Frühstück mit Hannah Arendt
Empathie und Emanzipation: „Verstehendes Herz“, prekäre Zeit, erweitertes Urteilen
- 12.06.2010, 10:00 Uhr
Vortrag von Sophie Loidolt vor der Eröffnung der Ausstellung Human Condition
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Empathie und Emanzipation? Oder, anders formuliert: Vermag uns unser Einfühlungsvermögen bei dem Prozess der gesellschaftlichen und politischen Selbstbefreiung zu helfen? Was überhaupt heißt Emanzipation in einer Welt, die von systematischen Ungerechtigkeiten beherrscht wird? Und hat nicht an unserem eigenen privilegierten Platz der Welt die hehre Idee der Aufklärung einer breiten Emanzipationsmüdigkeit und konsumorientierten Indifferenz Platz gemacht?
Hannah Arendt, die eine Grundinspiration für die Ausstellung Human Condition geliefert hat, kann auch hier einige Anstöße geben. Und wie immer denkt sie gegen den Strich...
Sophie Loidolt ist Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien. Sie arbeitet zurzeit an einem Projekt zu Hannah Arendt mit dem Titel Arendt und Kant. Transformation der Aufklärung mit Unterstützung eines APART-Stipendiums der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Forschungsaufenthalte in New York, Paris und Leuven (Belgien). Buchpublikationen: Anspruch und Rechtfertigung. Eine Theorie des rechtlichen Denkens im Anschluss an die Phänomenologie Edmund Husserls (2009); Das Fremde im Selbst. Das Andere im Selben. Transformationen der Phänomenologie (Mitherausgeber Matthias Flatscher, 2010).
Hannah Arendt, gesellschafts- und politikwissenschaftliche Theoretikerin, geboren 1906 in Hannover, gestorben 1975 in New York, studierte Philosophie, Theologie und Griechisch unter anderem bei Martin Heidegger, Edmund Husserl und Karl Jaspers, bei dem sie 1928 promovierte. Nach einer kurzen Inhaftierung durch die Gestapo 1933 Emigration nach Paris, Sozialarbeiterin bei jüdischen Einrichtungen, 1940 Verschleppung in das Internierungslager Gurs, ab 1941 in New York, 1944-46 Forschungsleiterin der Conference on Jewish Relations, 1946-49 Cheflektorin im Salman Schocken Verlag, 1948-52 Direktorin der Jewish Cultural Reconstruction Organization zur Rettung jüdischen Kulturguts, 1953 nach mehreren Gastvorlesungen u.a. in Princeton und Harvard Professur am Brooklyn College in New York, 1959 als erste Frau Gastprofessur an der Princeton University, 1963 Professorin an der Universität von Chicago, ab 1967 an der New School for Social Research in New York.
Publikationen (Auswahl): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1955; Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik, 1958; Vita activa oder Vom tätigen Leben, 1958; Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, 1963; Über die Revolution, 1963; Macht und Gewalt, 1970; Das Urteilen. Texte zu Kants politischer Philosophie, 1982.
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