Weiter zum Inhalt


Fund eines Krallentiers in Gratkorn

Bei Fossiliengrabungen in Gratkorn nördlich von Graz kam vergangene Woche ein 12 Millionen Jahre alter, 4 cm großer Zahn eines Krallentiers zum Vorschein. Der sensationelle Fund folgt auf eine Reihe von ausgezeichnet erhaltenen Resten von „urzeitlichen" Hirschen, Schweinen und Hamstern aus früheren Grabungen.

Großer Zahn eines Krallentiers (Chalicotherium)

Funde von Krallentieren sind in Österreich eine ausgesprochene Seltenheit, wodurch die Bedeutung der Fossillagerstätte bei Gratkorn abermals betont wird. Noch diese Woche gräbt ein internationales Team von PaläontologInnen aus Deutschland, Frankreich und Österreich, angeführt von MitarbeiterInnen des Landesmuseum Joanneum und unter Mithilfe von Grazer und Münchner StudentInnen, dort nach Fossilien.

Die bis zu 3 Meter großen Krallentiere (Chalicotherien) sind die merkwürdigsten Unpaarhufer, die jemals gelebt haben. Evolutionsbiologisch sind sie am nächsten mit den Pferden verwandt, ihre letzten Fingerglieder tragen aber statt eines Hufes tief gespaltene Krallen. Ähnlich gebaute Krallen finden sich heute bei verwandtschaftlich weit entfernten Säugetieren, wie den amerikanischen Schuppen- und Faultieren.

Die Körperproportionen des Krallentiers besitzen mit verkürzten Hintergliedmaßen und stark verlängerten Armen gewisse Ähnlichkeiten zu den Riesenfaultieren der Eiszeit. Der Bau ihrer Zähne lässt sie als reine Blattfresser deuten. Sie bewohnten Wälder und Savannen, wo sie sich, teilweise zweibeinig fortbewegend, von saftigen Blättern niedriger Bäume ernährten. Sie nutzten dabei ihre langen, mit Krallen bewehrten Arme. Die letzten Vertreter der Krallentiere starben zu Beginn der Eiszeiten in Asien aus.

Die diesjährigen Grabungen werden von der Gemeinde Gratkorn und der Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke AG unterstützt.

Kontakt Geologie & Paläontologie: +43/316/8017-9730