Ausstellung: Etymologie
Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet "Ausstellung" und das dem Wort verwandte Vokabular eine beunruhigende Mannigfaltigkeit von Ausstellungstätigkeiten, die sich nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Außerdem rechtfertigt und begünstigt die Vielschichtigkeit des Begriffs in einigen Sprachen sogar die Doppeldeutigkeit, die auf das Phänomen rückwirkt.
Eine vergleichende etymologische Analyse der verbalen Bandbreite und Uneinheitlichkeit in diesen Sprachen würde sich als besonders lehrreich für das Verständnis des Phänomens und vor allem der verschiedenen Bedeutungsfelder (also der unterschiedlichen Konzeption und Perzeption) der entsprechenden Substantiva und Verba erweisen, wie es in solchen inhomogenen Reihen der Fall ist: "mostra", "esposizione", "fiera", "allestimento", "exhibition", "display", "fair trade show", "exhibition design", "exposition", "foire", "accrochage", "arrangement", "Ausstellung", "Messe", "Ausstellungsgestaltung".
Im Vertrauen auf das linguistische Interesse der Forschung erhoffen wir eine Vertiefung dieses Ansatzes, es scheint jedoch angebracht, in diesem Zusammenhang wenigstens einige Grundzüge dieses genealogischen Problems zu skizzieren, das für das Verständnis der Materie nicht unbedeutend ist, denn in dem Maße, als man sie durch die Verwendung in den verschiedenen Sprachen zum Leben erweckt, handelt man durch die Worte: verba imago animi.
Wer bereit ist, dem den Wörtern innewohnenden Klang zu lauschen, wird es verstehen, beispielsweise die klaren Wortverwandtschaften des italienischen mostra (Ausstellung) zu erkennen, die durch eine außergewöhnlich starke etymologische Vorbedeutung - sie werden von den monstra (Monstern) hergeleitet - verstärkt werden. Bezeichnenderweise klingt auch in dem Ausdruck für Messe oder Jahrmarkt fiera die Bedeutung "wildes Tier" mit, sodaß keineswegs bloß oberflächliche Analogien mit den monströsen, zur Warnung geschaffenen Bestien der Antike bestehen. Fiera (Messe oder Jahrmarkt), aus dem Lateinischen fera, weibliche Form von ferus (wild), "fiero" ist die adjektivische Form des Ursprungswortes fer, das sich von dem Stamm GHWER aus dem baltischen und slawischen sowie aus dem griechischen Raum herleitet, wo die Wortwurzel téras, tératos, lateinisch monstrum, lautete. Das Wort, das hier von Interesse ist, hat dieselbe Schreibweise und denselben Klang, es heißt immer noch fiera, von der vulgärlateinischen Form fiera, per Metathese vom Spätlateinischen feria, im klassischen Latein feriae, feriarum (Ruhetage, Feiertage): aus dem alten Ausdruck fesiae, verbunden mit festus, das durch das weibliche Adjektiv von dies substantiviert wurde, entstand das italienische Wort la festa (Feiertag, für die Franzosen sind das die jours fériés).
Diese etymologische Skizze könnte mit nützlichen und erbaulichen Ergebnissen rund ums fruchtbare Netz erweitert werden, das Signifikate und Signifikanten mit leichten Sinn- und Bedeutungsverschiebungen im Laufe der Zeit verknüpft und so im Französischen foire (Messe oder Jahrmarkt) ebenso wie feerie (Feenzauber) oder im Englischen fair und fairy und auch fane geschaffen hat, wobei klar ist, daß uns das deutsche Wort Mustermesse wieder an den Ausgangspunkt dieser Abhandlung, zu "mostrare", zurückkehren würde. Nach dem Aufzeigen der großen Zahl der Verzweigungen bereits im Namen dieses Phänomens des Ausstellens, das historisch gesehen eine Form der Gestaltung zeitlich begrenzter Warenausstellungen ist, läßt sich folgendes sagen: im Italienischen gibt es sehr wohl Bezüge zum geselligen, profanen Fest, das in dem Stammwort dieses Anlasses für das periodische Ausstellen sowie den Tausch von Waren in der Antike an eigens dafür bestimmten Orten wurzelt, und das wir heute noch als fiera, Messe oder Jahrmarkt bezeichnen.
Aus rituellen Gründen ist festa vielleicht mit feralis, sicher aber mit profanus wortverwandt: offensichtlich ist die Verbindung beider Wörter zu fanum, Tempel (pro fano, "vor dem Tempel", generiert profanus) ausgehend von einem fas nom, einem Ausdruck, der nur auf dem Gebiet des heutigen Italien verstanden wurde, verbunden mit fas,"göttliches Recht", das dann zu fatum, "das, was angekündigt worden ist", aus der Wortfamilie fari, "sprechen", wird, dessen Wurzel BHA mit dem griechischen Wort phemi identisch und auf germanischem, slawischem und armenischem Gebiet belegt ist.
Aus: Sergio Polano: Über das Ausstellen. In: Erber-Groiß, Heinisch, Ehalt, Konrad (Hrsg): Kult und Kultur des Ausstellens. Wien 1992, S.82-84
A
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