nähe.
Ausstellungen können aus Schulsicht etwa nicht nur Zumutungen enthalten, sondern auch insgesamt eine Zumutung sein. Führungen könnten sich dann auf das Erreichte anders einstellen und Medienfremdheit zu einem gewissen Grad kompensieren.
Häufiger in einer Führung kann plötzlicher Spannungsabfall bei Störungen auftreten. Konzentration scheint oft nur durch zunehmende, vielleicht übertreibende Erzählspannung wieder erreichbar.
Frank Jürgensen
F
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