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Führung

Glossar_Führung Museumsführung ist ein spezialisiertes literarisches Erklärungsmedium und gehört zur musealen Sammlungspräsentation.

Im Öffentlich gewordenen Museum ist es von ständig verfügbaren Informationsmitteln an den Rand verdrängt worden. Viele Museumsinstitutionen haben es aber in abgewandelter Form beibehalten. Nun ist es eine auf Wunsch einsetzbare, von den Aufgaben her weiter entwickelbare zusätzliche Interpretationsgabe und dient einem besseren Ausstellungsverständnis und der Reflexion.

In der Zeigestruktur einer in der Sammlungsöffentlichkeit stattfindenden Führung mit charakteristischen Wechseln des Bildbezugs, thematischen Einschnitten und Übergängen zeigen sich laufend Entsprechungen zur formalen Erzählweise des Ausstellens. Eine Führung eignet sich deshalb besonders, szenische und sprachliche Eigenschaften einer Ausstellung heraufzuholen, sie auch formal zu repräsentieren, sie nachzuzeichnen und dabei angelegte Konsequenzen zu nutzen, aber ebenso auch Kritik zu üben. Den Erfahrungen von Einzelbesuchern einer Ausstellung bleibt das Führungserleben prinzipiell vergleichbar.

Führungsreferentinnen und -referenten sind auch 'Gesicht' einer Einrichtung. In den modernen anonymisierten, aber nach wie vor hand- und kopfpraktisch bewerkstelligten, tückischen mehrkanaligen Ausstellungsarrangements eines Museums können sie zwischen Publikum und Museumsfachkräften aktuelle Rückmeldung einfangen und Verstehensprobleme aufdecken. Die Wirkung von Museumsbesuchen kann durch eine gelungene Führung nachhaltiger werden und sich verbinden mit personalen Einsichten, Überzeugungen, gesteigertem Erleben und verstärktem Erinnern.

Eine Führung kann museale Strukturen und die Bewandtnis der Präsentationen verdeutlichen und reflektieren. Sie begleitet die Themen- und Medienbildungen eines Museums - meist aus einiger Distanz - und deutet sie aus. Sie erläutert, stellt dar und interpretiert; sie bemüht sich darum, museale Themenaufarbeitungen einerseits auf Besucherinteressen, andererseits auf normative Bildungsbezüge zu beziehen. In ihrer entwickelten Form setzt sie auch auf darbietungsanalytische Gesprächsbezüge und die Verallgemeinerung solcher Aufmerksamkeiten, wie sie sich in der engeren Museumsgemeinschaft entwickeln, dazu auf rekursiv gesteigerte Kulturbetrachtung als eines von der Institution her verfügten Mittels.

Die Nutzbarkeit des museumspädagogischen Führungsbetriebs wird hauptsächlich hin zu einem erweiterten zielgruppenspezfisch oder interessenspezifisch zugespitzten thematischen Darstellungsgebrauch gesehen. Seiner Beihilfe versichert man sich über einen besonderen Angang - die Führungsbuchung entsprechend einem Angebotsprogramm oder einer beantworteten Themen- oder Methodenwunsch-Anfrage.

Ein weiteres medien-modellierendes Motiv kann mit der Entfaltung der Potentiale einer Führungsorganisation an Bedeutung zunehmen.

Diese Form institutionsbezogener Kulturreflexion erlaubt es, Teilnehmenden den Zugang zu und die Verbindung mit dem besonderen Personenkreis der Museumsgebildeten, ihren Denk- und Veranschaulichungsweisen herzustellen und die gesamte Museumsdarbietung personbezogener zu sehen.

Nicht nur die persönliche Begegnung und das Gespräch mit den Literati des Museums zählen dabei. Die Führungsdarbietung selbst ist zugleich eine Möglichkeit, die Museumskonstellation der Anschauung von Fertigprodukten zu verwandeln und ansatzweise aufzulösen und die diskursiven Gelegenheiten - dass es sie gibt, kann ja auch zu den Ansprüchen einer Einrichtung gehören - mit der Ausstellung wieder zu verbinden und an die Ansprache der Ausstellung aktueller anzuschliessen.

So wird auch vielerorts die sinnfällige Gelegenheit von Museums- und Ausstellungsverantwortlichen genutzt, sich auf der eingerichteten Aufführungsbühne einer Museumsschau mit niedergelegter Argumentation sinnfällig sich zu verdeutlichen.

Die Referenten haben die Aufgabe, sich mit ihrem Vorhaben Besucher-Perspektiven zuzuwenden und Optionen der Ausstellung nach Kräften zu nutzen. Aufführungstechnisch stehen Führungen mit ihren Wiederaufnahmen und Verknüpfungen von Kommentar, bildlich-textlich geprägter Medienaufnahme am Ort und der Rücksicht auf bedeutungsorganisierte Topografik unvermutet nahe bei der musealen Präsentationstechnologie.

Aus Beobachtung, Selbstbeobachtung, literarischer Ausarbeitung und Initiative, aus Reaktivität erlaubenden Repertoires und analytisch - reflektorischer Haltung zum Museumsangebot, aus direkter Ansprache des Publikumsausschnitts und aus dem Vermögen eigener thematischer Weiterbearbeitung museumsinteressanter Gesichtspunkte werden Themenbearbeitungen hervorgebracht; auch aus dem Vermögen heraus, Themen selbst zu bilden und zu bearbeiten, schließlich aus dem Vermögen aufmerksam mit dem Publikum zu verfahren entwickelt eine Führung ihre besonderen auch das Museum interessierenden Potentiale.

Denn von Teilnehmenden kann positiv vermerkt werden: die persönliche Ansprache, das Anerkennen bewältigter Zeigethematiken (deiktische Kompetenz), der dynamische, ungleichgültige und sympathetische Zugriff auf Problemfelder, die Ereigniserinnerbarkeit, die tendenziell familiären Umstände einer Führung und die von der Führung selbst vorbereitete Weitererzählbarkeit des musealen Angebots. Dazu kommt die Einladung zum erleichterten wiederholten Ausstellungsbesuch unter wechselnden Themen. Alles überlegenswerte Qualitäten; sie sind für ein Museum, das sich seiner Besucherschaft versichern wollte, von Belang.

Frank Jürgensen

siehe auch Auskunft, Erklärung und Überblick Führung:Modell Zerberus Kunstvermittlung Museumspädagogik