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Um 1800: Am Vorabend des bürgerlichen Zeitalters

Die glänzende Entfaltung der kirchlichen Barockkunst im 18. Jahrhundert verläuft parallel zu Entwicklung und Ausbreitung aufklärerischen Denkens, das den mit aller Pracht inszenierten Triumph der Kirche zusehends in Frage stellt. In den österreichichen Erblanden schränken die Reformen Kaiser Josephs II. (reg. 1780-1790) den sakralen Prunk spürbar ein.

Zudem wird nach 1760  ein neuer Ton spürbar, der eine Rückkehr zur Antike als Hort moralischer Reinheit, Wahrheit und Einfachheit fordert. Der durch Genuß verderbten Zivilisation wird das Idealbild einer unberührten Natur gegenübergestellt. Erstmals werden "primitive" Kulturen gewürdigt. Vordenker der Zeit ist der Schweizer Jean-Jacques Rousseau.

Das Porträt ist nicht mehr nur verfeinerte Naturnachahmung, es soll auch "Spiegel der Seele" sein, wie es die europaweit gefeierte Schweizerin Angelika Kauffmann in London und Rom mit ihren Bildnissen vorführt. Im Gegensatz dazu steht ein ungekünstelter Realismus, der dem einfachen Volk in der Kunst ein Gesicht gibt. So malt der in Graz geborene, später in München wirkende Johann Georg Edlinger mit seinem an Rembrandt orientierten Stil. Er widerspricht damit sowohl der barocken Repräsentation als auch jener Glätte und Kühle, wie sie die Bildniskunst des Klassizismus europaweit schätzt.

Eine beherrschende Rolle spielt im Österreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts Martin Johann Schmidt, gen. "Kremser Schmidt". Er entfaltet eine ungeheure Produktion, vor allem an Altarbildern für Klöster und Pfarrkirchen, behandelt als Wiener Akademiezögling aber auch antike Themen. Seine tonige Malerei ist ebenfalls an Rembrandt angelehnt, doch klingt in den unzähligen Sakralbildern noch der späte Barock nach. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts steht die Akademie ganz im Zeichen eines strenger Klassizismus. Dieser verkündet die Botschaft der Tugend, wie es auch die Wortführer der Französischen Revolution tun.