Zur Geschichte des Landeszeughauses
Das Landeszeughaus ist noch heute an seinem angestammten Platz und beherbergt einen Bestand von 32 000 Einzelstücken, der im Laufe von drei Jahrhunderten gewachsen ist.
Die Notwendigkeit der Verteidigung des Grenzlandes führte in der Steiermark im Laufe des 15. und 17. Jahrhunderts zur Entstehung des heutigen Landeszeughauses. Als Grenzland war die Steiermark von ständigen Einfällen bedroht, seit dem 15. Jahrhundert vor allem durch die Osmanen, die besonders gefürchtet waren: einerseits aufgrund der Idee des Glaubenskampfes, der Islam schreibt die Verteidigung des Glaubens durch das Schwert vor, andererseits aufgrund des ihnen vorauseilenden Rufes, besonders aggressiv und beutegierig zu sein. Tatsächlich bestritt die Mehrzahl der Kämpfer ihren Lebensunterhalt durch Raub und Verkauf von Gefangenen am Sklavenmarkt.
Die Verantwortlichen des Landes, die sogenannten Landstände, waren bemüht, die Verteidigung durch Steuereinnahmen auf eine gesicherte Basis zu stellen: 1480 wurde in Graz eine neue Form der Besteuerung für die Grundherren des Landes beschlossen, die zugleich auch die Truppenaushebung regeln sollte. In diesen Jahren dürften die Anfänge eines landständischen Waffendepots anzunehmen sein, auch wenn darüber keine konkreten Nachrichten vorliegen.
Aus dem Jahr 1557 liegt das älteste erhaltene Inventar vor, das bereits 19 400 Objekte (inklusive der Kugelmunition) erfasste. 1567 wurde ein landschaftlicher Zeugwart eingestellt, der das Kriegsmaterial zu warten und zu verwalten hatte. Nach dem Tod Kaiser Ferdinands I. (1503-1564) wurde dessen Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1540-1590) bezog in Graz Residenz. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die nunmehrige Residenzstadt Graz stärker zu schützen, die Stadtbefestigung wurde ausgebaut und die Waffenbestände wuchsen.
Diese Zeugbestände waren zunächst noch in diversen Zeughütten und Gewölben im Bereich des Landhauses und der Stadttore untergebracht. 1629 verzeichnete das Zeughausinventar 85 000 Objekte, die allerdings nicht mehr ordnungsgemäß verstaut werden konnten.
Eine zentrale Verwahrung wurde erst mit der Errichtung des heutigen Zeughauses 1642 bis 1644 möglich, das nach der Vollendung des Durchgangs zum Landhaus 1645 schließlich 1647 endgültig bezogen wurde. Die Eingangsfassade in der Herrengasse mit einem markanten frühbarocken Rustikaportal, dem bekrönenden Panther als Landessymbol wird von den Monumentalstatuen der antiken Götter Mars (Krieg) und Minerva (Wehrhaftigkeit) flankiert.
Mit dem Frieden von Karlowitz 1699 waren die Kriegshandlungen gegen das Osmanische Reich weitesgehend beendet, der Besitzstand wurde neu geordnet und Österreich wurde ganz Ungarn inklusive Siebenbürgen zugeschlagen. Damit rückte die Steiermark ins Hinterland und verlor ihre militärisch-strategische Bedeutung. 1699 waren rund 185 000 Objekte im Inventar des Landeszeughauses gelistet. Mit dem Abflauen der Türkenkriege verlor das Zeughaus seine Funktion als wichtigste Nachschubbasis für die Militärgrenze.
Kaiserin Maria Theresia wollte im Zuge einer Reform der Militärverwaltung das steirische Landeszeughaus 1749 gänzlich auflassen, alles Brauchbare sollte dem Hofkriegsrat überlassen, veraltete Waffen zum Metallwert verkauft werden. Die steirischen Landstände insistierten, das Zeughaus hätte für sie materiellen wie ideellen Wert und sollte als Denkmal der Geschichte ihres Landes erhalten werden. Dem Ansuchen wurde stattgegeben und das Zeughaus blieb bestehen, wurde allerdings fast zur Gänze stillgelegt erhalten.
Auf dem Weg zum Museum
Nach der Stilllegung des Hauses erfolgte eine Neuaufstellung: Waffen und Rüstungen wurden von ihren ursprünglichen Standorten entfernt und zu künstlerischen Gebilden, wie beispielsweise Pyramiden und Säulen oder zu großen Arrangements vereinigt, welche Wände und Decken zierten.
1797 erlitt die Sammlung Verluste, als man vor der anrückenden Armee Napoleons den gesamten Geschützbestand von 52 Rohren in Novisad (Serbien) in Sicherheit brachte, der dort aber verkauft wurde, um die Kosten für den Rücktransport zu sparen. Damit war die Kanonenhalle, die seit 1985 für Sonderausstellungen genutzt wird, leer und wurde als Depot für ein privates Geschäftshaus genutzt.

Aquarell von Hugo Charlemont, 1887
Im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter des Historismus, erkannte man den historischen und ideellen Wert und leitete Schritte zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands ein. 1882 wurde das Haus dem Publikum zugänglich gemacht.
1892 schließlich erfolgte die Eingliederung ins nunmehrige Universalmuseum Joanneum.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Bestände vollständig in drei abgelegene steirische Schlösser ausgelagert worden. Bereits im April 1946 konnte das Landeszeughaus nach erfolgtem Rücktransport der historischen Waffen dank der Unterstützung der britischen Besatzungsmacht wieder geöffnet werden.




