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Lügensteine

Betrugsfall in den Geowissenschaften

Seit kurzem kann sich das Landesmuseum Joanneum zum illustren Kreis jener weltweit 15 Institutionen zählen, die steinerne Dokumente zum wohl weltweit berühmtesten Betrugsfall der Geowissenschaften besitzen: einen „Beringer’schen Lügenstein“.

Beringer'scher Lügenstein, um 1726

Die Geschichte von Johann Beringer, Universitätsprofessor für Medizin in Würzburg, ist weit über den Kreis der Erdwissenschaften hinaus bekannt: Er veröffentlichte im Jahr 1726 die „Lithographiae Wirceburgensis“, in der die ungewöhnlichsten „versteinerten“ Objekte, wie z.B. Frösche bei der Paarung, Spinnen in ihren Netzen, Sonnen mit Gesichtern oder Gesteinsplatten mit Schriftzeichen abgebildet und beschrieben wurden. Der Legende nach sollen diese „Fossil“-Fälschungen auf Betreiben des Mathematikers Jean Roderique und des Bibliothekars Johann von Eckhart von drei Burschen angefertigt und dem selbstgefälligen Johann Beringer überbracht worden sein. Enthusiastisch sammelte dieser die für ihn ein- und schließlich mit großem Erfolg wieder ausgegrabenen Figurensteine. Bald nach der Veröffentlichung seiner „Lithographiae“ wurde der Betrug aufgedeckt. Roderique musste Würzburg verlassen, Eckhart verlor seine Stelle und Beringer ließ sein Opus verbrennen und starb verbittert und überschüttet mit Hohn.

In einer kürzlich erschienenen Abhandlung über die „Beringer’schen Lügensteine“ wird ein wesentlich differenzierteres Bild von den komplexen Ereignissen gezeichnet: Demnach hat Beringer selbst – aus welchen Beweggründen auch immer – die ersten Figurensteine herstellen lassen. Als ihm Roderique später weitere Lügensteine zuspielte, musste Beringer diese wohl hinnehmen, um sein Gesicht zu wahren.

Die Ereignisse um den rund 280 Jahre zurückliegenden Fall werden wohl nie ganz geklärt werden, aber aus heutiger Sicht hat der Fälschungsskandal um Beringer zumindest zu einem stärkeren Interesse an Fossilien, ihrer Entstehung und Bedeutung geführt. Und so hat Johann Beringer die Wissenschaft doch entscheidend beeinflusst.