Weiter zum Inhalt






Aufseher

Museum Guard 1975
Museum Guard 1975
Die Hauptargumente gegen die Ausbildung der Museumswärter, dagegen, dass das Museum seinen Bildungsauftrag im eigenen Hause beginnt, lauten: Der Mensch ist unglücklich, wenn er mehr kann, als wofür er bezahlt wird. Man unterhöhlt sein berufliches Selbstbewußtsein, wenn man ihn mit einem Eingeweihtenwissen vertraut macht, das einem höheren Berufsstatus entspricht.

Wenn der Museumswärter weiß, was er bewacht, dann vernachlässigt er das, wofür er bestellt ist: aufzupassen. Ein Wärter, der ein Interesse für die Objekte entwickelte, die er bewacht, könnte zu der Einsicht kommen, daß das bewachte Kunstwerk eines der prekärsten Ergebnisse der Kunstgeschichte ist. Ob solcher Einsicht wäre er schwer relegierbar.

Ein ausgebildeter Museumswärter wäre für die Besucher eher eine Belästigung als eine Hilfe. Die Besucher sollten ihre Ruhe haben zur tiefen, stillen, ungestörten Versenkung. Der Wärter soll nicht danebenstehen und unruhig auf die Sekunde warten, da er sein Wissen loswerden kann. Wenn schon nicht zu vermeiden ist, daß Wärter gelegentlich Preise und Werte, Anekdoten und Zoten verfügbar haben, dann soll doch eine fundiertere Kenntnis nicht unkontrolliert ein Informationsmonopol usurpieren, das den Wissenschaftlern von oben gehört. Die Argumente sind spezifische Varianten der in der Gesamtgesellschaft praktizierten Herrschaft.

Fred Wilson: Guarded Views 1991
Fred Wilson: Guarded Views 1991
Der geniale Bode hat das System eingeführt, die Wärter in Angestellte und Beamte zu teilen, womit ein außerordentlich wirksames Wachverfahren eingerichtet war, da die beiden Gruppen, die sich spinnefeind sind, sich gegenseitig erbarmungslos überwachen. Eine etwas unkundige Meinung will wissen, daß die Klasse der Ausgebeuteten von den Museen ausgeschlossen ist. Doch ihre Vertreter, darunter Rentner und Invalide, sind dort uniformiert eingeschlossen. Es gibt nur eine Klasse, die in den Museumssälen mit permanenter Präsenzpflicht vertreten ist. Es sind die meistgefragten Leute des Museums.

Martin Warnke: Museumsfragen