Die Textilsammlung
Rund 6.100 Textilien begründen den umfangreichsten Bestand der Kulturhistorischen Sammlung. Das Spektrum reicht von Geweben, Stickereien, Spitzen, Posamentrieteilen, Mustertüchern, Teppichen, Wandbespannungen, Decken und Tischwäsche über kirchliche Textilien, Damen-, Herren und Kindermode bis hin zu Accessoires. Bereits in den Jahren von 1884 bis zur Eröffnung des Kulturhistorischen und Kunstgewerbemuseums 1895 wurde mit ca. 200 Objekten aus der Sammlung Franz Bock der Grundstock der textilen Sammlung gelegt. Es sind vor allem Muster unterschiedlicher Gewebe- und Spitzenarten sowie Fragmente verschiedener textiler Techniken.
Einen Schwerpunkt bilden ca. 750 Kostüme, die alle Stilepochen vom 16. Jahrhundert bis heute vertreten: von einem Herrenwams Graf Friedrichs von Stubenberg, um 1570 entstanden, bis zu einem Kleid, das Karl Lagerfeld 2004 für die Modekette H & M kreierte. Als Ergänzung dazu wurden ca. 1.600 Accessoires gesammelt.
Haarnetz, um 1570
Grabfund, Frauenburg bei Unzmarkt, Steiermark. Aus dem Besitz der Familie Stubenberg, Geknüpftes Netz aus Metallfäden, abschließendes Seidenband mit Goldrosetten und Granatperlen.
12. Jahrhundert brachten die Kreuzfahrer das Haarnetz nach Europa, wo es sich rasch verbreitete und in großer Vielfalt Verwendung fand. Im 15. Jahrhundert begann die Dame das Haar bis auf einen kleinen Schleier oder ein Netz unbedeckt zu lassen. Das Haarnetz wurde zu einem kostbaren, modischen Accessoire. Im 16. Jahrhundert, im Zeichen der Gegenreformation, machte sich auch in der Mode eine Abkehr von allem Diesseitigen bemerkbar – Lebensfreude wandelte sich in Askese. Mit Schwarz als vorherrschender Farbe herrschte die neue Mode der spanischen Hoftracht auch am Wiener Hof der Habsburger vor.
Zu Stehkragen und Spitzenkrause wurde das lange Haar in der Mitte gescheitelt, aus der Stirn seitlich nach hinten frisiert und mit dem Haarnetz zu einer Rolle oder einem Knoten gefasst. Das aus Goldfäden geknüpfte Netz war bisweilen mit Perlen und Edelsteinen prächtig geschmückt.



