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Geologie, Paläontologie und Paläoanthropologie der Mount Galili-Formation - Erste Ergebnisse

von Christoph Urbanek, Peter Faupl, Wolfgang Hujer, Theodoros Ntaflos, Wolfram Richter, Gerhard Weber, Katrin Schaefer, Bence Viola, Philipp Gunz, Simon Neubauer, Andrea Stadlmayr, Ottmar Kullmer, Oliver Sandrock, Doris Nagel, Glenn Conroy, Dean Falk, Kifle Woldearegay, Hasen Said, Getu Assefa & Horst Seidler

Zusammenfassung: Die Forschungsarbeit des internationalen paläoanthropologischen PAR (PaleoAnthropological Research) Teams unter der Führung des Instituts für Anthropologie (Universität Wien) begann im Jahr 2000 und wird in der südlichen Afarsenke über die nächsten Jahre hinweg fortgeführt. Die pliozänen Sedimente des Unter­suchungsgebietes repräsentieren die östliche Riftschulter des nördlichsten, bis ins Quartär aktiven Teils des Äthiopischen Rifts. Lithostratigrafisch werden die fossilführenden lakustrinen bis fluviatilen Ablagerungen gemeinsam mit den zwischengeschalteten Vulkaniten im Grabungsgebiet des PAR Teams als Mount Galili-Formation bezeichnet und den „Upper Stratoid Series“ (5–1,4 Ma) zugeordnet. Vulkanische Leithorizonte (Basalte, Ignimbrite und Tuffe) bilden die Grundlage für die stratigrafische Untergliederung der gesamten Abfolge in einzelne Subformationen. Die Geochemie der Basalte weist auf den Übergangsbereich von kontinentalem zu ozeanischem Rift hin. Zahlreiche Hominidenfunde aus dem Arbeitsgebiet weisen auf die Wichtigkeit und das Potential für künftige Fossilfunde im südlichen Awash-Tal Äthiopiens hin. Macchiarelli et al. (2004) dokumentieren in einer ersten Analyse eines Hominidenzahnes (GLL33) aus dem Arbeitsgebiet morphologische Ähnlichkeiten mit Australopithecus afarensis (Johanson, 1978) und Australopithecus anamensis (Leakey, 1995). Das geologische Umfeld und die Faunenelemente deuten auf ein frühes bis mittelpliozänes Alter für diesen Zahn, der von einem männlichen Individuum in fortgeschrittenem Alter stammt. Mit der bisher gefundenen Fauna kann eine Waldlandschaft, unterbrochen von größeren Grasflächen und geprägt durch ein Fluss- und Seesystem mit saisonalen Trockenperioden, als wahrscheinliches Umfeld rekonstruiert werden.

Schlüsselworte: Äthiopisches Rift; Hominiden-führende Sedimente; Pliozäne Fauna.

Joannea Geol. Paläont. 6: 29–43 (2005)