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Ein 11,5 Millionen Jahre alter Baum für das Landesmuseum Joanneum

Ingomar Fritz

Seit 1998 werden - von der Abteilung Geologie & Paläontologie des Landesmuseum Joanneum organisiert - in der Tongrube Mataschen (Kapfenstein, Oststeiermark) Fossiliengrabungen durchgeführt. Neben zahlreichen Versteinerungen wurde im Zuge des Tonabbaus bereits auch eine Vielzahl von Bäumen in der Tongrube Mataschen freigelegt; eine Erhaltung dieser fossilen Zeugen einer ehemaligen Sumpflandschaft ist jedoch bislang noch nicht gelungen, da die Baumstrünke mit Durchmessern bis 1,5 m und Höhen von knapp 5 m schwach inkohlt sind und in kleine Stücke zerbrechen, sobald sie aus dem feuchten Ton freigelegt werden und zu trocknen beginnen.

Foto: Universalmuseum Joanneum

Im Jahr 2005 wurden anlässlich einer Fossiliengrabung mit SchülerInnen auch Proben von derartigen Hölzern genommen und in bergfeuchtem Zustand an Herrn Dr. Hoffmann im Schifffahrtsmuseum in Bremen zur Analyse und Begutachtung geschickt. Sein Wissen über und seine Erfahrung mit der Konservierung von wassergesättigten urzeitlichen Hölzern haben in der Folge die entsprechende Rezeptur zur Konservierung des Baumes aus Mataschen erbracht. Diese Rezeptur ist die Voraussetzung für ein mehrjähriges Konservierungsverfahren des fossilen Baumes.

Im Zuge der Sonderausstellung Die Urwelt - Fossile Reste und ihre gemalte Interpretation konnte das schon länger geplante Konservierungsprojekt finanziert werden; außerdem erfolgte ein erstes Gespräch zur Koordinierung von Bergung, Transport und Lagerung eines Baumes - sobald dieser in passender Größe und geeignetem Erhaltungszustand im Zuge des Tonabbaus zum Vorschein kam. Neben der Firma Lias Österreich GesmbH sagten auch die Gemeinde Kapfenstein und die Freiwillige Feuerwehr Mahrensdorf ihre Unterstützung dieser Arbeiten zu.

Am 18. August 2006 war es so weit: Gleich drei Bäume wurden gesichtet und konnten geborgen werden. Mit schwerem Gerät wurden die vorbereitenden Grabungsarbeiten durchgeführt, mit viel Fingerspitzengefühl durch den Baggerfahrer wurde der Baumriese mitsamt seinem Wurzelbereich freigelegt und von seiner tonigen Ummantelung befreit. Stück um Stück - die Bäume waren bereits vor Millionen Jahren im Zuge der Verfestigung des umgebenden Tonmaterials abgeschert worden - wurden die einzelnen Baumteile mit Seilen und Gurten geborgen. Danach erfolgte die zeitaufwändige Säuberung, denn die Tonhülle musste zur Gänze entfernt werden. Neben Geologenhammer, Spateln und Bürsten half vor allem ein Druckreiniger mit hohem Wasserdruck beim Säubern. Die Baumstücke mussten nach der Freilegung permanent feucht gehalten werden, um ein Trocknen und damit verbundenes Zerreißen zu verhindern.

Nach der Reinigung erfolgte der Transport mit Lkw von Kapfenstein nach Söchau, wo in einem Lagerraum, den der Paläontologe des Landesmuseum Joanneum, Martin Groß, zur Verfügung gestellt hatte, bereits ein stabiles, wasserdichtes Becken (310 cm x 200 cm x 140 cm) vorbereitet war. Das Einlegen der Baumteile in dieses Becken wurde von einem Traktor mit Vorderlader unterstützt und war aufgrund der Baum- und Raumgrößen Maßarbeit. Die Füllung des Beckens mit einer 25%igen Lösung von PEG 200 wurde durch die Freiwillige Feuerwehr Söchau mit einem Tanklöschfahrzeug unterstützt.

Nach zwei Jahren wird der Baum in einer 50%igen Lösung PEG 3350 für weitere zwei Jahre eingelegt. Der Konservierungsprozess wird somit erst in vier Jahren abgeschlossen sein; es ist geplant, diesen knapp 5 m hohen Baumstrunk ab 2011 in der neuen Schausammlung der Naturwissenschaften der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Konservierung eines knapp 1,7 m langen Baumteiles konnte man aber bereits ab September 2006 in einem Plexiglasrohr mit 45 cm Durchmesser in der anfangs erwähnten Sonderausstellung sehen. Nach Beendigung dieser Ausstellung wird der im Konservierungsprozess stehende Stammteil in der ständigen Schausammlung der Geologie & Paläontologie gezeigt.

Die Abteilung Geologie & Paläontologie des Landesmuseum Joanneum dankt allen beteiligten Personen und Institutionen für die großartige Unterstützung und der Firma Clariant (Burgkirchen, Deutschland) für die kostenlose Bereitstellung der Einbettungsflüssigkeiten.

Weiterführende Literatur:

GROSS, M., Ed. (2004): Die Tongrube Mataschen - Joannea Geol. Paläont. 5: 1-287, Graz.
FRITZ, I. (2004): Die Tongrube Mataschen (Kapfenstein, Oststeiermark) - Treffpunkt von Museum, Schule, Wirtschaft und Universität - Joannea Geol. Paläont. 5: 35-48, Graz.
FRITZ, I., GROSS, M. & POLIĆ, H. (2006): Fossiliengrabung in Kapfenstein/Mataschen (Oststeiermark) vom 20.-23.6. und 26.-29.6.2006. - 45 S., Geologie & Paläontologie, Landesmuseum Joanneum, Projektmappe für Schulen, Graz.