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Nasan Tur

Der unbekannte Ritter

Ein Projekt des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark gemeinsam mit dem Universalmuseum Joanneum/Abteilung Landeszeughaus und CLIO-Verein für Geschichte
Präsentation des Projekts sowie der Publikation: 01.09.2011, 17 Uhr, Landeszeughaus

 

Graz als „Bollwerk gegen den (Süd)-Osten“, die Türken als „historisches“ Feindbild – unreflektiert wiederholt oder gezielt eingesetzt, wirken Stereotypen wie diese bis in die Gegenwart. Nasan Tur fordert mit dem Siegerprojekt eines internationalen Wettbewerbs des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark das kollektive Gedächtnis heraus. Im Gegensatz zu der traditionellen historischen Methodologie, die auf „reinen Fakten“ besteht, sind sich zeitgenössische Historiker/innen bewusst, dass „soziale Ereignisse eher ,Konstruktionen‘ sind als isomorphe Darstellungen mit einem ,objektiven‘ Realitätsanteil“ (Janet Abu-Lughold, On the Remaking of History: How to Reinvent the Past, 1989).

Der Tatsache, dass diese „neue“ Vergangenheit erst erfunden werden muss, trägt der deutsch-türkische Künstler insofern Rechnung, dass er einen Workshop mit Grazer Kindern in sein Projekt integriert, in dem neue Mythen, Legenden und Geschichten über den „Unbekannten Ritter“ erfunden werden. Der „Ritter” ist ein Projekt, das sich auf den historischen Kontext von Graz (Landeszeughaus) bezieht, den Tur auf verschiedenen Ebenen ins Spiel bringt. Auf einer ideologischen Ebene stellt er männliche Tapferkeit, Militarismus und implizit Patriotismus in Frage, indem er zwei Figuren des fiktiven „Unbekannten Ritters“ (eine davon als „Denkmal“ in der Griesgasse, die andere als eine Art „Fassadenskulptur“ am Dach des Zeughauses) installiert.

Installationsansicht Zeughaus

 „Der Unbekannte Ritter“ liegt entspannt am Dach des Landeszeughauses, in der Herrengasse gibt ein Betonsockel Auskunft über seine Geschichte. In der Griesgasse findet sich eine Bronzestatue, die ihn in Lebensgröße zeigt, gänzlich unzureichend „gerüstet“ mit Helm, Schwert, Brustpanzer und Schild – Abgüsse der Spielzeug-Rüstungen, die im Landeszeughaus verkauft werden. Am Schlossberg, hoch über der Stadt, erinnert weiteres Denkmal an den „Unbekannten Ritter“. Er scheint sich seiner Waffen entledigt zu haben, die hier in Bronze gegossen für die „historische“ Figur Zeugnis ablegen.


Für seine Interventionen im öffentlichen Raum greift Tur bewusst auf das traditionelle Bronzedenkmal zurück, um es mit formalen und inhaltlichen Brüchen auszustatten: Der „Unbekannte Ritter“ - der Künstler selbst - zeigt sich als unzulänglich gerüstete, verletzliche und antiheroische Figur, die sich gängigen Narrativen entzieht. Auf der visuellen Ebene spielt Tur mit den Ausstellungsobjekten im Landeszeughaus (die eine weltbekannte Touristenattraktion sind) und nützt in diesem Projekt auch eine übliche zeitgemäße Vertriebs-Schiene von Kunstinstitutionen, nämlich den Museum-Shop, in dem Postkarten sowie Bilderbücher, welche die von den Kindern neu formulierten Legenden illustrieren, zum Verkauf gelangen. Sie sollen die Kunde vom „Unbekannten Ritter“ in die Welt tragen und in der Folge weitere Legenden anregen.

Gruppenbild

Sponsoren der Präsentation