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Animation

Europäischer Aberglaube nimmt an, Naturvölker seien so naiv, Steine, Hölzer und anderes banales Material für beseelt zu halten (Anima = lat. Seele, animistisch = beseelt). Wer sich ein solches Objekt auf den Leib holt, wolle sich in die Verfügungsgewalt der guten Geister gegen die bösen begeben. Diese europäische Naivität spiegelt sich auch in der Auffassung, böse Geister, ja der Teufel, könnten von einem Menschen Besitz nehmen.
Seit der Renaissance bemühen sich Künstler, die gestalterischen Verlebendiger toten Steins und stumpfer Erden, um Aufklärung des Aberglaubens. Pisanello führte die Berufsbezeichnung Zoographos für Künstler ein. Der Anspruch, Leben zu schaffen wie der christliche Schöpfergott oder Leben zu gebären wie die Mütter, war nicht so skandalträchtig gemeint wie er verstanden wurde. Pisanello entdeckte, daß durch die gestalteten Werke die Betrachter, die Zuschauer, die Zuhörer, die Leser beseelt werden, nämlich enthusiasmiert oder erschreckt, triumphal gestärkt oder von bösen Gedanken gepeinigt.
Also: Der Künstler beseelt denjenigen, der mit Kunstwerken, gestalteten Objekten, Texten, Musiken, umgeht. Und diese Auffassung ist ja kein Sakrileg, sondern das Gegenteil der primitiven Annahme, die beseelende Kraft stecke in den toten Objekten selber.
So wie sich das Souvenir nicht selber erinnert, sondern Erinnerung anregt, bringen Amulette und Talismane nicht Teufel oder Tugend auf den Leib, sondern animieren den Träger. Animation ist heute Mittelpunkt jeder Vermittlung zwischen Menschen, die über Objekte (incl. sprachlicher Vergegenständlichung) läuft: Als filmische Animation und als kulturtouristische Animation. Bazon Brock führte 1959 die Berufsbezeichnung Animateur/Animator in die Kulturberufe ein.