Das große Knabbern - Riesentermiten in der Südoststeiermark!
Keine Angst, noch ist es mit dem Klimawandel nicht so weit, noch bringen nicht Heerscharen riesiger Termiten unsere heimischen Dachstühle und Carboards zum Einstürzen. Doch vor Millionen von Jahren waren die „Weißen Ameisen" auch bei uns ein entscheidender Faktor im Ökosystem. Bedeutend wärmeres Klima ermöglichte das Vorkommen dieser, ähnlich wie Bienen in Staaten organisierten Insekten in den feuchten Auwäldern der Oststeiermark.
In einer Kiesgrube bei Paldau (Bezirk Feldbach) gelang Paläontologen des Landesmuseums Joanneum (Martin Gross) und der Universität Kansas (Michael Engel) der außergewöhnliche Fund eines rund 11,3 Millionen Jahre alten Termitenflügels. Mit 33,5 Millimetern Länge und einer rekonstruierten Flügelspannweite von fast 8 Zentimetern stellt diese Riesentermite alle bisher bekannten fossilen Termitenfunde in den Schatten. Nur in den Tropen Südamerikas, Afrikas und Australiens lebende Vertreter sind mit knapp 9 Zentimetern Flügelspannweite noch größer. Nichtsdestotrotz, Gyatermes styriensis, so der wissenschaftliche Name dieser neuen Art, ist die bisher größte je gefundene fossile Termite der Welt!
Der Verlauf der Flügeläderung macht eine Zuordnung des Paldauer-Exemplars zu einer urtümlichen Stammgruppe der „Moderholz"-termiten wahrscheinlich. Dieser wichtige Mosaikstein für die Rekonstruktion der Termitenevolution belegt erstmals das Vorkommen dieser Insekten in der Paläo-Steiermark. Ihre Fähigkeit sich von „harter" Zellulose in Form von Holz zu ernähren und damit abgestorbene Pflanzenteile rasch zu recyceln, ihr Einfluss auf Bodenbildung und ihre Bedeutung als protein- und fettreiche Nahrungsquelle müssen bei künftige Paläo-Umweltmodellen verstärkt berücksichtigt werden. Soviel Schaden Termiten heute an menschlichen Bauten auch verursachen, ohne Termiten würden ganze Ökosysteme zusammenbrechen.




