Die neuen Gattungen der Kunst
Historie, Genre, Landschaft und Stillleben
War das Mittelalter noch nahezu ausschließlich von kirchlichen Themen geprägt, so ist für die neuzeitliche Kunst überhaupt die Zweiteilung in sakrale und profane Stoffe grundlegend.
Die Kunst erlebt eine schrittweise Herausbildung einzelner Gattungen, die bald ihre Märkte finden, die Zahl der Abnehmer sprunghaft steigen und die Grundlagen eines modernen Kunstlebens entstehen lassen. Neben die universal begabten Genies tritt ein Heer von Spezialisten, wie sie vor allem in den Niederlanden in Erscheinung treten. Es sind dies Marktnischen bzw. Marktsegmente in durchaus modernem Sinne, die der nun nach Gattungen geordneten, nordalpinen Kunst ihr Gepräge geben.
Doch bildet sich auch eine Rangstufung heraus, die vor allem für die neu entstehenden Ausbildungsanstalten für professionelle Künstler, die Akademien, typisch ist. Allegorie und Historie nehmen die Spitze ein, gefolgt von Porträt, Landschaft und Stillleben. Für die erstgenannten sind eine profunde literarische Bildung und die Fähigkeit vonnöten, schwierige Figurengruppen nach italienischem bzw. antikem Vorbild zu komponieren. Doch auch die anderen, in der italienischen Kunsttheorie niedriger angesiedleten Gattungen finden überall namhafte Vertreter, die als Könner ihres Faches zu Ansehen und Vermögen gelangen, gerade in der jungen Handelsnation Holland mit ihrem bürgerlichen Kaufmannsmilieu.
Das Genre nimmt eine gesonderte Entwicklung, weil die scheinbaren Alltagsreportagen eine Vielzahl moralischer, zumeist biblisch begründeter Mahnungen enthalten, die stets auf Hinfälligkeit und Erlösungsbedürftigkeit der sündhaften, menschlichen Natur abheben. Auch hier sind die Niederländer Pioniere, allen voran die Brueghel-Dynastie, die maßgeblich zum Kunstleben Antwerpens beiträgt.
Auch die Bedeutung von Landschaft und Stillleben als Widerspiegelung der göttlichen Schöpfung reicht über bloße Naturwiederholung hinaus. Doch wird ihr wegen ihres dominierenden Charakters der Nachahmung intellektuelle Eigenständigkeit und Erfindungsgabe abgesprochen. "Stillstehende Sachen" sind aus der Sicht der Zeit der Gegenpol zur dramatischen Aktion, die geschichtliche Bedeutung und zeitlose Gültigkeit beansprucht, wie sie die Historienmalerei kennzeichnet.










