Weiter zum Inhalt






Ding; Dingwelt

Die fremdesten Dinge kommen durch Einen Ort, Eine Zeit, Eine seltsame Ähnlichkeit, einen Irrthum, irgend einen Zufall zusammen. So entstehn wunderliche Einheiten und eigenthümliche Verknüpfungen - und Eins erinnert an alles - wird das Zeichen Vieler und wird selbst von vielen bezeichnet und herbeygerufen.

Novalis: Schriften, hrsg. v. Peter Kluckhorn und Richard Samuel, 2. Auflage in vier Bd., Stuttgart 1968, S.650. Zit.n. Martin Zeiller: Joseph Beuys: Wirtschaftswerte (1980), in: Gerhard Theewen: Exhibition Praesentation. Köln 1996, S.11

Kinder nämlich sind auf besondere Art geneigt, jedwede Arbeitsstätte aufzusuchen, wo sichtbare Betätigung an den Dingen vor sich geht. Unwiderstehlich fühlen sie sich vom Abfall angezogen, der sei es beim Bauen, bei Garten- oder Tischlerarbeit, beim Schneidern oder wo sonst immer entsteht. In diesen Abfallprodukten erkennen sie das Gesicht, das die Dingwelt gerade ihnen, ihnen allein zukehrt. Mit diesen bilden sie die Werke von Erwachsenen nicht sowohl nach als sie diese Rest- und Abfallstoffe in eine sprunghafte neue Beziehung zueinander setzen. Kinder bilden sich damit ihre Dingwelt, eine kleine in der großen, selbst. Ein solches Abfallprodukt ist das Märchen, das gewaltigste vielleicht, das im geistigen Leben der Menschheit sich findet: Abfall im Entstehungs- und Verfallsprozeß der Sage.

Walter Benjamin: Rezension zu Karl Hobrecker: Alte vergessene Kinderbücher, in: ders.: Gesammelte Schriften Bd.III. Hrsg. v. Hella Tiedemann-Bartels. Frankfurt 1972, S.12-22

siehe auch Asservat Exponat Fetisch Lustobjekt Objekt Reliquie Überrest Übergangsobjekt
Utensil